Ausgabe 
29.10.1901
 
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Totenblaß, mit gespenstischen Augen starrte Else ^^,Was soll das bedeuten,.-? Was ist vorgefallen?

Ich verstehe kein Wort. -"

Sie wissen nichts von Eitel Fritz?"

Ich sah ihn seit Monaten nicht . . -"

Nun denn er hat sich mit seiner Frau überworfen

, dieses Schurken Wedemeyers wegen sie ist fort von ihm glaubt, daß er verzeihen Sie ein Liebes­verhältnis mit Ihnen hat und wollte auf Grund desselben auf Scheidung klagen . . - um Sie nicht in diesen Prozeß zu verwickeln um Ihre Ehre zu retten ist er in den Tod gegangen . . ."

Einen Augenblick starrte sie ihn an wie geistesabwesend. Daun brach sie plötzlich mit einem wilden Aufschrei zu­sammen und verbarg ihr Antlitz in den Händen.

Fräulein Else fassen Sie sich! es ist ja noch nicht alle Hoffnung verloren... ich habe Boten nach der Försterei gesandt, wohin er gehen wollte. Ich selbst eilte hierher vielleicht daß er bei Ihnen war... ich hatte eine günstige Nachricht für ihn, seine Frau verzichtet auf jenen Grund die Scheidung der Ehe soll in anderer Weise vollzogen werden . .

Sie blickte verwirrt zu ihm auf.

Also doch eine Scheidung?"

Es ist die beste, die einzige Lösung."

Und ich ich bin schuld darau. . -? Ach, das ist mehr, als ich zu ertragen vermag! Diese Schmach diese Schande. .

Sie sind schuld, Fräulein Else?! War jenes Gerücht dennoch wahr . . . ich zürne Ihnen ja deshalb nicht nur sagen Sie in dieser Stunde die Wahrheit - -"

Da richtete sie sich plötzlich stolz und straff empor. In ihren Augen blitzte es auf; sie hatte ihre Kraft, ihre Fassung, ihren Stolz wieder gesunden.

Ich trage die Schuld nicht in dem Sinne, wie Sie zu glauben scheinen, Herr von Sannow ... ich liebte Eitel Fritz, aber meine Ehre, mein Gewissen ist rein geblieben."

Ich glaube Ihnen, Else und nun kein Wort mehr darüber! Ich will auf dem Wege von hier zur Försterei reiten..." ! i! N H'Jli

Verworrene Stimmen drangen vom Hofe her. Dnnkle Gestalten, grell beleuchtet von den hoch gehaltenen La­ternen, schwankten über den Hof.

Hier herein . . bringt ihn in das Haus", ertönte die Stimme des alten Brehmann.

Ein eiliger Schritt wurde auf dem Hausflur laut die Thür ward hastig aufgerissen, der Verwalter von Peters- hagen stürzte herein.

Sie haben ihn gefunden, Herr von Sannow", rwf er atemlos.Am Saum des Waldes neben dem Graben, der die Straße begrenzt er hat scheinbar den Graben überspringen wollen, dabei hat sich das Gewehr entladen der Schuß ist ihm durch die Brust gegangen wenn der Hund nicht gewesen wäre, dessen Gebell die Leute aufmerksam gemacht hätte, würde man ihn kaum gefunden haben..."

Arno stürmte hinaus, der Verwalter wollte ihm nach, Else hielt ihn zurück.

Ist er tot?" fragte sie mit bebender Stimme.

Nein aber auf den Tod verwundet" und der Verwalter eilte fort.

Schwere Schritte ertönten draußen . . und dann brachten sie den Verwundeten herein; totenblaß, mit ge­schlossenen Augen und fahlen Lippen lag er auf der rasch aus Baumzweigen hergestellten Tragbahre, die linke Hand fest gegen die Brust gepreßt, die rechte schlaff herabhängend, blutüberströmt zum Tode wund.

Else erbebte mit einem lauten Schmerzensschrei wollte sie sich auf ihn werfen, der um ihrer Ehre willen in den Tod gegangen, doch da traf sie der ernste Blick ihres Vaters sie raffte sich empor, ihre Willenskraft trug den Sieg über ihren Schmerz davon nicht Klagen, nicht unthätiges Mitleid konnten hier helfen.

Sie ging zum Nebenzimmer, dessen Thür sie öffnete. Legt ihn dort aus das Bett"; befahl sie mit bebender Stimme.Und Sie, Herr von Sannow, schicken wohl sofort zum Arzt . . ."

Der Verwalter ist schon fortgeritten. Aber soll denn Eitel Fritz hier bleiben?"

-Ja"

Bedenken Sie, daß Sie jenem Verdacht neue Nahrung geben, Fräulein Else", slüsterte er ihr zu.

Nicht.um mich handelt es sich hier. . ." entgegnete sie fest.Um meinetwillen hat er die furchtbare That voll-, bracht, sollte ich jetzt um das müßige Gerede der Leute willen schwach und feige sein?"

Sie haben Recht, Fräulein Else; und hier meine Hand ich stehe an Ihrer Seite, was auch kommen mag i"1

Eitel Fritz ruhte auf dem weichen, bequemen Lage« noch immer ohne Besinnung, aber die Blutung der Wunde hatte aufgehört, und die Atemzüge des Verwundeten gingen ruhiger und regelmäßiger. Else wachte an seinem! Lager, mit geschickter Hand hatte sie die Wunde gereinigt! und verbunden, und als nach einer Stunde der Arzt kam/ blickte er erstaunt auf das blasse, stille Mädchen.

Sie haben da einen ganz zweckmäßigen Verband an­gelegt, mein Fräulein", sagte er.Wo haben Sie das gelernt?"

Ich habe einen Samariterkursus durchgemacht. .

Hm sehr gut. Aber bitte, wollen Sie mir jetzt behilflich sein? Ich muß die Wunde untersuchen und einen Verband anlegen. . -"

Else hielt die Schale mit Wasser, reichte die Verband-, stoffe und die Instrumente, und wenn auch ihre Hande leise bebten, so zwang sie doch ihre Schwäche nieder und erfüllte die traurige Pflicht einer Krankenwärterin.

Die Lunge ist zwar verletzt", sagte der Arzt.Doch bei aufmerksamer Pflege und größter Ruhe glaube ich Heilung versprechen zu dürfen. Der Verwundete kann doch hier bleiben?"

Ja, Herr Doktor. . -"

Das ist gut. Denn ein Transport würde ihm schaden., Sie wollen ihn verpflegen, mein Fräulein?"

Ja. . ."

"Sehr schön. Darf ich dann bitten, folgende Punkts zu beachten. .

Er gab Else verschiedene Weisungen, dann entfernte er sich, um in Petershagen zu übernachten und morgen itt aller Frühe wiederzukommen. .

Else nahm wieder an dem Lager des Verletzten Platz/ der jetzt in einem unruhigen Fieberschlummer ruhte.

Im Nebenzimmer saßen Herr Brehmann und Arno in leisem Gespräch. Arno erzählte dem Alten alles, auch die Verhältnisse Petershagens, und daß es ihm nicht ge­lungen sei, eine neue Bürgschaft für die Bankschuld zu er-, langen.

Wie es enden soll", sagte er seufzend,weiß ich nicht/ Ich selbst bin nicht in der Lage, die Sicherheit zu geben/ ich habe genug mit mir selbst zu schassen. Wir müssen! sehen, noch eine Hypothek zu finden. . -"

Der alte Brehmann sah eine Zeitlang schweigend vor sich nieder. Dann atmete er tief auf.

Die Hypothek wäre schon zu beschaffen, Herr von Sannow", sagte er. '

Dann wären wir gerettet! Aber ich weiß nicht. .">

Sie wissen, Herr von Sannow, daß ich schon einmal! auf Petershagen eine Hypothek stehen hatte sie wurdö mir bei der Verheiratung Ihres Schwagers zurückgezahlt jetzt steht sie Ihnen wieder zur Verfügung."

Herr Brehmann das wollten Sie thun?!"

Weshalb nicht. Ich will Petershagen nicht in frem­den Händen sehen . . - Einstweilen will ich die Bürg­schaft für die Bankschuld Ihres Schwagers übernehmen."«

In herzlicher Dankbarkeit drückte Arno des alten braven Inspektors Hände.

Und jetzt will ich nach Hause reiten,, um meine Frau! von all den traurigen Vorfällen zu benachrichtigen", fuhr Arno fort.Morgen in aller Frühe kommt dann Ruschs hierher, um Else bei der Pflege zu unterstützen."

Ihre Frau Gemahlin wird mir herzlich willkommen feilt."

Arno ritt davon. Der alte Inspektor blieb in dem Wohnzimmer sitzen und horchte nach dem Nebengemach/ aus oent zuweilen ein leises Aechzen hervordrang. All-i mählich aber ward es ganz still in dem Krankenzimmer., Leise erhob sich der Alte und schlich zur Thür. Da sah er wie Eitel Fritz im tiefen, ruhigen Schlummer ruhte, Elss aber kniete neben seinem Lager, die gefalteten Hände auf dessen Rand gelegt, das Haupt tiefgebeugt, während dm bebenden Lippen ein leises Gebet flüsterten.

Auch der alte Inspektor faltete die Hände und sprach,