Ausgabe 
30.5.1901
 
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Laub grün dieser Pflanze. Uebrigens verzeichnet die Nutz- gärtnerei neben dem weißen und grünen Spargel, in den sich zuinal der deutsche Norden und Süden gliedert, noch eine weitere Spielart: den violettfarbigen der Holländer.

Immer wenn der Frühling naht, freut sich die Haus­frau über den Zuwachs, den ihre Gerichte erfahren, indem sie nunmehr Spargel auf den Tisch bringen darf. In der That giebt es kaum ein Gemüse, das so mannigfach zu­bereitet werden kann, w-ie eben unser Spargel. Schon die einfache Spargelsuppe schmeichelt dem Gaumen, um dieses alte Lob zu wiederholen, das einst der alte Cato auf unfernKönig der Gemüse" angewendet hat. Wer nicht Fleischbrühe zur Hand hat, braucht nur eine Lösung von dem auch hier so brauchbaren Liebigs Fleischs-Extrakt herzustellen und in diese, gebunden oder ungebunden, je nachdem man solche Suppen liebt, Spargelsprosfen zu thun. Die einfachste Herrichtung des Spargels besteht wohl darin, daß man ihn in Salzwasser kocht und später mit zerlassener Butter übergießt. In Wien unterläßt man es niemals, geröstete geriebene Semmel über den Spargel zu streuen; dadurch wird sein Geschmack kräftiger und entschiedener, ganz ab­gesehen davon, daß die Schüssel nunmehr auch ein schmuckeres Aussehen gewinnt. Das latschige, ekle, sogenannte Panier­mehl der Schnellköche und Speisekasernen, das man augen­blicklich als Ersatz für geriebenes Weißbrod öfter, als dem Magen des Menschen zuträglich ist, anzuweuden beliebt, erfüllt die ihm zugemutete Pflicht ganz und gar nicht. In Frankreich verspeist man den Spargel entweder mit hollän­discher Tunke oder mit Oel; ein Salat aus Spargelspitzen ist ein Leckerbissen, den nur ein Glücklicher auf dem Gebiete der Kochkunst zu erfinden vermochte und ein Weiser auf dem der Eßkunst zu schätzen weiß. Eine Tunke, aus Spargelstücken mit Zuhilfenahme des Spargelwassers her­gestellt, ist eine geradezu köstliche Beigabe zu einer kalten oder auch warmen Fleischspeise. Ein gebratenes oder ge­backenes Huhn, goldrindige Koteletten, Räucherzunge, Schin­ken und Wurst können gar keine bessere Aussteuer bei einer Vermählung mit unserem Magen erhalten. Selbst Fischen steht sie nicht übel an, wie es überhaupt kaum ein einziges Gericht giebt, dem sich! der Spargel in der einen oder anderen Form nicht anschmiegen dürfte. Schließlich kann man auch eine sehr schmackhafte Schüssel aus gebotenem Spargel Herstellen. Zu diesem Zwecke bindet man mehrere Stangen, sorgsam geschält und gesäubert, zu einem Bündel- chen zusammen, läßt sie in kochendem Salzwasser auf­wallen, wendet sie, immer noch als Bündelchen, in Eier­kuchenteig recht gewissenhaft um, und bäckt sie dann nd reichlicher brauner Butter. Ich brauche wohl nicht zu sagen, daß man dazu die allerzartesten Spargel wählen muß. Aber das Gericht schmeckt ganz vorzüglich; es lohnt die aufgewandte Mühe in jeder Hinsicht.

Man erntet den Spargel bis in den späten Jun: hmern. Eine alte Gepflogenheit beschließt dasStechen" mit dem Johannistag; in jedem Falle fällt der Ertrag der nächsten Jahre erwiesenermaßen in demselben Grade geringer aus, wie man früher selbstsüchtig und rücksichtslos eingeheimst hat. Auch beim Stechen selber soll man nicht zu eigen­nützig verfahren; die Sprvffen dürfen beileibe nicht zu tief im Boden abgeschnitten werden, weil sonst die Wurzeln verletzt und ihre Triebfähigkeit geschädigt wird. Wer übri­gens wirkliche Freude an seiner Ernte haben will, der muß Frühaufsteher sein. Der Spargel will nämlich womöglich! gestochen sein, noch ehe die Sonne ihre ganze Kraft ge­wonnen : am besten also in den ersten Stunden des Tages, oder auch, wann dieser zur Neige geht. Sobald erst die vollen Strahlen auf die zarten Sprossen herabsengen, büßen diese ihren lichten Farbenton ein, indem sie einen gelben, braunen oder grünen annehmen. Die Arbeit selber macht dem, der die Natur liebt und Verständnis hat für ihr ge­heimnisvolles und doch so reiches Walten, viele Freude. Hier guckt ein Sproß neugierig, das Haupt wohl noch be­deckt von einigen Stückchen der eben geborstenen Erdrinde, zum blauenden Frühlingshimmel empor, und dort noch einer. Fast vor deinen Augen findet dieser Werdeprozeßj statt; wenn die Luft blau ist und die Sonnenstrahlen hin­reichend Kraft besitzen, hast du mit einem gut gepflegten Spargelbeet Mühe, die Ernis, die dir von der Natur ge­

wissermaßen in die Hände gespielt wird, hinreichend schnell einzuheimsen. Solches Spargelgericht, das man sich selber an einem Frühlingsmorgen aus dem Garten holt, schmeckt vielmals besser als das gekaufte; denn ein Stück Natur zog in unser Herz ein, als wir es ernteten, eine Frühlings­idylle fand statt, die man verzeihe mir die nüchterne, prosaische Zusammenstellung! mehr oder weniger auch unserem Magen zu gute kommt.

Genreinnützige».

Das wichtig st eNahrungsmitteli st dieLust, und Atmen das wichtigste Geschäft in unseren: Körper. Wir nehmen täglich in 3 bis 5 Malen etwa.3 Liter feste und flüssige Nahrung zu uns, brauchen aber in 24 Stunden 12 000 Liter oder 15 Kilo Lust. So gut sich der Mensch aufs Essen versteht, so schlecht in der Regel aufs Atmen. Geschlossener Mund erhält gesund. Alle Beschäftigungen, welche tiefe Atmungen erfordern, sind von großem Werte, so lautes Sprechen, Singen, Turnen, mäßiges Radfahren, Berg­steigen. Lachen ist eine der gesündsten Verrichtungen. Schlafzimmer sollen so gut gelüftet werden, daß man am Morgen nicht am Geruch wahrnimmt, ob jemand im Zimmer geschlafen habe. Lampen lösche man außerhalb des Wohnzimmers, und lasse sie während der Arbeit stets mit voller Kraft brennen. In einem Fingerhut voll Straßenluft sind mehr als 200 000 Stäubchen; eine gute frische Luft giebt's nur im Freien. Unter allen Geschöpfen ist der Mensch am wenigsten dazu geeignet, in großen Haufen zusammen zu wohnen, und große Städte sind offene Gräber der Menschheit.

E d e n". Aus dumpfen, staubigen Fabrikräumen, düsteren Schreibstuben, in die nur zu oft nicht ein einziges Mal die Sonne freundlich und erheiternd blickt, sehnt sich die hier zusammengepserchte, ihrem Broderwerb nach­gehende Menschheit mit Recht nach frischer, freier Luft und Bewegung in derselben, nach frohem Lebensgenuß, Er­holung und Gesundheit. Aber leider kann diese Erholung, wenn sie überhaupt gesucht wird, nur in einem Spazier­gange, bei größerer oder geringerer Freude an den Schön­heiten der Natur, nicht aber in der so nützlichen, heil­bringenden Gartenthätigkeit bestehen, da bie meisten Be­wohner unserer Städte kein Gärtchen ihr Eigen neunem Diesem Uebelstande sucht eine Genossenschaft m. b. H. in Oranienburg bei Berlin abzuhelfen. Sie besitzt ein Terrain von 37,5 Hektar und verpachtet dieses in kleineren Parzellen an Leute aller Stände, ursprünglich nur an Anhänger der natürlichen Lebensweise, Vegetarier, jetzt aber auch an sog. Wilde", die Nichtvegetarier sind. In dieserObstbau­kolonie Eden" kann sich jeder Pächter nach seinen Mitteln und Geschmack ein Häuschen bauen, um ganz in diesem Eden zu wohnen. Das Pachtrecht erbt sich fort, sodaß noch Kinder und Kindeskinder auf demselben Grundstück wohnen können, ohne daß es ihnen gehört. Ein reich illustrierter, aussührlicher Artikel über die Einrichtungen und Gepflogen­heiten in Eden befindet sich in der neuesten Nummer des praktischen Ratgebers, die vom Geschäftsamt des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau, Frankfurt a. O., zu beziehen ist.__

Sternrätsel.

Nachdruck verboten.

In die Felder neben­stehender Figur sind die Buch­staben: AAA, B, I), EBBE BEE, FFFF, GG, III, L, NNNNN, PP, BRR, 888, TTTT, U, V derart einzu­tragen, daß die mittelste wage- rechte Reihe gleichlautend ist mit der mittelsten senkrechten, und die wagerechten Reihen folgendes bedeuten: 1. Buch­stabe; 2. Ostrussisches Gouver­nement; 3. Schriftstück;

4. Stadt in der Prov. Sachsen; 5. geweihleZeit;6. Zierstrauch k.Erzeuger; 8. Märchengestalt; 9. Buchstabe.

Auflösung in nächster Nummer.

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