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Für Bmenfreunde!
Anfang und Mitte April werden die „Familienblättcr" ein Preisrätsel bringen. Die Einsender der zunächst aus der Urne gezogenen vier richtigen Lösungen erhalten als s>ms je ein gebundenes Exemplar des von der Kritik als crne Erscheinung allerersten Ranges gekennzeichneten Buches
Siegen oder Sterben.
Die Helden des Bnrenkrieges. Bilder und Skizzen nach eigene« Erlebnissen von Fred. Rompel, Parlanientsberlchterstatttr und Kriegskorrespondent der „Volksstimme" in Pretoria.
Die Namen der Gewinner werden seinerzeit in de« „Familienblättcrn" veröffentlicht, und sind die Preise gegen Vorzeigung der Abonncmentsquittung m unserer Gcschaftssteue Schulstraße 7 in Empsang zu nehmen.
Adele hörte nichts von dem, was sie da unten sangen, sie sah auch die jungen Gesichter nicht, nur unbestimmte Klänge berührten sie und ein undeutliches Bild von Feierlichkeit und Schönheit. <
Aber das Kirchlein von damals sah sie deutlrch, und den lieben, alten Pfarrer hörte sie sprechen, als stünde er vor ihr: „Dir ist viel gegeben — Herz, Verstand, Schönheit und Reichtum, — aber es wird auch viel von Dir gefordert werden, wuchere mit Deinem Pfund."
Und was hatte sie gethan? — Geschwärmt zuerst, «ich und den anderen die Sterne vom Himmel versprochen und dann sich weggewandt vom rechten Wege, sowie ihn ein Stein oder ein" Dornbusch ein wenig mühselig machte. _ Der alte Pfarrer war gestorben, das Mutterauge, dessen zärtlichen Segensblick sie eben jetzt so deutlich spürte, hatte sich geschlossen. Sie war die verwöhnte Herren daherm, ihr fiel alles in den Schoß — und sie hatte nie genug.
Ter Geistliche unten sprach mit eindringlicher Beredsamkeit aus die jungen Seelen ein - Adele hörte ihn nicht und vernahm doch eine Predigt. Als der Geistliche hier die Hand segnend auf Maias blonden Scheitel legte, da meinte sie die zitternden Finger ihres alten Pfarrers zu spüren und schloß die Augen.
Die schöne Saat, dachte sie, und nichts ist aufgegangen als Selbstsucht und Eitelkeit. — Nun war es vorbei — Stühle rückten, ein Flüstern erhob sich. Adele kam aus der andern Welt zurück, wandte sich seitwärts und sah in Polens Augen. , . ,
Der war auch: nicht ganz bei der Sache gewesen, der hatte allerlei widersprechende Empfindungen in seinem Herzen in Einklang bringen wollen — jetzt aber, da er die Schöne sah, deren Augen noch von einer fernen himmlischen Welt erfüllt schienen, neigte er sich zu ihr und flüsterte hastig: „Mein teures Fräulein, hier ist heiliger Boden, darf ich Ihnen hier sagen" -
Da wachte Adele auf und wußte auf einmal ganz genau, was sie jetzt thun mußte, wenn sie sich nicht zeitlebens vor der anderen Adele schämen wollte, die einst am Palmsonntag daheim in der kleinen Dorfkirche gekniet hatte.
„Nein", sagte sie leise, aber sehr bestimmt. ,Sie irren sich, irren sich ganz uttb gar in mir, und eben jetzt auch in Ihren eigenen Gefühlen. Sehen Sie dorthin nach dem Pfeiler — dort steht Ihr Glück — ich habe nichts damit zu thun!"
Verletzt richtete sich der junge Mann aus.
War die schöne Adele eine Kokette? Spielte sie mit ihm? Steckte sie voller Launen?
Sie trat still an die Brüstung und sah zu Mara hm- unter: den innigen Ausdruck des schönen Gesichts sah er nicht, er sah nur ihr sich Abwenden und blickte nach dem Pfeiler hinüber, wo ein Paar zärtliche blaue Augen jebe seiner Bewegungen verfolgten.
Ein tiefer Atemzug befreite seine Brust, bie Kränkung war vergessen, er fühlte nur noch bas Eine: Dort stand sein Glück.
Velhaaen & Klafings Monatshefte.
Die ungemein interessanten Erinnerungen an seine Fugend- und Lehrjahre, bie Professor G n st a v E b e r l e i n in Velhagen & Klasings Monatsheften veröffentlicht, sinb im April-Heft bieser Zeitschrift zu Enbe geführt. Der Künstler hat sich enblich mit Hilfe ebler Menschen den Zutritt zur großen Kunst erkämpft. Er hat bret Jahre lang in Nürnberg bie unter Leitung F. A. Krelings stehende Kunstschule besuchen bürfen und wandert nun nach Berlin, wohin ihn der ausgehende Stern Reinhold Begas lenkt. Hier harrt seiner freilich noch eine Zeit voll Entbehrungen und Enttäuschungen, bis er endlich fern ganzes großes Können entfalten kann. Die Erinnerungen send von bestrickendem Reiz. .. , o
Tas Heft bietet auch sonst viel Interessantes. Hanns von Zobeltih würdigt eingeheyd das Toppel-Trama Bjorn- stjerne Björnsous:' „lieber unsere Kraft" und das „U e b e r b r e t t l" des Herrn von Wolzogen; Siegfried Sa- mosch schildert „Spanien a in S ch e i d e w ege"; tz. Graf zu Dohna erzählt die wechselvolle Geschichte des Hadrians-Mausoleums ; W. Kleefeld giebt in dem
Aufsatz: „Der 18. Januar 1701 in der deutschen Oper"; ein interessantes Zeitbild aus dem Theaterleben Hamburgs. Alle diese Artikel sind reich illustriert.
Unter den nicht illustrierten Beiträgen hat uns besonders eine Novellette von Jeanne Bertha Semmig gefallen: „Madeleines Studienreise". Sie spielt nicht nur in Frankreich, sondern ist auch voll französischer Grazie. ,
Matti oh: >E. Burkhardt. - M und »erlag der Brühl'schm Um^tälMSutfr rnti St-mdruckrr-t (Pi-tsch *t6«R) tu ®iefra.
Merkrätsel.
Nachdruck verboten.
Graben — Stündlein — Budoir — Kanne — Bier — Geist — Magd.
Bon jedem der vorstehenden Wörter sind zwei nebeneinanderstehende Buchstaben zu merken, die alsdann im Zusammenhang einen Tag des Kirchenjahres bezeichnen.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer:
Steuermahnzettel.
GesASiKNÄtzege».
Zucker als Nahrungsmittel wurde vor kurzem durch den französischen Physiologen Chaveau einer Untersuchung unterworfen. Der genannte Gelehrte nahm als Versuchsobjekt einen Hund und fütterte denselben wahrend 54 Tagen mit 500 Gramm Fleisch und 250 Gramm Zucke,. Obwohl der Hund täglich einen Weg von 24 Kilometer zuruck- zulegen hatte, hatte er doch am Ende der Versuchszeit um ein Fünfzehntel seines Gewichtes zugenommen.
VsL'Mrsctztes.
Buren-Humor. Lord Kitchener hatte kürzlich - zwar nicht den tapferen de Wet, wohl aber eine für diesen bestimmte Sendung Maggi-Würze abgefaßt. Als der Buren- General dies erfuhr, lachte er grimmig: Ta haben btt Englänber ja das Beste zum Würzen der Suppe, bie sie sich in Transvaal eingebrockt haben!
Litterarisches.
„Der Stein der Weisen" enihäll in seinem kürzlich erschienene». 19. Hefte eine Anzahl Abhandlungen, welche lcbhafics Interest- beanspruchen dürfen. In erster Linie güt dies von der eingehenden Beschreibung (mit instruktiven Abbildungen) über die neuen französischen Pustel- in Celesta-Harmoniums, welche als das Vollendetste aus dem Geb,etter musikalischen Jnstrumenleutechnik gelten dürfen. Ebenso neu ult» eigenartig seinem Inhalte nach ist der Anssatz über ^arbentelegraphli (mit erläuternden Figuren)/ Das Hesr enthält ferner eine umfangreiche Abhandlung über Städteanlagen mit zahlreichen Abbildungen, sodann eine Studie über Feldbau und Viehzucht 'M Spiegel der Kult r- q-schichte, ein- Skizze Zur Geschichte der Schiffahrt (nnt c,net „Seekarte" der Südsee-Jnsulaner), schließlich vielerlei kürzere Mitteilungen aus dem Ticrleben, der Naturkunde, dem Verkehrswesen, der Erd- und Völkerkunde, der Pflanzenkunde, eine mit hübschen Abbtldungen gcschunmtc Beschreibung des Münster t ha les im Elsaß u. a. m „Der Stein der Weisen" (A. Hartlcbens Verlag, Wien, erscheint m halbmonatlichen Heften im Umfange von 32 Großquartseiten, geschmückt nnt.30 bis 40 Abbildungen, zum Preise von 50 Psg. das Hesr. Jede Buchhandlung gibt Probehefte ab.


