Ausgabe 
29.9.1901
 
Einzelbild herunterladen

bob

gefunden, welche in respektvoller Entfernung Wft Neros' Aampfenden Hufen, die Gruppe umstehend, jene liebens­würdig-spöttischen Glossen laut werden ließ!, welche sich bei solchen Anlässen,Berhedderung" nannte es ein Urberliner lachend, schwer zurückhalten lassen, und in welche man gern mit einstimmen würde, wenn man nicht selber gerade in der Falle säße.

Endlich gelang es dem Herrn Leutnant, die Zügel um die Dame derart zu lockern, daß sie aus der Schlinge schlüpfen konnte.

Gott sei Tank . : .! Unart, geh doch! fort. - .!"

Zurück Karo!" Hans riß den Hund bei seinem Maul­korbe heftig zurück.Aber so können Sie unmöglich nach Haus gehen, gnädigstes Fräulein . . .!"

Gott ja, ich sehe auch übel ausTas klang wieder weit mehr wie vornehmes Verständnis für die Komik der Lage, als wie wirkliche Klage. Hans hätte der jungen Dame die Hände küssen mögen.

Es wird hoffentlich ein Wagen in der Nähe sein .- ., gestatten gnädigst..." Der Herr Leutnant wollte sich nach der Fahrstraße wenden, wo, wie immer, alle möglichen Gefährte her und hin rollten. Da richteten sich zum ersten Male die Blicke der schönen Unbekannten, welche bis dahin unter den schnaubenden Nüstern Neros, wie unter den täppischen Angriffen. Karos zur Erde gerichtet gewesen waren, nach seinem Antlitz empor,Huha . Als! job ein jäher Schreck ihre Herzthätigkeit plötzlich lähme, so erblaßte ihr Gesichtchen bei Hansens Anblick. Tann rief dieselbe Stimme, die noch, kurz vorher mit ihrem melo­dischen Weichklange den Herrn von Wendelstein ungemein sympathisch berührt hatte, kurz.:Nein, nein, ich danke, Sie haben ja mit Ihrem Pferde zu thun. Ich benutze die Straßenbahn. . /' Und dann eilte das junge Mädchen nach der anderen Seite der Straße, bestieg eine gerade vorbeikommendeElektrische"- uitb ließ dem Herrn Leutnant das Nachsehen. ,

< Der hatte große Lust feinem Karo das Fell dnrch- zugerben/ Als er sich jetzt aber nach dem Hunde um­wandte, sah er denselben mit einem Damenledertäschchen sm Maule hinter, sich stehen.

-,Narm?" Was denn das, Hündchen?"

> Darauf wußte das Tier allerdings keine Antivort. Uber das Täschchen selbst vielleicht. Es war ja kein Zweifel, die schöne Unbekannte hatte es verloren, wenn nicht gar der Hund es ihr entrissen hatte. r

Hans nahm dem Karo die Tasche ab'. Tann bestieg W den Nero wieder und trabte nach Haus.

fe Daheim war sein erstes, das Täschchen zu untersuchen. Mi -,Es ist zwar indiskret, lieber Wendelstein, aber Tu mußt doch sehen, ob! Tu auf diese Weise die Eigentümerin ermitteln kannst."

Es war ein Täschchen von schwarzem Leder mit in Feuer vergoldetem Bügel, und enthielt eilte kleine Häkel­arbeit, einen Brief, dessen Umschlag die Adresse: Fräulein Lotte von Nettlingen, Kursürstenstraße Nr. . . trug, und endlich!. . . den braven Hans kribbelte es plötzlich bis rn die Haarspitzen hinein, = sein eigenes Wötogramm in Ka- " lbinettformat. . v > ,

.Daß Tu die Motten kriegst!" a .

Wer es war keine Täuschung. Er mochte sich! auf die Lippe beißen, oder beim Ohr zupfen, es, blieb sein Bild dieselbe Ausnahme, welche er erst wenige Wochen vorher auf Tante Ulrikes Wunsch hatte unfertigen lassen, und von der er .?will doch mal nachsehen, mußte ja mit dem Teufel zugehen'." Hans begab sich an seinen Schreibtisch und öffnete die Schublade desselben, . erft ein einziges Exemplar, und' zwar an Tante Ulrike fort- gegeben hatte. Von dem angefertigten Dutzend lagen noch elf in dem Karton, das zwölfte hatte Tante Ulrike be­kommen. Wie gelaugte dieses Bild nun rn das ArbeM- täschchen von Fräulein Lotte von Nettlmgen?

Am folgenden Morgen war Frau von Wendelstein rein baff" über das veränderte Wesen ihres Sohnes, 'Was hast Tu denn, mein alter Junge?"

Das möchtest Tu wissen, mein liebes Mutterle, gelt?" Hans nahm den Kopf seiner Mutter zärtlich zwischen ferne schlanken, weichen Hände, und küßte ihr Stirn und Wangen, Dann eilte er mit einem lustigen Triller davon.

FraU Von Wendelstein schaute ihm mit glücklichem Lächeln nach.Wenn mich- nicht alles täuscht, dann ist mein Hänschen bis über die Ohren verliebt."

Es war auch so. Das Damentäschchen mit dem Photo- gramm darin hatte seine Wirkung gethan. Mehr aller­dings noch die Erinnerung an die tragikomische Begegnung im Tiergarten, an das vornehm-liebliche Wesen des reizen­den Mädchens, und ihr feines Verständnis, für die Komik der gegebenen Situation.

Gegen elf Uhr ließ Hans seinen Wagen bespannen, und fuhr nach der Kurfürstenstraße.

Er fand die Gesuchte, nur schöner noch, bescheidener- anmutiger und liebenswerter in ihrer schlichten Häuslich­keit, als auf dem Spaziergange im Tiergarten. Sie war die Tochter einerMajorswitwe" in beschränkten Verhält­nissen. Aber trotzdem fand Hans nicht den Mut, von dem Photogramme zu reden. Es lag ein so heiliger Zauber keuschester Jungfräulichkeit über dem schönen Mädchen, daß er lediglich- das Täschchen abgab, nochmals um Verzeihung bat, und sich .nach! einigen verbindlichen Worten wieder empfahl.

Aber noch am selbigen Nachmittage kniete er vor seiner Mutter nieder:Meine beste Mutter, willst Tu Deinem Hans eine recht, recht große Bitte erfüllen?"

Mein alter Junge, mußt Tu darum noch fragen?"

Und nun beichtete Hans. Blos von dem PhotogramM sagte er nichts'.

Ich werde den Damen Morgen Meinen Besuch! machen", lächelte Frau von Wendelstein,und meinem Hans dann berichten, ob seine Wahl eine gute ist."

Wenige Tage später fuhr Hans selber schon wieder nach, der Kurfürstenstraße, diesesmal aber um sein lieb­reizendes Bräutchen, Lotte von Nettlingen, nebst ihre« Mutter feiner eigenen Mutter zuzusühren.

Jetzt endlich fand er Wut nach seinem PhotogramM zu fragen.

Mein einziger Hans . .- ", Lottchen barg rhr ttt tiefstem Purpur erglühendes Köpfchen an seiner Brust,ich habe für den Photographen gearbeitet, Bilder in Oel über­malt, um die Mutter ein wenig zu unterstützen, und da habe ich auch Tein Bild dort gesehen. Es gefiel nur so ungemein, daß ich! es mir v!om Photographen ausbat und. . ."

So . ;.!" Hans jubelte laut und glücklich! auf, in­dem er seinem Bräutchen ein paar Thränen von den Augen küßte.Na, wenn Dir das Bild schon so sehr gefallen hat, dann wird das Original ja doch wohl auch nach Deinem Geschmack sein." ' ...

Preisriitse L*)

Anagramm.

Nachdruck verboten.

Es sind 11 Wörter zu suchen von der unter a angegcbkL-n Bedeut, itttit. Von jedem dieser Wörter ist durch Umstellung der Buchstaben cm anderes Hauptwort zu bilden von der Bedeutung unter b. Die Anfangs­buchstaben der Wörter unter b ergeben im Zusammenhang den Namen eines bekannten deutschen Dichters.

a. b.

1. Gedankenausdruck

2. Teil der Felder

3. Land in Afrika

4. Nahrungsmittel

5. Geographische Bezeichnung

6. Amtskieio

7. Himmelsrichtung

8. Gebäck.

9. Griechischer Gott

10. Gebirge

11. Hautgebilde

Planet.

Land in Asien.

Zustand

Teil der Rsistnng.

Vorname Amtsperson. Pflanzenteil. Kriechtier. Blume. Werkzeug. Wassertier.

*) Lösungen sind mit Aufschrift:Pbeisrälsel'Nökuug" versehen innerhalb acht Tagen an die Redaktion derGleßmek FamtriendlStler" einzusenden.

Auflösung, des Magischen Quadrats m vor. Nr«: HUND UFER N E W A DRAU

Redaktion: E. Burkhardt. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.