Ausgabe 
30.11.1901
 
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fragen, bedarf kaum der Erwähnung, da- es bei einem Ausstattungsgeschäft, wie Meh und Edlich!, nicht anders zu erwarten ist, Bdt,

Redaktion: E. Burkhardt. Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei Gretsch Erben) in Gießen.

Man kann als Berliner an einem Tag eine Rheinfahrt macherr: man fährt früh um 6 Uhr ab, ist um 9 Uhr in Wiesbaden, besteigt den Dampfer, kommt um 7 Uhr abends in Köln an, und ist um 10 Uhr wieder in Berluu «äitt nicht übel ausgefüllter Tag.

Daß die Ostsee der Stadt Berlin so nahe geruckt ist, »nie ihr heute die Havelseen liegen, ist dagegen gehalten, schon nicht mehr auffallend. Von Heringsdorf, Stralsund und Kolberg aus, die alle in einer Stunde zu erreichen sind, kann man bequem ar» einem Sonntag zwölfstündige Spazier­fahrten »nitmachen.

Wien liegt dann so nahe »vie heute Breslau, Paris so nahe tote heute Hannover, Petersburg so nahe wie heute Königsberg. Man kann in 4 Stunden aus der Ringstraße, an 6 Stunden auf den Boulevards, in 10 Stunden auf dem Newski Prospekt herumschlendern. Rom, die alte Haupt­stadt der Welt, das geheiligte Paradies, aller deutschen Träumer, dem seine Ferne den Strahlenschein giebt,. wlro uns so nahe gerückt tote uns heute München liegt. Man kann früh an der Spree die Sonne aufgehen und dieselbe Sonne vom Kapitol aus untergehen sehen.

Diese Schnelligkeit des Verkehrs bedeutet natürlich die Wiederauflösung der Städte, soweit es sich um das Wohnen handelt. Sie bleiben nur als geschäftliche Mittelpunkte W bestehen, aber es füllt den Menschen, nicht mehr ein, sich in hohen Etagenhäusern übereinanderznsetzen. Welches Ge­schäft jeder auch treiben mag, sein Privatleben spielt sich aus einer Farm zwischen Wald und Wiese ab. Eine Viertel­stunde Fahrt führt ihn 50 Kilometer von der Stadt fort.. Und da es keinem mehr einfällt, anders als in den Vor­mittagsstunden in die Stadt zu fahren, drängt sich das ganze geschäftliche Leben aus fünf bis sechs Stunden zu­sammen. Von 2 Uhr nachmittags'an ist jeder Mensch etit freier Manu!

Jena! Jena!" Der Rus des Schaffners ruft »nick; aus diesen schönen Träumen. Ich sehe nach der Uhr. Drei nnd eine halbe Stunde unterwegs. Man müßte von Rechts wegen in München fein. 11 Stunden nachMünichen! Schwere- Itot* Das nennt sich Eisenbahn! Daraus waren wir schon stolz. Das steckt ja noch in den Kinderschuhen!! Unsere Enkel werden diese Zeit änslachen, wie wir es. mit der Zeit der Postkutschen thun.

Kalender 19 0 2.

Kalender zählen von jeher zum unentbehrlichen Jahresrüstzeug, und da das erste Jahr des neuen Jahr­hunderts allmählig zur Rüste geht, wird es Bett, ftdj stach einem zuverlässigen Mentor für seinen Nachfolger umzusehen. Freilich ist die Zahl der Kalender mit der Zeit Legion geworden, und das Sprichwort: Wer ote Wahl hat, hat die Qual, kamt sich gerade bei Beratern der Art leicht buchstäblich erfüllen; denn des Schundes und seichten Zeuges ist unter den Kalendern leider kem Mangel. Ein Buch aber, das man ein Jahr hindurch fast . täglich zur Hand nimmt, darf an Gediegenheit nichts M wünschen lassen, sofern es seinen Beruf erfüllen soll. Wir haben bereits einzelne gute Hausfreunde, wie den Daheim-Kalender, Trowitzschs Reichs - Kalender, Auer­bachs Kinder-Kalender nach Gebühr gewürdigt, sodaß uns ' heute nur erübrigt deren zwei weitere zu erwähnen, näm­lich Mey und Edlichs Abreißkalender für 1902 und I. C. Schmidts Gartenkalender für 1902. (Beide sind zum Preise von 50 Pfg. überall erhältlich.) . Führt uns der letztere ersprießlich zu Gemüte, daß ein jeder Tag seine eigene Plage habe, die aber recht ver­standen und behandelt, sich gewinnbringend gestaltet, so läßt uns der erstere keineswegs leer ausgehen, sondern läßt uns jeden Tag die Sonne aufgehen, verrät uns zudem, daß wir wert sind, vom Mond beschienen zu werden, wenn auch nicht immer vom vollen. Ebbe und Flut nennt er uns auch und fordert damit zu vergleichenden Studien an unserem Geldbeutel heraus. Nachdem er weiter unsere Kenntnis geschichtlicher Ereignisse aufzufrischen geholfen hat, lohnt er unsere Mühe mit einem inhaltreichen Dichter- vder Denkerwort, dessen Beherzigung niemand zum Schaden, vielen zum Vorteil gereicht. Daß die Entwürfe der auf der Rückseite übrigens mit praktischen Vermerken versehenen Kalenderblocks den Stempel künstlerischer Vollendung

Mode.

Wiener M io d e", Heft 5, vom 1. Dezember (XV. Jahr­gang) führt in die lebendigste Saison des Jahres hinein, Die gesellschaftlichen Zusammenkünfte werden häufiger, eifrig beschäftigt man sich mit den Weihuachtsvorbereit- tntgen, und in. manchen Gegenden spricht mau bereits von den Erwartungen des Faschings. DieWiener Mode" ist hier ein erfahrener Führer. Mit Wort und Bild behandelt sie die nettesten Toiletten für Damen und Herren, süst Abendgesellschaft und Theater, für Promenade und Bcill- saal. Die BeilageWiener Kinder-Mode" bespricht Kleidung,- Wäsche, Erziehung und Unterhaltung unserer Kinder, die Handarbeitsabteilung bringt eine Fülle hübscher Vorlagen, und der Unterhaltungsteil.Beiträge beliebter Autoren. (Der im Oktober begonnene RomanWas Liebe vermag" wird in diesem Hefte fortgesetzt.) DieWiener Mode" erweist sich also recht vielseitig, und jede gebildete Dame sollte dieses gediegene Frauenblatt lesen. Abonnements nehmen alle Buchhandlungen und Postaustalteu zuin Preis von Mk. 2,50 vierteljährlich entgegen. Ebenso der Verlag in Wien, VI. Gumpendorserstraße 87.

Gemeinnütziges.

Begoniensorten für das freie Laud. Es giebt viele davon, aber wenige mit so guten Eigenschäften als die von Obergärtner Zipperleu, Erfurt, int praktischen Ratgeber empfohlenen neueren Züchtungen Berttni, Vesuv und Lafayette. Vor allen anderen Tugenden haben sie die gute Eigenschaft großer Widerstandskraft gegen den Sonnen­brand. Das will viel sagen, wenn man bedenkt, wie leicht manches Beet mit Begonien in schattenloser Sage leider. Ferner lassen sich die genannten Sorten sehr leicht durch Stecklinge vermehren, sodaß auch die Heranzucht keine Schwierigkeiten macht. Die Farbe der reich erscheineitden, hübschen Blüten ist bei Bertini lebhaft orange, bet VeM- lenchtend karminrot, und bei Lafayette dunkel fcharlach,- Das Laub aller empfiehlt durch frisches, lebhaftes Gruu.- Der Bau ist leichter und nicht so steif, tote bei sehr bieten anderen Begonien, weshalb viele Liebhaber diese Sorten hin und wieder mit gutem Erfolg als Zimmerpflanzen; im Topfe ziehen. , , ...

Näheres darüber giebt der praktische Ratgeber tit seiner Nr. 47, welche unentgeltlich vom Geschäftsamt in Frankfurt a. d. Oder zu beziehen ist.

Gegen Geschwüre und Brandwunden. Bei der Behandlung von eiterigen Wunden wendet man gewöhn­lich Kalkwasser, Kreolin und andere Desinfizierungsmittel an, die nicht immer unschädlich sind. Ein ebenso wirk­sames als unschädliches Mittel in solchen Fällen ist Honig, der einfach ans ein Leinenläppchen gestrichen und auf die Wunde gelegt wird. Tie Eiterung hört nach Anwendung dieses billigen Hausmittels sofort auf, die Wunde erhalt ein besseres Aussehen und heilt bald. Honigwasser, dem einige Tropfen Arnikatinktur beigegeben werden, ist zum Auswaschen von Wunden ebenfalls zu empfehlen. Honig, und Roggemnehl zu einem Teig geknetet, bildet eine Salbe, welche, auf Brandwunden gelegt, die Eiterung hervorrust und baldige Heilung bringt. Hält mau das mit Brand­wunden versehene Glied in Honig, so hört der Schmerz sofort auf und es bilden sich keine Blasen mehr. Die An- toenbuitg des Honigs ist besonders bet Brandwunden tm Gesicht. zu empfehlen, wo andere Mittel nicht leicht ver­wendbar smd. (Prakt. Wegw.", Würzburg.)

A b st r i ch r ä t s e l.

Nachdruck verboten.

Furche, Fichte, Siegel, Acht, Rübe, Herr, Kralle, Ganges, Spende, Minister.

Von jedem der vorstehenden Wörter ist die Hälfte der Buchstaben abrustreichen; die übrig bleibende Hälfte muß aus nebeneinander stehenden Buchstaben bestehen. Werden diese Gruppen im Zusammenhang gelesen, so müssen sie einen Sinnspruch bilden.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Kapselrätsels in vor. Nr-!

Bange machen gilt nicht. ______________