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(Nachdruck verboten.)

Die Seekönigin.

Seeroman von Clark Rüssel.

(Fortsetzung.)

Dreizehntes Kapitel.

A u f S e e.

Der Tag kam heran, wo ich mich endgiltig an Bord derAurora" begab. Mein Gepäck befand sich in der Kajüte; meinem Vater hatte ich Lebewohl gesagt, wobei er mich in seiner Umarmung sestgehalten hatte, als wollte er mich nie wieder loslassen. Schon befand sich die kleine Bark auf dem Ozean, dessen Wogen uns voraussichtlich so manchen Monat schaukeln würden, bis wir jene braun und grün ge­färbte Mste, die sich jetzt von Norden nach Süden hinter uns ausdehnte, wieder zu Gesicht bekämen.

Ich stand über die Reeling gelehnt und betrachtete die Küste und den Leuchtturm von Tynemouth, die über der Stadt Shields hängende Rauchwolke und die sich an der Bucht entlang ziehende, in grauer Ferne Verschwimmende Felsenlinie. So sroh und stolz ich mich auch fühlte, mit meinem Manne zusammen zu sein, konnte ich doch ein Gefühl der Niedergeschlagenheit nicht unterdrücken, das ganz natur­gemäß auf den Abschied von meinem alten Vater folgte.

Der Wind war östlich, mäßig frisch und bitterlich kalt. Die See sah aschfarben aus und war von kleinen Wellen belebt, die uns spielend umplätscherten, als die Bark, dem Zuge der schweren Schlepptrosse folgend, darüber hinweg­glitt. Es war ein echter Wintertag. lieber dem Horizont lagerte die Luft in dichten Massen und deutete auf kommen­den Nebel, während die bleiche Sonne wie ein Flecken gelben Lichtes auf einem Hintergründe von trübem Blau erschien, an dem einige Wolken vorüberzogen. Mit jedem Faden, den wir vorwärts kamen, wurde die Küstenlinie hinter dem Heck unbestimmter und schwächer in der grauen Luft, die sich immer mehr verdichtete.

Die Mannschaft stand um das Volkslogis herum und erwartete die Befehle zum Segelsetzen. Mein Mann und der Steuermann gingen in regelmäßigem Seemannsschritt auf der Luvseite des Quarterdecks auf und ab, indem sie bald einen Blick auf das Wetter, bald nach oben richteten. Der

Donnerstag den 31. Januar.

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1901. - Nr. 16.

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faß dich nicht irren von Kritikastern, Und wie du bist, so gib dich ganz. Trägst du nicht Rosen, so trägst du doch Astern, Sie finden wohl auch ihre Stell' im Kranz.

Geibel.

Steuermann, Herr Heron, war mir bereits vorgestellt. Er war eben der einzige, nach herkömmlicher Sitte vorstellungs­fähige Mann an Bord. Die ihm im Range folgende Persön­lichkeit war der Schiffszimmermann, der zweiter Steuer­mann genannt wurde und abwechselnd mit Herrn Heron als Offizier einer Wache thätig sein sollte.

Als mein Mann mich in der Kajüte mit dem Steuer­mann bekannt machte, hatte ich die Empfindung, daß ich mich mit diesem Herrn wohl nie besonders befreunden würde. Er entsprach meinen Ansichten über das Aussehen eines Seemannes, wie es etwa der Schreiber eines Rechtsanwalts gethan haben würde. Er hatte eine unangenehme, gelbe Gesichtsfarbe, sein Bart hatte eine leicht rötliche Färbung, die Augen waren mattblau und hatten keinen offenen Blick. Nicht die geringste Einzelheit in seiner Erscheinung deutete auf die Treuherzigkeit hin, die den echten Seemann aus­zeichnet. Sogar seine Kleidung war unseemännisch; er trug gelbliche Beinkleider und einen Gehrock.

Sobald das Land in der nebligen Luft verschwunden war, die den Horizont verengerte und bis auf ein paar Seemeilen näher brachte, begab sich Heron nach vorn und erteilte mit scharfer Stimme einige Befehle. Im Augenblick war die Mannschaft in Bewegung. Taubündel wurden an Deck geworfen, und zugleich hörte man die eigentümlichen, heiseren Töneaussingender" Matrosen, womit sie das Auf­hissen der Klüver und Stagsegel begleiteten, die jetzt flaggend an den Stagen emporstiegen. Dann stiegen einige Leute nach oben, um die Marssegel loszumachen, und gleich­zeitig warf der Schlepper die Trosse los. Vier oder fünf Matrosen ergriffen sie, und der Koch und der Steward, die Freiwächter, wie sie genannt werden, weil sie den ganzen Tag arbeiten und nachts schlafen, halfen ihnen, das schwere Schlepptau von der Back aus an Bord zu holen.

Ich sah mich nach dem Schleppdampfer um, der jetzt dem Tyne zusteuerte, und verfolgte ihn mit meinen Blicken, bis er zu einem Punkte im Nebel zusammengeschrumpft war. Da wurde ich aus meinen Gedanken aufgeschreckt; mein Mann legte seine Hand auf meinen Arm.

Hast Du Dein Herz dorthin zurückgeschickt nach der alten Stadt, Jessie?" fragte er lächelnd.

Wenn Du dort zurückgeblieben wärst, könnte ich ja sagen."

Bist Du traurig, daß wir die Reise angetreten haben?" Traurig?" rief ich aus.

Nein", meinte er,Du bist nicht traurig. Wir sind beisammen, und ich danke Gott dafür. Aber jetzt muß ich sehen, wie sich die Leute anstellen."

Damit schritt er über das Deck dahin.

Das Schiff war voller Leben. Die Mannschaft lief umher; mitschiffs kommandierte der Zimmermann, und auf der Back der Steuermann. Einige Burschen brüllten von oben die Meldung herab, daß die Segel los seien und vor-