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für sich : „Der allgütige Gott möge alles nach seinem Willen zum Besten wenden ..
Ueber ein Jahr ist verflossen. Die Wälder und Wiesen von Petershagen stehen wieder in frischem Grün, und das goldene Saatenmeer wogt und wallt im leichten Sommerwinde.
Schloß Petershagen ist festlich geschmückt. Aber nicht wie einst glänzt und gleißt es in prunkender Ueberpracht, sondern einfache Blumen- und Tannengewinde schmücken Fenster, Thür und Thor, und auf dem Schloßhos und auf der großen Freitreppe erwarten fröhliche Gesichter das junge Paar, das von einer kurzen Hochzeitsreise heimkehrt.
Wer hätte das geglaubt, daß die blonde Jnspektors- tochter dereinst als Herrin in Schloß Petershagen herrschen sollte? Und doch ist es so gekommen, trotz allem — trotz Herzensübermut und Herzensnvt, und Unglück und Leid! Freilich auch nach jener Schreckensnacht war das Leid noch nicht zu Ende, es kamen noch furchtbare Wochen der Sorge und der Not, aber in dieser Zeit schlossen sich die Herzen wieder fest und treu zusammen, daß nichts sie mehr zu trennen vermochte.
Und dann kam das Glück und der Frieden und machten Herz und Seele gesund und stark, daß sie die letzten Kämpfe um ihr Glück siegreich bestehen konnten. Im Frühling des nächsten Jahres legte der greise Pfarrer von Petershagen die Hände Elses und Eitel Fritz' zum ewigen Bunde ineinander — und NUN kehrte es heim, das junge glückliche Paar, in ihr eigenes Heim, das fest gegründet dastand, nicht durch fremden Reichtum und fremdes Gold, sondern durch eigene Arbeit, durch eigenes pflichtgetreues Streben. Und mit der Arbeit wohnten auch Glück und Frieden im Schloß und Hof zu Petershagen, das Eitel Fritz jetzt ganz allein bewrrtsch astete, wenn er sich nicht einmal Rat holte bei seiner klugen, blonden Else oder seinem Schwiegervater, dem alten Inspektor auf Jägerhof.
Ruscha Sannow und Else verband die innigste Freundschaft, unb selbst die alte Baronin von Petershagen söhnte sich mit der „Jnspektorstochter" aus, als ihr diese den ersten Enkel und Erben von Petershagen schenkte.
Bon dem früheren Husarenfähnrich und Inspektor, Herrn Arthur Wedemeyer, hörte man nichts mehr, und auch Irma tauchte unter in dem Strom der großen Welt. Die Rolle der Schloßfrau von Petershagen war in ihrem Leben nur eine Episode gewesen, die bald vergessen war.
Die Pariser Moden der Wintersaison.
(Nachdruck verboten.) Paris, den 14. Oktober 1901.
In den Herbst- und Wintertoiletten der großen Mode- Bazare sehen wir gegenwärtig die Moden der verschiedensten Epochen wieder aufleben, die jedoch keineswegs slavisch kopiert, sondern nur in großen Zügen angedeutet, im übrigen aber in tausend reizenden Details, in erlesenen Farbenzusammenstellungen, Garnituren und Ornamenten dem Geschmack unserer Zeit entsprechend modifiziert werden.
Der Epoche Ludwigs XIII. verdanken wir die Boleros und die großen kleidsamen Kragen, während uns die langen, an der linken Seite herunterfallenden Schärpen, welche wir an den Gesellschaftstoiletten des kommenden Winters bemerken, an die Zeit Ludwigs XIV. erinnern.
Ludwig XV. haben wir die Falbelröcke zu verdanken und das Zeitalter Ludwigs XVI. endlich beschert uns die malerischen Capelines, die weiteu Röcke, die Sammet- schleifen und Mnsselinfichus. Die Empireroben werden während des Winters immer noch eine große Rolle als elegante Gefellschaftstviletten spielen. Taffetroben werden oft förmlich überladen mit winzigen übereinander gesetzten Chiffon- pder Seidenrüschen, die sich am Corsage wiederholen. Von großer Eleganz werden die Toiletten für den sich in Paris -immer mehr einbürgernden five v' clock Thee sein, obgleich die Grenze, welche dieselbe von den Abendtoiletten trennt, immer gewahrt bleiben muß.
Eine sehr geschmackvolle Robe dieser Art ist ans schwarzem Taffet gefertigt. Der Miederrvck ist hinten mit Sammetband geschnürt, welches rechts und links je zu einer, mit den bekannten vergoldeten Metallspitzen endigenden Schleife gebunden ist. Der kurze Bolero, welcher in seiner Form dem ziemlich hohen Mieder folgt, ist mit einem schönen Goldgalon umranoet und mit einem breiten Guipurekragen
geschmückt, der den Hals ein wenig frei läßt und ebenfalls mit einer Sammetschleife mit goldenen Enden geschlossen ist. Die etwas gebauschten Aermel schließen am Ellenbogen mit einem Goldgalon Und einem Volant aus Guipurespitze ab.
Die Dame des Hauses empfängt beim five v' clock-Thee gern in einem eleganten „Deshabille". Eine höchst kleidsame Toilette dieser Art aus rosa Crepe de Chine zeigt im Rücken anschließende, vorn lose Prinzeßform. Das Vorderteil der Robe ist von oben bis etwa 30 Zentimeter vom unteren Saum in nicht zu enge Säumchen genäht, die nach unten frei ausspringen und zu beiden Seiten von einem schönen breiten Guipure-Entredeux begrenzt sind. Ein großer vorn offener Kragen mit gesticktem Volant bildet den nicht zu tiefen viereckig dekolletierten Halsausschnitt, welcher vorn durch eine, quer über den plissierten Einsatz geführte, von kunstvoller Schnalle gehaltene Schleife aus schwarzem Sammetband begrenzt ist. Das lose Vorderteil wird durch einen Crepe de Chine-Gürtel zusammengehälten. Die etwas über den Ellenbogen reichenden Aermel werden aus zwei vollen Puffen gebildet.
Da der five v' clock-Thee einen möglichst zwanglosen Charakter tragen soll, so kann man zu demselben auch sehr wohl in eleganter Straßentoilette, oder im Costume tailleur erscheinen, welches zu diesem Zweck aus einem der schönen, seidenglänzenden Tuche, hergestellt wird, die uns in so reicher Auswahl zur Verfügung stehen. Was die Taille dieses Kostüms betrifft, so haben wir die Wahl zwischen der festen Schneidertaille, dem Jackett Louis XV. oder dem Bolero, der in den verschiedensten Formen erscheint, offen, geschlossen, mit spitzen oder abgerundeten Rändern — ja als letzte Neuheit sogar mit kleinem, plissiertem Schoß. Elegante Eostumes tailleur wird man namentlich in Hellenr Beige, Perlgrau, Blau, Empiregrün und in Rot sehen. Rotes Tuch garniert man mit schwarzen Passementerien und Soutache.
Das einfache auf Morgenspaziergängen oder namentlich auch bei Regenwetter getragene Costume tailleur fertigt man aus weichen, rauhen, flockigen Stoffen wie Homespun, Granites, Covercoat, Serge u. s. w. Durch eine Menge reizender Details und geschmackvoller Verzierungen, welche den Charakter des Schneiderkostüms freilich etwas modifizieren, sucht man die allzustrenge, männliche Form desselben zu mildern.
„Salon de la Mode" berichtet über neue Stoffe, welche zu den neuen Winterkostümen mit Vorliebe Verwendung finden. Das als „Ideal" bezeichnete 1,40 Meter breite Tuch zu 12,50 Franken pro Meter hat den Vorzug, daß es trotz der Feinheit seiner völlig neuen, bisher unerreichten Siuancen durch Wasser nicht fleckig wird. Es wird sehr begehrt sein für Phantasiekostüme, welche man plissieren, mit Stickereien, oder auf Pannegrund ausgeschlagenem Tuch schmücken will. Seine große Breite gestattet, Röcke mit nur zwei Nähten aus demselben zu fertigen, die nach unten eine völlig genügende Weite besitzen.
Als neue Nüancen sind ein hübsches, etwas ins Malvenfarbige spielende Hellgrau zu nennen, eine sehr elegante Farbe, ferner das Modegrau mit einem mattrosigen Schein, welches ebenso hell und elegant ist wie die erstgenannte Farbe, das „Fuchsin", ein helles, elegantes, rosiges Violett, welches die Blonden fehr hübsch kleiden wird, das „Tolstoi- Grau", das ziemlich dunkle „Abbesse" in violetten und dunkelpenseefarbigen Tönen, das „Gris vrage", so genannt, weil es die bleigraue Färbung eines Gewitterhimmels imitiert, und das „Gris vurogan" von noch tieferer Färbung. Wie hübsch jedoch sind diese beiden letztgenannten Farben! Die Farbe „Noisette" besitzt den weichen Ton der reifen Haselnuß; das „Chevreuil" zeigt das hübsche Fahlrot des Rehes, dessen Namen es entlehnt hat. Das „Hufsard" erinnert an das schöne Blaugrau der eleganten Offiziers-t Mäntel, die Farbe „Mordoree", (Goldkäferfarbe), welche die Reihenfolge beschließt, verdankt die Feinheit ihres Tons der extrafeinen Qualität, der Vorzüglichkeit des tadellosen Gewebes, der Weichheit und dem Glanz des Stoffes, welcher dabei sehr solide fein soll.
Wenn man einen neuen, nicht ganz einfarbigen Stoff vorzieht, so hat man eine reiche Auswahl unter den langhaarigen Stoffen in verschiedenen Farbtönen, welche man als „Peau de bete" (Tierfell) bezeichnet. Da ist zunächst das „Tigre royal" in Rotbraun mit salben Sprenkeln, das „Renard bleu" mit helleren blauen Flecken, das „Chinchilla", ein sehr melangiertes Grau mit helleren Tupfen,


