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Erkältung. Es ist durchaus möglich, daß jemand ohne schaden im Freien schlafen, aber ein offenes Fenster im Schlafzimmer nicht vertragen kann. Jrn allgemeinen könnte man Wohl als Regel aufstellen, daß sich niemand ohne allmählichen Uebergang zn einer früher nicht gekannten Gewohnheit bekehren lassen sollte. Besondere Fanatiker des offenen Fensters pflegen, wie Professor Meidinger in das Gedächtnis ruft, die Engländer zu sein, die auf der Eisen- balsn und in Pensionen oftmals mit den übrigen Anwesenden in Streit kommen, weil sic sich den Vorzug des geöffneten Fensters nicht nehmen lassen wollen. Es giebt aber auch unter uns Deutschen zuweilen solche Fanatiker der Lüftung, nur daß sie in der Regel den Vorstellungen anders Fühlender am dritten Ort eher zugänglich sind. Für dieses Jahr ist die Zeit freilich vorbei, aber es kann doch noch darauf hingewiesen werden, daß im heißen Sommer das Oeffncn der Fenster ganz unsinnig ist, wenn die Temperatur draußen vielleicht um 3 bis 5 Grad höher ist als int Zimmer. Wer es noch nicht wissen sollte, mcfg es sich gesagt sein lassen, daß im Sommer die Fenster nur zur Nachtzeit oder zur späten Abendstunde geöffnet cherden sollten. Noch ein iveit verbreiteter Irrtum ioird endlich von Professor Meidinger erwähnt, nämlich die vermeintliche Abwehr der Sonnenstrahlen durch Gardineu und innere Vorhänge. Durch diese wird zwar das Licht, nicht aber die Wärme der Sonne vom Zimmer abgehalteu, da die erwähnten Vorhänge ihrerseits die Wärme an die Zimmerluft abgeben. Eine Abwehr der Sonnenstrahlen kann nur durch äußere Vorhänge oder Jalousien geschehen.
Katechismus der chemischen Technologie.
Unter Mitwirkung von P. Kersting, M. Horn, Th. Fischer, A. Junghahn und I. Pinnoiv herausgegeben von Paul Ker st i n g und Max Hör n. Erster und zweiter Teil mit 79 bezw. 72 Abbildungen. In Originalleinenband je
5 Mark. Verlag von I. I. Weber in Leipzig.
Das vorliegende Werk besteht aus vier in sich voll- ständig abgeschlossenen Teilen, von denen der erste Teil die anorganische, der zweite die organische chemische Technologie umfaßt, während Band 3 die allgemeine Hüttenkunde, und Band 4 die spezielle Hüttenkunde behandelt. Ta bei der Einleitung, Fortführung und Regulierung der chemischen Reaktionen die Wärme und Kälte eine große Rolle spielen, so ist im ersten Teile des Katechismus neben der Technologie der Brennstoffe (Feuerungen usw.) der Wärme und Kälte ein besonderes Kapitel gewidmet, woran sich die Technologie des Wassers als eines für die Technik unentbehrlichen Hilfsmittels schließt. Eine absolute Trennung zwischen mechanischen und chemischen Veränderungen ist aber nicht durchzuführen, daher werden in diesem Buche auch manche mechanischen Veränderungen erwähnt. Die Darstellung ist wegen der überreichen Fülle des Stoffes knapp, daber jedoch von einer mustergiltigen Klarheit. Die Illustrationen sind wohl geeignet, den Text da, wo es durchaus notwendig ist, in anschaulichster Weise zn erläutern. Der Katechismus der chemischen Technologie, von dein jeder Teil auch einzeln abgegeben wird, ist sowohl Fachleuten als anch Laien, namentlich aber Studierenden als ein nützliches H a n d b u ch zu empfehlen.
GemersrnMziges.
Erfrorene bringe man nie sofort in ein warmes Zimmer, sondern in ein kaltes. Man trage sie behutsam, am besten auf einer Tragbahre, auf einem Brett, einer Tischplatte usw., da die Glieder Erfrorener leicht abbrechen. Man entkleide den Erfrorenen mit Vorsicht, und reibe ihm den ganzen Körper mit Schnee oder nassen kalten Tüchern ab. Hierauf bringt man den Patienten in ein Bad von 12 Grad Reaumur, und schüttet nur ganz allmählich heißes Wasser zu, sodaß die Temperatur innerhalb einer halben Stunde auf 24 Grad Reaumur steigt. Werden hierin die Glieder beweglich, so bringt man den Patienten in ein kaltes Bett, und reibt unter der Decke die Glieder einzeln. Vermag der Patient zu schlucken, so gebe man ihm schwarzen Kaffee oder Thee. Man gehe erst später und mit Vorsicht zu festen Speisen über. Für Stuhlgang muß
ebenfalls gesorgt werden, und ist ev. mit 20—24 grädigew Klystieren nachzuhelfen.
Gegen Frostbeulen sind gebratene Zwiebeln ein gutes Mittel. Die Zwiebel wird ganz gebraten, ausein- andergebrochen, und die einzelnen Schalen so heiß wie möglich auf die erfrorene Stelle gelegt. Je früher dieses nach Erkennen des Erfrorenseins geschieht, desto sicherer und schneller ist die Heilung.
Ein gestoßene Glassplitter auszuziehen. Oft kommt es vor, daß man sich kleine Glassplitterchen in die Hand oder den Fuß stößt, die man meistens nicht fassen kann. Diese sind leicht auf folgende Weise auszuziehen. Man hält eine Stange Siegellack an einem Ende in. eine Flamine, und drückt das geschmolzene Ende leicht auf den Glassplitter. Nimmt ntcut nach dem Erkalten die Siegellackstange weg, so sitzt der Splitter in derselben fest. Nötigenfalls wiederholt inan das Verfahren. Es ist selbstverständlich, daß man die Siegellackstange nicht allzuheiß anweuden darf, um sich nicht zu brennen.
Keine zu enge Kleidung. Die Natur hat den Brustkasten so gebaut, daß bei dem Atemholen alle Rippen mit bewegt werden, und zur Erweiterung der ganzen Brusthöhle wirken. Bei einem eingeengten Brustkasten aber ist der größere Teil der Rippen in seiner Bewegung gehindert, und das Atemholen kann nur mit den wenigen, oberen, freibleibenden Rippen und dem Zwerchfelle geschehen. Deshalb ist eine leichte und lockere Bekleidung der Brust offenbar die gesündeste.
Ein b ekanntes Mitt el g e g en üb erschüssi g e Magensäure oder Sodbrennen ist doppelkohlensaures Natron, indessen ist man oft nicht in seinem Besitz, und versucht allerlei, dies eigentümliche Brennen zu vertreiben. Als ganz vorzügliches Mittel, das sogar in jedem Bauernhaus vorhanden, giebt rohes eingemachtes Kraut (Sauerkraut) oder ein Gläschen Salzwasser, oder eine Messerspitze Kochsalz.
Champignonzucht ans dem Komposthaufen. In seiner Nr. 49 beschreibt der praktische Ratgeber tut Obst und Gartenbau zu Frankfurt a. d. Oder eine Art der Champignonzucht, die nicht wenig von der üblichen Kulturweise abweicht. Während dieselbe sonst tn Kellern auf verrottetem Pferdemist betrieben wird, giebt die neue Art an, als Nährboden die in jedem Gartenbetrrebe vorhandenen Komposthaufen zu benutzen Zu diesem Zweck werden diesell'en mit altem Pferoemtst durchschichtet. Anstatt der Brut werden alte, schon schwarz gewordene Pilzhüte verwendet, welche man mit der Unterfede auf die Komposthaufen legt, und mit ikleinen angespitzten Staben festspießt. Die reifen, in dem Pilzhur befindlichen Sporen bilden bald ein ausgedehntes Myeel, welches eine reiche Ernte herrlicher Champignons hervorbrnigt. Damit die Pilze nicht dirrch großen Sonnenbrand leiden, lasse man auf dem Haufen das Unkraut nach Belieben wuchern. Es beschattet und beschützt die junge Brut.
Erika dürfen während der Blüte nicht zu trocken stehen, da sie sonst leicht eingehen. Sobald mciilinerkt, daß dieselben die Zweigspitzen hangen lassen, steltryan sie einige Zeit lang in lauwarmes Wasser, bis sich die ** •**” —’“1' MM. »«,»=<!«. Ml-ibuK
Fnllrötsel.
Nachdruck verboten.
__ . — , . männlicher Vorname.
. — . alte Goldmünze.
.— . — weiblicher Vorname, , — , . — Heilmittel.
— , . — . Verwandter.
. — . — Teil des Gesichts.
Statt der Striche sind Vokale, statt der Punkte Konsonanten zu setzen; sind so die richtigen Wörter gefunden, müsse,, b'° Ansangsbuchstabeu im Zusammenhang den Namen eines bekannten Erfinders ergeben.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Scherz-Rebus in vor. Nr.: Weihnachten.
Auflösung des Füllrätsels in vor. Nr.:
Most, Eheweib, Weiher, Nacken, Nichts, Meile, Ertrag, Klag«.
Frohe Wcihuachtsseiertage. ___
Redaktion: E. Burkhardt. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


