Ausgabe 
30.3.1901
 
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die BezeichnungDandy-Horse", eine größere Verbreitung erlangten sie der ihnen anhaftenden Mängel wegen auch in England nicht.

Vierzig Jahre lang dachte man nicht mehr an die Drai­sine, als plötzlich in Paris der Mechaniker Michaux ein von ihm Velociped velvx (schnell) und pes (Fuß) genanntes Gefährt vorführte. Dasselbe glich im wesentlichen einer Draisine, war ober von gefälligerer Konstruktion und was die Hauptsache war am Vorderrad mit zwei Tretkurbeln versehen, sodaß man nunmehr richtig fuhr und nicht mehr den Boden stampfte. Michaux soll aus seine Idee gekommen sein, als man ihm eine Draissche Laufmaschine zur Repa- ratrn* gebracht hatte. Die Konstruktion, die er im Verein mit seinem Arbeiter Lallement schuf, erforderte jahrelanges Arbeiten und Nachdenken, von 1859 oder 1862 an war der Erfinder nnablässig mit seiner Erfindung beschäftigt, wofür das sensationelle Interesse, welches seine eigenartigen Fahr­räder 1867 ans der Pariser Weltausstellung erregten, eine verdiente Genugthuung bildete. Leider auch die einzige, welche dem unglücklichen Erfinder zu teil werden sollte. Obwohl er ein Patent auf seine Erfindung nahm und sich mit einigen kapitalkräftigen Personen behufs Ausnützung desselben verband, betrog man ihn um den verdienten Lohn seiner Arbeit; seine Teilhaber verstanden es, ihn aus der Gesellschaft zu verdrängen, die Gerichte ließen ihn im Stiche, und so starb der verdiente Mann gänzlich verarmt, während andere die Früchte seiner Idee einheimsten.

L-chon vor Michaux soll eiu Deutscher, der Instrumenten­macher Fischer in Schweinfurt, ein Zweirad mit Tretkurbeln gebaut und benutzt haben. Wenn dies wirklich schon, lote es heißt, 1855 der Fall gewesen ist, so gebührte das Verdienst der Priorität natürlich unserem Landsmann. Wie dem auch sein mag, fo gewann sich erst das solchergestalt verbesserte Fahrrad einen größeren Liebhaberkreis. Die Technik, be­sonders die englische und amerikanische, bemächtigte sich der neuen Erfindung mit Leidenschaft, an die Stelle des wenig dauerhaften Holzes traten Stahl und Eisen, die Räder er­hielten Gummiringe, und in kurzem hatten die Räder eine so veränderte Form erhalten, daß man in ihnen kaum die ursprüngliche Laufmaschine des Mannheimer Forstmeisters wiedererkennt. Unter dem Namen Bicycle erschien das Fahrrad auf der Bildfläche. Seine eigentliche Massenver- breitnng erlangte es jedoch erst, als dieses wieder durch das ungefährliche Niederrad ersetzt wurde, und wer weiß, was für Ueberraschungen uns die Technik der Zukunft noch in Betreff des Fahrrades bringen wird.

GernsinnÄtziges.

Warmes Wasser als Mittel gegen Hu st en. Ein plötzlicher Hustenanfall, der die Kräfte vollständig er­schöpft, bedarf zuweilen sofortiger Zuwendung von sorg­fältiger Pflege, hauptsächlich in Fällen von Schwind­sucht oder Lungenkrankheiten. In diesen oder ähnlichen Fällen hat das warme Wasser als sehr nützliches Mittel sich vorzüglich bewährt. Es ist den lindernden Arz­neien vorzuziehen, die nur geeignet sind, Verdauungs­störungen herbeizuführen und den Appetit zu nehmen. Das Wasser ist in kleinen Schlückchen so heiß als nur immer möglich zu nehmen, wenn sich ein starker Hustenanfall einstellt. Das warme Wasser lindert den Husten und fördert den Schleimauswurf.

Warmhalten des Rückens. Die Nieren sind sehr wichtige Organe des Körpers und von der Natur bestimmt, möglichst warm gehalten zu werden. In gesundem Zustande sind sie deshalb in eine Lage Fett eingehüllt. Bei Er­kältung derselben tritt in ihren kleinen Gefäßen eine Stockung des Blutumlaufes ein, so daß das Blut sein Eiweiß verliert. Das Eiweiß ist eines der wichtigsten Lebens­elemente, welches die Aufrechterhaltung der Körperkräfte bedingt. Wenn aber das. Eiweiß durch die Blase aus­geschieden wird, so ist es für den Körper verloren, und'der Mensch magert zu einem Skelette ab. Dabei ist es besonders bei älteren Leuten von Wichtigkeit, den Rücken stets warm zu halten. Zwischen den Schulterblättern sitzen die Lungen. Jeder weiß, wie leicht ein kalter Wind auf den Rücken eine Erkältung herbeiführt. Das Sitzen mit dem Rücken gegen ein Fenster oder eine Thüre ruft infolge des Zuges, der

durch die Ritzen und Spalten stattfindet, nicht selten einen Katarrh hervor. Deshalb sollte die Stelle zwischen den Schulterblättern bei kalter Witterung ganz besonders ge­schützt werden, und Personen von 50 Jahren und solche, die an Beschwerden der Atmungsorgane leiden, sollten hier ein Stück Flanell tragen, um die Körperwärme zu­sammen und die Einwirkung der Kälte von außen abzu­halten. Die meisten an den Lungen leidenden Personen glauben schon genug gethan zu haben, wenn sie die Brust gehörig verwahren, während doch der Schutz des Rückens ebenso wichtig, wenn nicht wichtiger ist.

Iür die Küche.

H e,f e n - G r i e s n u d e l n. Ein Fünftel Liter Gries wird mit einem nußgroßen Stückchen Butter geröstet; dann gießt mait zwei Fünftel Liter Milch auf und läßt es langsam aufkvchen. Nun rührt man 4 Eidotter mit 2 Eßlöffel ge­stoßenen Zuckers zu Schaum, giebt den inzwischen abge­kühlten Gries mit 1 Löffel Hefe dazu, vermengt, es mit dem Schnee von 2 Eiern, bestäubt das Nndelbrett mit Mehl, formt fingerdicke und ebenso lange Nudeln aus der Masse und bäckt, nachdem sie aufgegangen, dieselben aus heißem Schmalz, wälzt sie in gestoßenem Zucker und giebt sie noch warm mit Konipott zu Tisch.

Praktischer Wegweiser", Würzburg.

Mode.

Arühjahrstoiletten. Das Heft bcrWiener Mode" vom 1. Apnl ist bereits erschienen und enthält eine große Auswahl von Toiletten, Hüten, Mänteln, Blusen, Jäckchen, Sportanzügen u. s. w. Jedes Stück ist eine im eigenen Atelier ausgeführtc Originalarbeit. Die zahlreichen hübschen Handarbeitsvorlagen, der Herrenmodebericht, der amüsante Unterhaltungs­teil und die BeilageWiener Kinder-Mode" verleihen dem Heste einen stattlichen Umfang. Anerkennung und Lob findet dieses weitverbreitete Moden- und Frauenjournal seines vielseitigen Inhaltes, seiner sauberen Ausstattung, sowie der leichten Verwendbarkeit seiner Vorlagen und Muster wegen. Die Anzahl der Leser nimmt von Jahr zu Jahr zu. Jede Dame sollte bei der nächste» Buchhandlung, auf ihrem Postamte oder bei dem Verlag derMener Mode", Wien IV., für Mk. 2.50 aus eiu Vierteljahr abonnieren. ______________

Literarisches.

».Das Licht ist geboren." Eine Jahrhundertgeschichle iu sechs Ausschnitten von A. Süren. E. Pierson's Verlag; Dresden, 1901. Preis 2 Mark. Nach dem Vorbilde von Gustav FreytagsDie Ahnen" läßt Süren in seiner fesselnden Jahrhundertgcschichte die Geschicke zweier Familien in mehreren Generationen an uns vorüberziehen. Deutsch­lands schmachvolle Erniedrigung und seine glorreiche Erhebung in den Jahren 1806' und 1815, das tolle Jahr 1848 und des neuen Reiches großes Geburtsjahr bilden dabei die Zwischsnstationen, auf denen die An­gehörigen beider Familien, Vertreter zweier Stände, des feudalen Grund- adels. und des anfangs noch hörigen Bauernstandes in mehr oder minder scharfem Widerspruch sich gegenüber treten. So wird die Familiengeschichte zu einem Urblld der Volksgeschichte in ihrer sozialen Entwickelung, als deren Folge wir die altadeligen Häuser ihre ausnahmsweise Vorrechts­stellung verlieren und den Bürger- und Bauernstand allmählich seine politischen Rechte gewinnen sehen, sodaß es schließlich der Adel nicht für zu gering erachtet, sich in bürgerlichen Berufen zu bethätigen, und er sogar das Heiratsrecht den Nachkommen seiner Hörigen gewährt. Die reich be­wegte, wechselvolle Handlung die stellenweise sogar in der neuen Welt spielt, hält das Interesse der Leser unaushörlich in Spannung; die Vertreter der einzelnen Generationen und Stände sind lebenswahr und charakteristisch gezeichnet, sodaß das Buch, aus dem auch sonst der Ernst einer gereiften Weltanschauung spricht, einer wohlwollenden Aufnahme allenthalben sicher sein darf. ________________

Bilderrätsel.

(Nachbildung verboten,-.

Auflösung folgt in nächster Nummer.

Auflösung des Siibenv.rsteckräÜels in voriger Nummer: Telegraphie.

Krdaknon: E. Burkhardt. Nrnck und Verlag der Brsthl'schen UniverfitätS-Buch- und Bteindruckerei (Pietsch Erbe«) in Wetnu