Sonnlag den 29. September.
1901. — Nr. 139.
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b Lieben Leiden ist, CS> Ob Leiden Lieben ist, Weiß ich zu sagen nicht, Aber ich klage nicht.
Lieblich das Leiden ist, Wenn Leiden Lieben ist. O. Funke.
(Nachdruck verboten.)
Der Erbe von Petershagen.
MMN von O. Elster. -
(Fortsetzung.) * - ■
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Ter Abend senkte fitfii schon nieder, als' der Wagen vor einer großen, zweistöckigen Villa auf der Hauptstraße Schönebergs hielt, dieses Millionär-Torfes, das mit Berlin vollkommen zusammengewachsen ist.
Ein gut gepflegter, parkartiger Garten umgab die Villa, hinter der sich ein großer Hos mit Stallgebäuden befand. Die reichen Stuckverzierungen an dem Hause waren etwas verschwenderisch angebracht, ebenso schienen die echt vergoldeten Buchstaben des Namens Villa Mon Repos, der an der Frontseite stand, zu groß und zu prahlerische Im übrigen machte die Villa mit den prächtigen Spitzengardinen und Stores hinter den großen Spiegelscheiben der Fenster, der blumengeschmückten Veranda, der Marmortreppe und den vergoldeten Geländern einen durchaus vornehmen Eindruck.
Eitel Fritz wunderte sich im stillen, daß ihm diese Villa früher noch! nicht ausgefallen war.
Ein Diener in einfacher Hauslivree erschien und half beim Aussteigen. Dann eilte er vorauf, öffnete die Haus- thür und drückte auf den Knopf der elektrischen Beleucht-! ung, sodaß die prächtige Eintrittshalle des! Hauses, in blendendem Lichte erstrahlte.
Ein leises, markantes Lächeln huschte über Irmas Gesicht, als sie das Erstaunen des jungen Dragonerojsi- zierZ Wer die gediegene Pracht der Villa bemerkte.
„Führen Sie die Herren in den Salon, Friedrich", befahl die Majorin dem Diener. „Uns entschuldigen die Herren einen Augenblick", fuhr sie fort. „Wir müssen den Staub der Rennbahn abschütteln."-
Sie nickte Eitel Fritz lächelnd! Zu, dann verschwand sie mit Irma in einer Seitenthür.
Friedrich öffnete die Flügelthür zum Salon und ließ die Herren eintreten. Dann entzündete er den elektrischen Kristallkronenleuchter und entfernte sich!.
EW Fritz blickte sich überrascht, erstaunt um. Lächelnd
beobachtete ihn der Rittmeister, der es sich! in einem der schwellenden Fauteuils bequem gemacht hatte.
Sind Sie mir noch! nicht dankbar, daß ich Sie mit diesen Damen bekannt gemacht Habe?" fragte er nach einer Weile.
„Sie sehen mich überrascht a aber ist diese äußere Pracht auch echt?"
„Sie sind doch ein unverbesserlicher Zweifler, Petershagen! Ich! versichere Sie auf mein Wort, daß die Majorin jetzt schon Millionärin ist, nach dem Tode ihres Vaters, der bereits siebenzig Jahre ist, erhält sie noch einmal so viel. Seien Sie kein Thor, Petershagen, greifen Sie zu! Wenn auch der alte Vetterlein — ich! meine den Vater der Majorin — den früheren Bauern noch! nicht ganz verleugnen kann, so sind doch die Majorin und Irma tadellos in jeder Beziehung. Aw den bürgerlichen Namen brauchen Sie sich nicht zu stoßen, Irmas Vater tvar ja Offizier, und gehörte mithin der ersten Gesellschaft an. ■= Ich meine es wahrhaftig gut mit Ihnen',Ä Petershagen."
Eitel Fritz ging einigemale nachdenklich auf dem weichen, persischen Teppich stuf und ab, der das Parkett des Salons fast ganz bedeckte. Dann blieb er plötzlich vor dem Rittmeister stehen.
„Können Sie mir auf Ehrenwort versichern, daß alle Verhältnisse — abgesehen von dem Reichtum — hier im Hause und in der Familie der Majorin untadelhaft sind?"
Der Rittmeister sprang empor. „Alle Wetter, Petershagen, wie kommen Sie zu dieser sonderbaren Frage, die für mich fast beleidigend ist?"
„Nicht im geringsten . . .- ich frage ja nur nach den Verhältnissen der Familie der Majorin."
„Ja, zum Henker, wie soll ich denn alle Fanlilienverhältnisse kennen", rief der Rittmeister, scheinbar ärgerlich „So viel mir bekannt, liegt alles klar — aber ein Skelett soll ja in jedem Hause vorhanden sein. Wollen Sie sich an alte Geschichten stoßen?"
„Also doch alte Geschichten . :
Ihr Gespräch wurde durch den Eintritt der Damen unterbrochen, die in hocheleganter Tiner-Toilette erschienen. Die Schönheit Irmas, ihr schlanker Wuchs, der schneeweiße, üppig gerundete Hals traten in der spitzenübersäcten Toilette mit dem kleinen viereckigen Ausschnitt an Hals und Rücken noch blendender hervor, und Eitel Fritz verl gaß bei ihrem Airblick all die „alten Geschichten", und Zweifel von vorhin.
Nach! einer Weile wurde gemeldet, daß serviert, sei. Der Rittmeister führte die Majorin, Eitel Fritz reichte Irma den Arm, und als er ihren weichen, runden Arm mit leisem, warmem Druck aus dein seinen ruhen fühlte strömte es siedend heiß durch seine Adern, und unwillküv lich preßte er Irmas Arm fester an seine Brust
Sie ließ es ruhig geschehen, und blickte ihn mit süßen Lächeln an. „ , / ' - ■ . . v ,


