4
Venedig, welche diesem Datum Lis zu ihrem Untergange treu blieb.
Am allerunbequemsten ist es natürlich, wenn man Neujahr mit dem Tage irgend eines beweglichen Festes zusammenfallen läßt. Dies war in Frankreich der Fall, wo man bis zum Jahre 1556 das neue Jahr hänfig mit dem Osterfeste beginnen ließ, und zwar nicht etwa mit Ostersonntag, sondern mit der Vesper des Charsamstages, an tvelchem die Osterkerze geweiht wurde. Die Jahre waren dann natürlich recht verschieden lang; aber man fand sich mit diesem Uebelstande im bürgerlichen Leben ebenso ab, wie es noch heute in den Schulen der Fall ist, deren bald kürzere, bald längere Semester für die Gleichmäßigkeit des Unterrichts nicht von Vorteil sind.
Auch anderwärts gab es der Willkürlichkeiten bezüglich des Anfangs des Jahres eine große Menge. In England begann man dasselbe bis zum Jahre 1752 mit dem 26. März. Der Orient feierte zur byzantinischen Zeit Neujahr am 1. September, eine Sitte, die bald nach Italien verpflanzt wurde und sich dort lange erhielt.
Noch heute fangen die Kopten das neue Jahr mit dem 1. August an, während die syrischen Christen dies mit dem 1. September, und die Nestorianer und Jakobiten mit dem 1. Oktober thun, ein Beweis dafür, daß es diesen auf ein,- ander höchst eifersüchtigen Sekten nur darum zu thun ist, daß jede etwas Eigenes für sich hat.
In Deutschland hat erst die Einführung der gregorianischen Kalenderreform vom Jahre 1582 dem 1. Januar zum Siege über seine Wettbewerber verholfen; doch geschah das keineswegs mit einem Schlage, da die protestantischen Länder sich lange gegen die Verbesserung sträubten, deren Nützlichkeit niemand abstreiten kann. Daß Russen und Griechen itotf) heute mit Zähigkeit an ihrer veralteten Zeitrechnung sesthalten, die seit Beginn des 20. Jahrhunderts noch um einen weiteren Tag, nämlich um 13 Tage hinter unserer Zeitrechnung herhinkt, ist allgemein bekannt.
Außerhalb des Bannkreises der europäischen christlichen Kultur hat natürlich jedes Volk seinen besonderen Neujahrs- ::ag. Bei den Juden fiel er auf den ersten Tischri, den iebenten Monat dieses Jahres, an welchem Adam erschaffen ein soll (Mitte September). Da dieser Festtag mit Po- aunen- und Trompetenschall begrüßt wurde, hieß er auch der Sabbath des Blasens. Die Perser beginnen ihr Jahr mit dem 14. März. In Indien kennt man gar drei verschiedene Jahresanfänge, von denen der älteste, noch heute in den südlichen Teilen des Landes gütige, welcher von Kalijuga aus dem Jahre 3102 vor Christus stammt, mit dem 28. Januar beginnt.
Heute, wo China besonders im Vordergrund steht, dürfte es manchen vielleicht interessieren, über das dortige Neujahrsfest einiges zu erfahreü. Es fällt im Lande der Zopfträger auf den ersten Tag nach dem Neumonde, während die Sonne im Sternbilde des Wassermannes steht, und kann deswegen im Verlaufe eines längeren Zeitraums auf jeden Tag zwischen dem 20. Januar und 18. Februar fallen. Rechnung; doch hat man in ersterem Lande bereits 1872, Früher folgte man auch in Japan und in Korea dieser in letzterem aber im Jahre 1892 unseren Neujahrstag angenommen.
Man glaubt nun gar nicht, mit welcher breiten Behaglichkeit sich dieses so fleißige, emsig schaffende Volk der Feier seines größten Festes hingiebt. Von einem Festtag kann man da gar nicht sprechen. Es ist vielmehr eine ganze Reihe, die sich durch mehrere Wochen hinzieht, und innerhalb welcher das Erwerbsleben fast vollkommen stillsteht.
San-Lin — so nennt der Chinese sein Neujahr — ist für ihn der Inbegriff aller irdischen Glückseligkeit. Ganz .China feiert an diesem Tage sozusagen Geburtstag, weil man die Zahl der menschlichen Lebensjahre, von Neujahr an rechnet, und wenn auch seit der Geburt eines Kindes bis Neujahr nur wenige Tage verflossen sind, diesen kurzen Zeitraum einem ganzen Lebensjahre gleich setzt. Es ist ein Abschluß in Handel und Wandel, wie ihn Europa an keinem Tage des Jabres kennt. Der Kaufmann überschlägt „Soll und Haben" oes zu Ende gehenden Geschäftsjahres, treibt seine Forderungen ein, veranstaltet Ausverkäufe, um sich für das Neujahr reichliche Geldmittel zu verschaffen. Daneben Nehmen die Vorbereitungen zur Beglückwünschung einen bedeutenden Umfang an. Denn der Chinese ist nicht nur
gegen Bekannte Und Verwandte ein sehr höflicher Mann; er wünscht sich selber auch für das neue Jahr alles erdenkliche Gute und Schöne, und begnügt sich nicht damit, dies innerlich zu thun, sondern schreibt diese Wünsche, gespickt mit Zitaten der alten Dichter, auf Hunderte von roten Zetteln, die er an die Häuser und deren Eingänge, an Thüren/ Zimmerwände, Möbelstücke, Wagen, Schiffe, sämtliche Haustiere und selbst an die Bäume und Sträucher der öffent-. lichen Anlagen anheftet. Kurz vorher geht es an eine große Reinemacherei, die bei dem sprichwörtlichen chinesischen Schmutz auch sehr notwendig ist, und die Küchenvorbereitungen geben den Hausfrauen Tage und Wochen hindurch ebenfalls genug zu thun. Im Gegensatz zu diesem Treiben herrscht dann am eigentlichen Neujahrstage die tiefste Feiertagsruhe, so etwa wie in rein protestantischen Gegenden am Karfreitage. Sämtliche Geschäfte und öffentliche Amtsstellen sind geschlossen; der sonst so bewegte Straßenverkehr ist gänzlich verschwunden. Nur Sänften werden in großer Zahl durch die Städte getragen; denn die gute Sitte verlangt, daß man Personen von Rang und Stand und seinen Freuden persönlich Besuch abstattet, wobei man nagelneue Kleider trägt, die übrigens auch die untergeordneten Kulis an diesem Dag anlegen, um freilich dann das ganze Jahr bis zum nächsten Neujahrsfeste damit auskommen zu müssen. Dann beginnt das üppige Fest der leiblichen Genüsse, dem durch, fünf Tage hindurch alles Sinnen und Trachten gilt. .Allmählich kommt dann zwar das kleine Geschäftsleben wieder in Gang; denn die Welt steht nicht still, und es muß verdient werden. Aber noch etwa weitere 14 Tage lang jagen sich Einladungen zu Festlichkeiten und Schmausereien, die endlich mit einem Gastmahl, zu dem die ganze Verwandtschaft eingeladen wird, ihren Abschluß finden.
GemeinnirLzLges.
B a ck h e f e ist, wie das Reichsgericht unterm 29. Sep^ tember 19Ö0 erkannt hat, als Nahrungs- und Genußmittel im Sinne des Nahrungs- und Genußmittelgesetzes vom 14. Mai 1879 zu erachten, weil die Grundstoffe der Hefe Leim Backen nicht vollständig verschwinden,, sondern als. aLgestorbene Zellen im Gebäck verbleiben uud einen untrennbaren Bestandteil desselben bilden, somit die Backyefe von vornherein bestimmt ist, nach Verarbeitung mit anderen. Stoffen als Nahrungs- oder als Genußmittel dem menschlichen Körper zugeführt und so verbraucht zu werden..
™ K a . (Prakt. Wegweiser, Wurzburg.-)
Charade.
Nachdruck verboten.
Das Erst- ist ein jeder Morgen, Und jede Zeitung soll es sein. Mit Hoffnung kommt's nach bangen Sorgen, Und mit der Mode stellt sich's ein.
Das Zweite kann nicht stille stehen, Kaum grüßt man eS, ist's wieder fern; Die Jugend hat's nicht oft gesehen, Doch grüßt sie es als Ganzes gern.
Das Ganze kommt stets dicht verschleiert, So träumt sich's jeder, wie's ihm paßt. Es wird besungen und gefeiert, Und doch entflieht's nach kurzer Rast.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Kreirzrätsel.
(Nachdruck verboten.)
_ _ 12 trägt jeder hier im Leben,
'S Und manchen wird's vom Chef gegeben.
JL V 34 verschließet Thür und Thor.
—— ---— 8 2 kommt nur in Märchen vor.
9 A 14 wird auf den Kopf geschlagen.
U Tfc 2 4 läßt sich vom Winde tragen.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Merkrätsels in vor. Nr.t Sonne, Byron, Helm, Trave, Dirne, Brutus, Travestie, Schwester, Engländer — Sylvester.
Auflösung der Geheimschrift in vor. Nr.: Klug sich in Welt und Menschen fügen, Gern nützlich sein, soviel man kann, Sich selbst und andre nicht betriigen, Die Lehre paßt für jedermann.
Redaktion: E. Burkhardt. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießm.


