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wohnt sind . .
„Aber, tnein gnädiges Fräulein —'
zufrieden mit sich und — mit uns!"
„Aber ich bitte, gnädiges Fräulein — welches Recht Hütte ich zu einer solchen Unzufriedenheit — wenigstens Ihnen gegenüber."
„Das will ich Ihnen sagen: Sie finden nicht alles an uns so, wie Sie es bei den Damen Ihrer Gesellschaft ge-
diesen Stimmungen Rechnung zu tragen. =. Sie sind Ulf*
Herr von Petershagen? Wissen Sie, was es heißt, keine ^^"Jhr?Augen leuchteten in dem Halbdunkel, ihre Stimme war weich geworden und bebte leise.
Ein tiefes Mitleid ergriff ihn. Er hatte sie für oberflächlich und vergnügungssüchtig gehalten, und wtzt trat ihm ein tiefes Gefühl entgegen, das ihn überraschte und
^Schweigend führte er ihre Hand an die Lippen, die mit warmem Druck eine Weile in seiner Hand ruhte.
Dann zog sie ihre Hand langsam, wre zögernd, zuruck „Werden wir uns öfter Wiedersehen, Herr von Peters- h^^Welche Frage, gnädiges Fräulein? Wenn Sie mir
gestatten ■ • Etrauisch geworden. Man lernt so viele Menschen kennen — einen Augenblick scheint es, daß man Gefallen aneinander empfindet, man denkt, hier konntest Du aufrichtige Freundschaft finden — am nächsten Tage rst
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Im Speisezimmer traf man mit dem alten Vetterlein, dem Vater der Majorin, zusammen. Der frühere Bauer war tadellos schwarz gekleidet, into sein Benehmen bot zu großen Aussetzungen keinerlei Veranlassung. Er begrüßte Eitel Fritz mit kräftigem Handdruck und sprach feine Freude aus, ihn kennen zu lernen.
„Ihren Namen habe ich schon oft in bett Nennberichten gelesen, Herr von Petershagen", sagte er mit einer rauhen, ....... -------. „c. ~ r . „ . E ..
etwas gewöhnlich klingenben Stimme. „Ich interessiere j „Aber, tttetn gnädiges Franletn —" rtef Ettel Fritz er- mich sonst nicht für den Sport — 's ist ein kostspieliges I schreckt darüber, daß sie seine Gedanken erraten und so Vergnügen — na, wer's dazu hat, mag es sich ja leisten. I schonungslos aussprach.
Unsereins muß das Seinige znsammenhalten." I Sie, schleuderte bte Zigarette fort, daß bte Funken
Sollte das Spott sein? — Doch nein, des Alten gelbes, ! umheMeben. ,.
faltenreiches Gesicht blieb vollkommen ruhig. Nur seine | „Auch bte Zigarette hat ^"en dte Sttmmung ver- APtt TiffiQ rn hem ^Rittiitcifter i borceit , fic foxt. „TUib bu)cl)i ift ein fold)t l) (tritt
über " Unwillkürlich! mußte Eitel Fritz beim Anblick des ! loses Vergnügen. Ich weiß aber, daß man in Ihren Kreisen “ Ä die Maske dieses Vergnügen verabscheut - oh, lassen Sie mich nur
KS&J&Ä W ton hM» » mich, wenn tchmtch
Tie Glocken von Corneville" gegeben hatte. Aus den | etitmal aussprechen darf, jul)te, daß alles m "*wt”beini "ä'.ÄÄ'X-.'mm»ns
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des alten Vetterlem nachzudenken. ^n dem Anblick ^rmas I s^nunq davon. Das ist der Zwiespalt des Lebens, und der lebhaften Unterhaltung mit ihr vergaß er den I tzx^ßen in der großen Welt - da fühlt man es nicht Alten vollständig, der m sich zusammengesunken dasatz 1 a6gr {)ie' in un.-erer Heimat — da empfindet man ein und mit lauerndem Auge den Zungen Offizier und seine j qe)B-.-.-eg meiß „icht, wie ich mich ausdrücken soll — Enkelin beobachtete. , . . . Mißbehagen — Mißtrauen — eine gewisse Unsicherheit —
Nach dem Essen wurde der Kaffee. rm Salon serviert, i verstimmt mich!, und hat mich auch heute so
Der alte Vetterlein verabschiedete sich )edoch, er habe noch I sKweiqsmn gemacht . . . ich weiß nicht, ob Sie mich vereine Verabredung für den Abend, ent,chnldigte er sich E w"
„Jetzt geht er zu seinem Stamintisch im schwarzen |
Adler", sagte die Majorin lachend, als sich der Alte entfernt hatte. „Ich glaube, selbst wenn die Erde erbebte und die Häuser zusammenstürzten, er ginge um 9 Uhr zum
„Ich, glanlH Sie zu verstehen", entgegnete er ernst, „Aber ich glaube auch, Sie thun sich selbst und unserer Gesellschaft unrecht."
» . „ - ... , Sie lachte leicht auf. .
schwarzen Adler." „ , ,, „ . , . m.,, I -Das sagen Sie als höflicher Mann, meinen es aber
„Alte Leute haben ihre Gewohnheiten , meinte der Ritt- I wirklich Bitte, lassen Sie mich sprechen — ich weiß, meister lächelnd. „ I haß ich mir da draußen in der großen Welt, wo sich
Irma nahm an deut prächtigen Bechsteinflugel Platz 1 um Namen, Herkunft und Stand kümmert, manches
und sang einige Lieder moderner Komponisten. Sie satig 1 ^^^wöhnt habe, was hier in der Gesellschaft nicht als schicklich sehr korrekt und mit gut geschulter Stimme, aber ihrem I S L eJjen mit anderen Augen, wie Ihre Damen Vortrag fehlte die Seele, man suhlte sich Nicht ergriffen, I 9_ •{c{j'5fa£)’e einen tieferen Blick in das Leben gethan — wenn man auch ihre Gesangskunst bewundern mußte. | J'u„re£e§ ruhelosen Nomadenlebens der letzten Jahre.
Und dann saß man in dem lauschigen Wintergarten I Unt> M)ne ich mich nach Ruhe — nach einem festen, auf niedrigen behaglichen Fauteuils unter breitblatterigen (,efi(fierteu Wirkungskreis . . . können Sie das verstehen, Palmenwedeln. Der Springbrunnen plätscherte leise und - » - - ■ 03 fp”1p
melodisch, angenehme Kühlung und Frische verbreitend; hundert Wohlgerüche der seltensten Blumen erfüllten die Luft, und legten sich schmeichelnd, gleichsam auf die m glückliche Träume versunkene Seele. Das elektrische Licht in bunten, blumeuförmigen Gläsern warf bte wunderbarsten, farbenreichsten Reflexe auf die Blätter der Palmen, und ließ die Rosen, Kamelien und Chrysanthemen tote duftende Sterne in dem Dunkel des Laubes erglühen.
Man saß und plauderte — alles war so tadellos, so vornehm, - bis aus die Zigarette, welche die Damen zwischen den Lippen hielten, und die etwas laute, hastige Sprechweise der Majorin, die mit dem Rittmeister einen Kognak nach dem andern trank. c,
Ter Kognak war vorzüglich, ebenso bte Zigaretten, aber sie störten Eitel Fritz doch- sie paßten nicht ganz m den Rahmen dieses vornehmen Bildes.
Der Rittmeister schien den leichten Unmut zu bemerken, welcher die Stirne des jungen Offiziers zu umwolken drohte; er erhob sich! und wußte die Majorm unter irgend einem Vorwande zu bewegen, in den Salon zuruckzukehren.
Tie beiden jungen Leute blieben - allein zurück. Irma
rurückaelelmt in einem kleinen Eckdivan tm Halbdunkel | Dame!" , ... . „ « ab
des Schattens eines großen Palmenarrangements. Eitel! Sie lächelte. Tann brachste ^ine ^m^elwt Ae ab Atz konnte ihr Gesicht nicht erkennen. Nur bei dem Auf- und betrachtete sie nachdenklich. Tie tont S
leuchten ihrer Zigarette glitt ein rötlicher Schimmer über ! augenblicklichen Eingebung folgend, reichte si .)
ihr Antlitz und ließ ihre dunklen Augen einen fluchtigen | Rose. {{e oT§, Uudenken an diese Stunde",
”° ew Äil-'hfrrW- Schw-ige». Eitel gr® sonst-in I ftgie" sie. mich
ihm, als dürfe er mit ihr nicht von den gewöhnlichen | „Ich werde diese Stunde und Sie, ^rma, Ni . .« Dingen eines gesellschaftlichen Gesprächs reden. I vergessen . -.ft früBem Lächeln
Plötzlich sagte Irma: „Sie sind sehr schweigsam, Herr »Wer weiß - .ft entgegnete sie Mit trupem W von Petershagen - ich glaube den Grund Ihres Schweigens i und wandte sich ■ Majorin kämen zurück,^. W
zu erraten . - bitte, entschuldigen Sie sich Nicht! Ich weiß • Aer Ritimeiitir uno ■-


