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täubender ßärttt erschallt, und über die Brücken strömen die Reisenden, zum Teil von Freunden begrüßt-
Zuletzt verläßt ein sonnengebräunter Mann den Dampfer: er hat keine Eile, niemand erwartet ihn. Manch' ein Blick fliegt zu dem interessanten Gesicht, der stattlichen Gestalt. Dr. Werner Alten achtet dessen nicht; mehr, als er geahnt, erschüttert ihn das Wiedersehen der deutscher! Heimat, die er einst in Hast geflohen, um Länder und Meere zwischen sich und jene zu legen, die sich von ihm losgesagt. Ms die ®pitbemie in Schlesien erloschen, hatte er sich einer Expedition nach Afrika angeschlossen, um das Wesen der Pest zu erforschen; rühmend war seine eifrige Mitarbeit von den Leitern des Unternehmens anerkannt worden. Auf der Rückreise hatte er in Spanien, Frankreich, England die hervorragendsten Krankenhäuser besucht, von dort den Seeweg nach Deutschland benutzt. Während dieser Jahre stand er nur mit Berliner Gelehrten in flüchtiger Verbindung, von Hilde hatte er, getreu seinem Wunsche, nie gehört- Daß die Scheidung rechtskräftig geworden, war unzweifelhaft.
Sein bitterer Groll war längst verraucht, doch schmerzliche Wehmut in seinem Herzen zurückgeblieben. Vor kurzem hatte er die Aufforderung erhalten, der Leiter eines großen Krankenhauses der Hauptstadt zu werden, doch diese hatte er nie mehr betreten wollen- Warum aber nicht? Hilde und er würden wie in getrennten Welten leben. Jedenfalls wollte er hin um mit maßgebenden Personen zu sprechen.
Der Eilzug führte ihn seinem Ziele entgegen- Zu Besuchen ist es zu spät; so wandelt er durch die Straßen, uno überall erwachen Erinnerungen, süße und schmerzliche- Der Stadtpark liegt vor ihm im Zauber des Lenzes, und — da ist die Straße, das Haus, in dem er so selig war. Was treibt Dich, Thor, in seine Nähe? Wohnen darin nicht längst fremde Menschen? Aber alles mutet ihn bekannt an-
Doch dort unter Blumen spielt ein Kind- Goldene Locken fallen auf sein weißes Kleidchen, es jauchzt mit hellem Stämmchen- Wem gehört, der Knabe? Die Wärterin plaudert mit ihm, und trägt ihn hineiw Und noch immer regungslos steht Dr- Alten. Da ertönt im Hause der Klang einer Frauenstimme. Weich und schmerzlich klingt es zu dem Lauschenden:
„Nur wer die Sehnsucht kennt, Weiß, was ich leide-''
Hildens Stimme! Ein Beben ergreift ihn- Sie weilt noch an derselben Stätte, sie sehnt sich- Nach wem, nach wem? Sein Herz pocht in wilden, unregelmäßigen Schlägen, es zieht ihn mit Macht hin zu der noch immer Geliebten. Ohne sich von seinem Thnn Rechenschaft zu geben, öffnet er das Gitter, eilt im Schatten des Abends auf die Veranda; die Thüre zum Zimmer ist geöffnet.
Da steht Hilde vor seinem Bilde, und hebt die Arme wie verlangend ihm entgegen. Ihn schwindelt vor einem großen, ungeahnten Glück-
„Hilde!" Der traute Name ist seinen Lippen ungewollt entflohen. Sie wendet sich, und steht wie angewurzelt. Rosenglut überzieht ihr Antlitz, sie streckt die Hände aus, und murmelt: „Endlich, endlich!"
„Verstehe ich recht. Du begrüßest mich freudig. Du zürnst mir nicht. Du, die sich von mir getrennt?" —
Sie schüttelte den Kopf- „Ich blieb Dein!" hauchte sie. , „Ich erkannte mein Irren — Gottlob, nicht zu spät! — ich schrieb es Dir längst, harrte in Reue und Sehnsucht Deiner Antwort-"
„Nie empfing ich eine Zeile von Dir."
„So laß mich jetzt hier zu Deinen Füßen bitten: „Vergieb, daß ich Dich heimatlos gemacht, daß ich Dir Dein Glück nahm!"
Erschüttert zieht er sie empor- Sie aber fährt fort: „Nicht eher darf ich an Deinem Herzen ruhen, bis Du alles weißt. In Zorn und Trotz war ich gegen Dich verhärtet, da that Gott ein Wunder an mir: unser heißer, bisher vergeblich gehegter Wunsch sollte erfüllt, uns ein Kind geschenkt werden! Ihm durfte ich nicht den Vater rauben. Doch erst, als es seine Augen dem Lichte aufgeschlagen, Deine Augen, Werner, da erstand die Liebe wieder in mir, da ward ich erst zum echten Weibe. Und als der Kleine erkrankte, schrie ich nach Deiner
Gegenwart, Deiner Hilfe. Seitdem war mein ganzes Leben nur ein Warten auf Dich. Ich glaubte nicht den Meinen^ die Dich für tot hielten, mein Herz sagte mir anderes; ich mußte Dich ja um Vergebung bitten, gut machen, was ich gefehlt. Kannst Du mir nicht verzeihen, Werner, so mag er für mich sprechen, er, unser Sohn!"
Ueberwültigt von Glück, umfängt er Mutter und Kind. „Du giebst mir mehr, als ich verlor!"
„Doch ob ich auch gewandelt bin, an eines Wortes Bedeutung halte ich fest: Alles oder nichts- Doch nicht nehmen will ich alles, sondern geben: Liebe, Teilnahmö an Deinem herrlichen Beruf, Treue ohne Wanken!"
Gemeinnütziges.
Gerstenkörner- Bekanntlich werden Kinder, aber auch Erwachsene häufig von Gerstenkörnern heimgesucht. Sie beruhen auf einer in Eiterung übergehenden Entzündung der Meibomschen Drüse. Ihre Behandlung ist eine zweifache- Im Anfangsstadium thut man gut, die Eiterung zu unterdrücken, und man wendet daher kleine kühle Kompressen an, die man wechselt, sobald sie trocken geworden sind- Zeigt sich aber schon Eiterung, so darf man nicht mehr kühlen, sondern muß halbstündlich zu wechselnde warme Umschläge machen und dabei häufig mit Kamillenthee baden. Für die häufige Wiederkehr des Gerstenkornes sind schlechte Säfte, Bleichsucht, Skrophulose und dergleichen anzugeben, und es empfiehlt sich daher, den GesamtMrganismus in Behandlung zu nehmen, damit sich eine Generalreinigung des Körpers vollzieht. Namentlich treten solche Rückfälle in den Entwickelungsjahren ein. In erster Linie muß eine richtige Diät eingehalten werden- Fleisch ist möglichst zu vermeiden, Eier sind nur mäßig zu geben — eins pro Tag — dann aber ist Obst, Gemüse und Milch anzuraten- Ferner gebe man wöchentlich, mindestens aber alle 14 Tage ein Dampf- oder Schwitzbad und wöchentlich zwei bis drei warme Bäder mit nachfolgender Einpackung in trockene Laken und wollene Decken. Frische Luft, viel Bewegung im Freien, Gartenarbeit, sind notwendig. Aeltere Personen sollen nicht rauchen, trinken, nicht ausschweifend sein und auch den Tabaksqualm meiden.
„Prakt. Wegweiser", Würzburg.
Preisrätse I.*)
i
m
a
o
e
n
g
11
12
10
7
9
8
Füllrätsel
(Nachdruck verboten.)
Die leeren Felder sind mit fassenden Buchstaben derart auszufiillen, daß tn jeder wagerechten Reihe zwei Wörter entstehen, von denen daS zweite mit dem Endbuchstaben des eisten wieder anfängt, K R E I 8 I E ß = „Kreis und Sieg". Die auf diese Weise entstehenden 12 Wörter haben felgende Bedeulung: 1 Stadt in Armenien; 2. arabischer Feldherr; 3. Berg in Tirol; 4 beliebtes Spiel; 5. weiblicher Borname; 6. preußischer General; 7. Nahrungsmittel; 8. an Gewässern; 9. Schlachtort in Ober« Italien; 10. Getränk; 11. Stadt in Arabien; 12. Heim. —
. Sind die richtigen Wörter gebildet so bezeichnen die ausgefüllten drei senkrechten Rechen zwei Fürstentitel und einen geschichtlich bedeutsamen Teil der Erde.
*) Lösungen sind mit Aufschrift: ,,PreiSrätsel-Lösung" versehen innerhalb acht Tagen an die Redaktion der „Gtrßener Familienblätter" einznsenden.
Auflösung des Abstrichrätsels in vor. Nr.r Talent arbeitet, Genie erschafft.
Redaktion: E. Burkhardt. — Rotationsdruck und B erlog der Brübl'schen Universitäts-Büch- und Eteindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


