Ausgabe 
1.2.1902
 
Einzelbild herunterladen

Samstag den 1, Februar.

Hf

TQOB

Z^W

1902. Nr. 18.

einend ward ich geboren, und weinend scheid' ich von hinnen; Weinend der Thronen viel hab' ich mein Leben verbracht.

P a ll a d a s.

Nachdruck verboten.

Verschollen.

Original-Erzählung von M. Ludolfs.

(Fortsetzung.)

Tie Fahrt gestaltete sich nun nach Ueberwindu..g der beiden Hindernisse wirklich anmutig. Die Lüfte wehten immer linder, die Welt wurde immer maienfrischer. Die Troita klingelte lustig, der Postillon sprach zärtlich mit seinen Pferdchen, da er jetzt auf Steppenwege einbog. Ja, die Steppe, die freie weite, unabsehbare Steppe. Da lag sie nun vor Clarita mit all ihrem stillen, ungeahnten Reiz. Das weiche Steppengras, vom Winde leicht bewegt, wogte gleich bet: leichten Wellen des weiten Meeres. Ja, weit, endlos dehnte sich diese grüne Fläche aus, großartig, Achtung heischend, in ihrer lautlosen Ruhe. Clarita fühlte sich darin wunderbar frei, fessellos mit den beiden jungen Gefährten wurde sie wieder zum Kinde. Kindern gleich begrüßten sie alle drei die erste in der freien Steppe her- gerichtete Poststation. Der Kutscher dehnte sich daselbst faul in ' der Sonne, seineKinderchen, seine Seelchen, seine Pferdchen" weideten in dem duftigen, weichen Grcre. Während die letzteren ausgespannt wurden, verließen die drei Insassen den Wagen, suchten Blumen, haschten nach Schmetterlingen, jagten gar Steppenvögeln nach und atmeten in vollen Zügen die reine 'Stuft Erst als das helle Geläute der mutigen Troika mahnend, lockend zu ihnen herüber­tönte, liefen die Damen mit Feodor um die Wette nach dem lustigen Gefährte und weiter gings, dem ersehnten Ziele zu.

Bor Abend ließ sich dasselbe trotz der schnellen Pferde Unermüdlichem Laufe nimmer erreichen, aber auch der Tag neigte sich allgemach zur Rüste. Der Mond ging auf und überflutete mit seinem magischen Schein die eigentümliche, Clarita so fremdartige Landschaft. Rechts und links dehnten sich die Steppen aus, nichts als Steppen, in denen das Leben zu schlummern schien. Von Schafherden und Pferdekoppeln sah man nichts, weil die Schäfereien und Tebunen int Schatten der sinkenden Nacht zurückwichen. Der Weg aber war bereits besser geworden und an beiden Seiten mit Bäumen bepflanzt; man nahte sich dem Dorfe vor dem Gut. In dem matten Mondlicht tauchten bereits schattenhaft die Umrisse einzelner Hütten auf. Allmählich traten diese deut­licher hervor, und zeigten sich in der Nähe zumeist als kleine, Über nicht schlecht erhaltene Holzhäuser. Deren Besitzer mochten sich eines verhältnismäßigen Wohlstandes erfreuen;

int allgemeinen jedoch mangelte es anch diesem kleinen Ort nicht an einem armseligen Aussehen und dem unvermeid­lichen Schmutz. Pfützen und Schmutzlacheu gab's wenigstens in den Straßen genug. Dieselben waren öd' und leer. Die schmutzigen Kinder, die sie sonst bevölkerten, schliefen be­reits. Lärm und Geräusch hörte man nicht zu dieser nacht­schlafenden Zeit, nur vereinzelt schimmerte Licht aus den Jsbas, wo die kleinetr Fensterscheiben nicht mit Papier zu- gellebt waren. Drinnen mochte man sich noch unterhalten; denn 6et dem Geklingel des vorüber sausenden Tara:.. , erwachte Leben. Durch das ungewohnte Geräusch aufge­schreckt, fuhr manch ein Kopf zum Fenster heraus, dunkle Gestalten mit harzduftenden Fackeln erschienen auf dem Thürschwellen, während in allen Gehöften sämt.iche Hunde in Ausregung gerieten und kläffend hervorstürzten, um die flinken Pferde zu umkreisen. Von dem Kutscher wurden sie reichlich mit Flüchen ttnd Peitschenhieben begrüßt, unterdes die Troika in toller Jagd weiter sauste ohne Rück­sicht auf die Neugierigen, die da beleuchtet von dem flackernden, qualmenden Licht des Kienspans sich bei dessen grellen: Schein vergeblich mühten, von den Vorüberfahren- deu einen Blick zu erhaschen. Doch der Starost hatte ihnen gesagt, daß der junge Bärin erwartet werde nun bildeten sie sich ein, ihn erkannt, ihn gesehen zu haben und krochen in ihre Jsbas zurück.

Weiter aber flog die Telega, das Dorf hinter sich lassend. Es versank int Dunkel der Nacht. Wieder dehnte sich die weite, unabsehbare Fläche aits. Im Wagen drinnen war's still geworden. Je näher sie dem Ziele kamen, je heißer klopfte Clariias Herz. Sie schaute zu dem dunkelblauen Himmel auf. Cr blieb sich doch ewig gleich. Solch strahlende Sterne hatten auch am Lago Maggiore zu ihr nieder­gegrüßt, als sie ihre kleine Dolores zur Ruhe gebettet.

Ihr lieblichen Sterne Wie steht ihr so ferne Am Himmelszelt, Im Dunkel der Nacht. Mit goldener Pracht Hoch über der Welt! Den trauernden Herzen, Ihr himmlischen Kerzen, So freundlich ihr blinkt! In Dunkel und Qual Aus irdischem Thal Zum Himmel ihr winkt,

seufzte Clarita innerlich. Da fühlte sie sachte eine weiche Kinderhand die ihre erfassen.Clarita", flüsterte Feodor, dem: Lisavetta schlief,dort, dort!" er deutete lebhaft die Richtung mit seinem Finger andort beginnt unser Park." , t .

Schauen Sie scharf zu, und Sie vermögen beretts deut­lich die alten hohen Bäume zu erkennen. In deren Schatten liegt Ornatoffsko.