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sie lachend zusammen. r _
„Ja freili, nur zua, nur zua! A hohe Ehr, ,o a schön's, nob'ls Fränl'n. Was is denn a Bauer? lieber Nacht dahin. — Seid's lustig, Kinder!"
Polentz brachte schleunigst ein Hoch aus auf das Brautpaar. Johannes hob nur das Glas, kein Laut kam über seme Lippen, dann siel er zurück aus seinen Stuhl.
Das Fest hatte mit einem schrillen Ton geendet. Man fühlte sich unbehaglich, ein Rest von Schamgefühl regte sich Das verhinderte jedoch Herrn Polentz mcht, ferner Wanda noch einmal die Hand zu drücken. .,
„Das hast Du gut gemacht. Der Matthes rst ent reicher Mann das nächste Jahr." .
In einer Viertelstunde war alles dunkel und Ml rm Hose Nur der Holzstoß im Garten verglomm knisternd, von einer Wolke von Schmetterlingen umschwärmt, dre der Brandgeruchs der geopferten Genossen nicht abhrelt vom glühenden ^rderben.Wald to{{( ba§ millionenfache Flirren, Knistern, Gaukeln und Flügelschlagen nicht enden. ®m erbitterter Kampf hebt an um jede Rmdenrrtze, welche geeignet erscheint, schützend die Brut aufzunehmen. Em großer Gedanke bewegt alle diese kriechenden, schwirrenden Leiber, diese Milliarden tastender Fühler, die Sorge für das künftige Geschlecht, sür die Erhaltung, der Art.
Rastlos vollzieht sich im Schweigen der Nacht dte unglücksschwangere Saat.
Wange glänzte eine Thräne, und er fuhr sich nnt dem I Rücken der schwieligen Hand über die Augen. I '
,Armer Johannes!" dachte er. „Was is do der mensch- I liehe Stolz für a armseligs Ding, a laufig'r Schmetterling 1 < kann ihn z' Schand'n mach'n." Dann tippte er Johannes 1 । auf die Schulter. „Nimm Di z'samm, Bauer! No is ja. I net aus. So schnell als komma is, die schwache Bruat, | so schnell is a wieder dahin im Fruahjahr, wenn 's I Gottes Will'« is." s . I
„'s is aber net sein Will'n." Johannes schrre es in | jäher Verzweiflung, „'nunter muaß der Bauer, Hunmel I und Höll hab'n sich verschwor'n dageg'ru Was soll i denn I all an trotz'n und mi rackern? Da hörst es, Grimm" — I er wies hohnlachend nach der Richtung des Hofes, von I dem her der Gassenhauer drang — „die hab'n das Rechte, I die Jung'n. Singa, tanz'n und lach'n über das ganze I G'spiel. I mein' alleweil, i halt' mi in meine alt'n Tag I no zu dena. Gnat Nacht, Grimm! Laß s' fliag'n die 1 Luader, laß nur fliag'n."
An der Hand Rosls wankte er fort, dem .Hofe zu. I Der Alte hörte noch lange seine Stimme, unterbrochen I von Hohnlachen. c I
In dem sich entfernenden Lichtkegel, der über die weißen I Stämme spielte, tummelten sich in wildem Tanze die weißen I Dämonen der Vernichtung. , I
Johannes hörte nicht auf, an der Seite der zitternden I Rosl sich selbst zu verhöhnen, sein ganzes Lebenswerk. Als I er aber aus dem Walde trat, und hinaufblickte zu dem I Zofe, hielt er ein in seinem stürmischen Gange.
Da ging es lustig her! Es war wirklich drollig an- I zusehen, die reinste Hölle! Ein Scheiterhaufen war an- I gezündet, und um die prasselnden Flammen inmitten des I tollen Gestöbers, welches sich darauf senkte, tanzten zwei I Paare: Matthes mit Wanda, die Bäuerin selbst mit Herrn I Polentz. Herr Fritz spielte die Guitarre dazu.
Der ganze Hof lohte im Widerscheine des Feuers, aus I dem sich drehende feurige Punkte einporschnellten, die ver- 1 brannten Schmetterlinge.
Zuerst packte Johannes grimme Wut. Es war ihm, als müsse er hinaufstürzen und mit einem Fußtritte das freche Fest enden. Dann knüpfte er wieder an den eben verlassenen Gedankengang an, riß sich von der entsetzten Rosl los und stürmte die Höhe hinan. , .
Die Paare hielten erschreckt im Tanze mne, als plötzlich der Bauer, beschmutzt, das Hemd zerrissen, das Haar zerzaust, im Kreise erschien. Als er aber wider Erwarten mit einstimmte in den Jubel: „Nur aufg'spielt, Herr Fritz, i möcht a dabei sein bei dem Tanz!". Da ging der Jubel erst recht los, und Herr Polentz, dem die Bowle schon arg | zugesetzt, konnte ihn nicht genug loben.
„Was ist denn dabei, alter Freund? Spaß! Im schlimmmsten Falle schlagen wir um einige hunderttausend Markl das nächste Jahr. Lassen Sie mich nur machen!"
Johannes siel jetzt die plötzlich so veränderte Anschauung des Herrn Polentz nicht mehr aus. ,
Er stürzte rasch einige Gläser des seurigen Getränkes hinunter, packte seine Frau um die Hüften und tanzte im lodernden Schein des Scheiterhaufens.
Alles lachte, jubelte, nur die Bäuerin in seinem Arme erschauerte, wenn sie in dieses erhitzte und doch totenbleiche, völlig verwandelte Antlitz schaute.
Jetzt sah Matthes die geeignete Zeit gekommen sür sein Bekenntnis. Die Bowle, die Freude an dem Eintreffen der Katastrophe, welche seinem sehnlichsten Wunsche Vorschub leistete, hatte ihm Mut gemacht. So trat er mit Wanda vor den Vater, der bereits unsicher auf den Beinen stand, und stellte sie ihm als seine Braut vor.
Der Bauer versuchte erst, sich zurecht zu finden. Eine derbe Weigerung steckte ihm in der Kehle, dann aber verwirrten sich rasch wieder seine Gedanken bei dem Betrachten des weißen Gewirbels um ihn her, und er gab
3.
-rms war ein seltsamer Winter aus dem Hofe des Bauern vom Wald. Die Lüge hatte sich verfthanzt hinter den Schneewällen, die ihn rings umgaben, ^edes verbarg 'eUt Mattchs ^hütete sich, den Namen Polentz nur auszu- svrechen, da der Vater die Ereignisse jener verhängnisvollen Nacht nie erwähnte, ja, mit sichtlichem lln behagen an der bloßen Möglichkeit ihrer Erwahnung vorbeischlich
Matthes durchschaute auch die Grunde. Erstem schämte sich der Vater seiner tollen Ausführung von darnach die mit völliger Trunkenheit endigte; zweitens ahnte er sehr wohl, in welch' enger Verbindung die Verlobiing seines Sohnes mit dem Nonnenflug stand. So war es am besten, die ganze Sache vorderhand ruhen zu lassen; jedes vor- ^eitiäe Aufrütteln konnte alles verderben.
Johannes hingegen heuchelte völlige Ruhe und Gelassenheit als ob er gar nicht daran denke, was lauerte unter der harmlosen, weißen Decke draußen, hinter den harmlosen Gesichtern im Hause. Dabei magerte er znsehend. , 1 und das Haar wurde schnell ganz weiß. Nie that er eine j Aeußerung über den Wald und über das, was ihm drohte, ja, er suchte ihn weniger auf als je und überließ dem alten Grimm fast ausschließlich die Winter arbeit.
Auch die sonst so blühende Rosl war tote ausgetoeüuelt. Keine Spur mehr von ihrer früheren Heiterkeit, die das ganze Haus erhellt hatte. Ihr Singsang, den ste dann und wann, wenn sie sich beobachtet glaubte, Horen ließ, I konnte darüber nicht wegtäuschen; er klang hohl und er- I ^^Kurz, allgemeine bange Erwartung lag wie ein Bann I auf dem ganzen Hause, und jedermann war bestrevi, I dieses Stundenzahlen, Hoffen, Fürchten, Abwagen und I Pläueschmieden möglichst zu verbergen, eine möglichst un I befangene Miene zu zeigen. ,,
I Zweimal fuhr Matthes auf mehrere Tage in die St am. I Johannes legte ihm nichts mehr in den Weg, nur als « I einmal die Anfrage stellte, ob er die Rosl Mitnehmer I dürfe, da brach Johannes los, und es fehlte nicht viel, I daß dieser eine Anlaß alle Bestrebungen der Zurückhaltung I zunichte gemacht hätte. ,,
I Wenn dann Matthes zurückkam, sichtlich aiifgesriM, I und das Gezischel mit der Mutter anging, da schien ver I Bauer wieder nichts zu hören, nichts zu sehen. In semen I Innern aber fraß die Angst weiter löte ein bohrender I Wurm. , , ~
Der Winter war trocken, nach Aussage der Sachver I ständigen sehr günstig für das unter der sicheren Schnee I decke schlummernde Ei der Nonne. Die einzige Hosfm 8 I war noch ein nasses, rauhes Frühjahr, die Vermchti 9 I der ausschlüpfenden Raupe. ...
I Der Bauer hatte unzählige Fachschriften über du I Nonne verschlungen, welche ihn immer von neuem
Herr Fritz allein lachte und riß einen schlechten Witz, alle die anderen beschlich ein unheimliche Gesicht
Matthes, gefolgt von der aus ihrem Gluckstaumel sah erwachten- Bäuerin, brachten den halb Bewußtlosen tn


