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war Zeit, daß die Herren aufbrachen, die Majorin schien müde, sie gähnte verstohlen dann empfahlen sich' die
In der kühlen Nachtluft atmete Eitel Fritz tief auf. EK war ihm, als sei er einer dumpfen, schweren, schwülen Treibhausluft entronnen, die lähmend auf seine Sinne, seine Seele wirkte. Und doch rollte sein Blut heiß durch seine Adern und hämmerte in den Schläfen. Wie eine schöne, dämonische Zauberin erschien ihm Irma — ein Märchen aus dem Orient, wie sie da vor ihm gestanden unter den breitblätterigen Palmen und den rotglühenden Blumen, umspielt vom Schein der buntfarbigen elektrischen Gläser.
Schweigend schritten sie nebeneinander hin. Zuweilen warf der Rittmeister einen forschenden Seitenblick aus seinen jungen Freund und lächelte befriedigt.
„Wohin gehen wir?" fragte er nach, einer Weile.
„Ich weiß es nicht — ich möchte noch nicht nach! Haus."
„Sollen Sie auch gar nicht. Es ist ja noch nicht Mitternacht. Wie wär's mit dem Sportklub? Wir treffen dort heute abend große Gesellschaft."
„Meinetwegen."
Der Rittmeister rief eine Droschke heran, und bald befanden sie sich im Zentrum, in der noch das nächtliche Leben der Weltstadt auf- und abwogte.
Im Sportklub wurde Eitel Fritz, der Sieger im großen Handicap, mit Jubel empfangen, und bald sah er sich in einem Kreise von Kameraden und Sportleuten, die sich bereits in sehr animierter Stimmung befanden.
Im Nebenzimmer wurde gespielt, einer der Herren nach dem anderen verschwand in dem Spielzimmer, und bald saß auch Eitel Fritz an dem grünen Tisch.
Er wollte nur der Form wegen einige kleine Sätze machen, aber — war es der Wein, war es die erregte Stimmung, in der er sich befand, mit der Zeit ließ er sich zu immer höheren Sätzen verleiten, und der Dämon des Spiels und des Weines siegten über seine guten Vorsätze.
Erst am hellen Morgen kehrte er in seine Wohnung zurück und warf sich auf das Bett, wo ihn sofort ein Bleierner Schlaf umfing.
Glücklicherweise hatte er an diesem Tage keinen Morgendienst, sodaß ihn sein Diener ruhig schlafen lassen konnte.
(Fortsetzung folgt.)
Das Verräterische Photogramm.
Novellette von Karl Rode.
(Nachdruck verboten.)
„Liebes Hänschen;; Frau von Wendelstein ließ den martialischen Schnurrbart ihres stattlichen, siebenundzwanzigjährigen Jungen, des Ober-Leutnant der Garde- Ulanen, Hans von Wendelstein kosend durch ihre Finger gleiten, „willst Tu Deiner Mutter noch immer keine Tochter zuführen? Es giebt doch so viele liebe und nette Mädchen, die mein Hans glücklich machen könnte."
„Hahahaha . . .!" Hans lachte aus, und schaute seiner Mutter mit jenem entzückenden Uebermute in die Augen, der der Stolz aller Mütter herangewachsener Söhne ist. „Hahaha, mein Herzensmütterchen, eine ganze Menge Damen hast Du gleich'für Deinen Sohn im Sinne?! Hahaha!!"
„Lache nicht, mein alter Hans. . .!" aus den Augen der Edelfrau 'leuchtete das stolzeste Mutterglück heraus. „Tu weißt, wie ich es meine, und wie gern ich noch erleben möchte, daß . . .
„Der Herr Oberleutnant von Wendelstein unter den Pantoffel kommt!" fiel Hans feiner Mutter lustig in das Wort, „damit wird mein Herzmütterchen aber kein Glück haben. Habe Dich! ja, Gott fei Dank, Du treuestes Mutterherz . . .", Hans stand auf, schloß die Mutter in seine Ärnte, „da ist das Heiraten noch lange nicht nötig . . damit griff er zu Mütze und Reitgerte, um sich zum Dienst zu hegeben.
„Und ich erlebe doch noch, daß ein liebes und schönes Weib meinen wilden Jungen in Rosenfesseln legt . . . !"i drohte Frau von Wendelstein hinter ihm her, während Hans sporrenklirrend davonschritt.
Hätte dem Herrn Oberleutnant irgend ein anderer MrM Terartiges gesagt, dann würde er in bekannter
Melodie: „Tu bist verrückt, mein Kind", gepfiffen haben' bei seiner über alles verehrten Mutter kam ihm ein derartiger Gedanke natürlich, nicht in den Sinn.
Aber lächerlich fand er die Drohung doch Ihm Rosenfesseln anlegen! Wem sollte das wohl gelingen?!
Er liebte, natürlich! Alle Welt liebt ja, warum er mcht? Aber von allen weiblichen Wesen war es einzig seine Mutter, welche er mit dieser Regung seiner Seele beglückte, uitb — eine Schwester hatte er nicht, — seine Großtante Ulrike, die ihm jeden Monat einen Hundertmarkschein sandte. .Seine sonstigen zärtlichen Empfindungen beschränkten sich auf seine beiden Gäule, Meß und Nero, zu denen in letzter Zeit als besonderer Günstling eine junge, deutsche Dogge, Karo genannt, gekommen war. Sollten ihn diese drei Individuen in Rosenfesseln legen wollen? „Pah!"
Ter Dienst tvar kaum beendet, da vertauschte Hans sein Chargenpferd gegen den „Nero", ließ dem Karo einen Maulkorb umlegen, und trabte nach dem Tiergarten hinaus. Hier ging es in den schattigen Reitwegen bald schneidig hin, Trab und Schritt, Galopp und Sprung, wie die Laune es eingab; und Karo mit lustigem Gebell hinterdrein.
Nero war ein herrliches Tier, schwarz und feurig, und mit so tadellosen Gängen; er hätte dem Leutnant nicht besser unter dem Sattel wachsen können. Dabei war er erst dritthalbjährig, und seit einem halben Jahre i» Hansens Training. Es war eine Lust, ihn zu reiten."
Plötzlich--„Hoppla! — Nerochen, was fällt Dir
denn ein?!" Als der Herr Leutnant eben aus der Hofjäger-Allee in die Hauptstraße einbog, richtete ein Garten- arbeiter seinen Wasserschlauch auf die Reitbahn hin, und traf den Nero mit der vollen Kraft des Wasserstrahles gegen die Beine. „Donnerwetter, Kerlchen. . ", das war dein Nero noch nicht passiert und dem Herrn Leutnant ebenso wenig, . . . „bist Tn denn nicht recht gescheit, das ist ja blos kaltes Wasser . . .!" Der Gaul sprang hoch auf, hoppste ein paar Sekunden lang wie eine Prima Ballerina auf den Hinterbeinen herum, und. . . „das ist ja zum Radschlagen, Pferdchen!" — zwang den Herrn von Wendelstein allerschleunigst abzusitzen, da er andernfalls abgeworfen worden wäre.
Damit war Nero aber noch nicht beruhigt. Er sprang mit einem großartigen Satze zur Seite und auf den Fußgängersteig, und ehe der Herr Leutnant es zu Verbindern vermochte, hatte er hier eine junge Dame derartig in den Zügeln gefangen, daß an ein Entrinnen nicht zu denken war.
„Gott nein . . .!"
„Tausendmal Verzeihung, mein gnädiges Fräulein!" die Situation war heillos. Dort der stampfende Nero, dicht unter seinen dampfenden Nüstern, von den Zügeln fest umwickelt, die junge Dame, und neben dieser Herr Hans von Wendelstein mit der Aufgabe das Pferd zu beruhigen, die Dame zu beschützen, bei alledem aber auch den Nero festzuhalten.
„Ich bin untröstlich, mein gnädiges Fräulein. . .!" Tas kleine, elegante Hütchen des jungen Mädchens fiel unter Neros unruhigen Stößen auf die Erde,
„O Gott, welches Mißgeschick. . -!"
Hans sah ein ungemein liebliches Gesichtchen vor seinen Augen glühen, und eine außerordentlich sympathische Stimme tönte in sein Ohr. Aber Gesichtsausdruck und Stimme waren frei von Ziererei: es lag eine, deut jungen Offizier wohlthuende vornehme Anmut darin, die sich zurecht zu finden wußte.
Er bückte sich nach den: Hute, und hob ihn auf. Das war die höchste Zeit, sonst hätte Karo sich damit befreundet, dem der Auftritt augenscheinlich Spaß machte. „Zurück, Karo. . .!"
„Meine armen Haare!" Mit komisch-kläglichem Stimmenfall legte die junge Dame ihre perlgraue behandschuhte Rechte auf ihr üppiges Blondhaar, das allerdings in Gefahr war, von Neros Schnauze übel zugerichtet zu werden.
„Bitte unterthänigst um Vergebung, mein gnädigstes Fräulein, der Gaul ist sonst so fromm. Nur eine Sekunde Ruhe noch, dann. . ."
In der That sprang das Tier jetzt lustig bald auf Hans, bald auf Nero, bald auf die Dame zu, und verschlimmerte die Lage.
Natürlich hatte sich auch eine Menge Menschen äw


