Ausgabe 
29.1.1901
 
Einzelbild herunterladen

weiblichen Sinne sonst fern liegen, sich befassen mußte, und von Lord Melbourne, einem Führer der Whigs, im eng­lischen Staatsrecht, in Geschichte und englischer Regierungs- Praxis unterwiesen wurde.

In die Zeit dieses Unterrichts fällt eine reizende Szene, die den Charakter Viktorias in reinstem Lichte zeigt. Bis zum Tode Georgs IV. hatte man die Prinzessin mit wohl­überlegter Absicht in gänzlicher Unkenntnis des ihrer harrenden glänzenden Loses gelassen. Nunmehr schien es aber Zeit zu sein, sie über die Zukunft aufzuklären, und man beschloß, ihr eine Aufgabe zu stellen, durch deren Lösung sie selber zur Erkenntnis ihrer Stellung als Thronfolgerin kommen mußte, indem man ihr auftrug, einen Stamm­baum der Königsfamilie zu entwerfen. Die Lösung der genealogischen Aufgabe schritt korrekt bis zur Person des regierenden Wönigs Wilhelm IV. vor, dann aber schien es mit der Weisheit der königlichen Schülerin zu Ende zu sein; denn sie wandte sich klagend an ihre Mutter mit den Worten:Mama, ich kann nicht sehen, wer nach Onkel Wilhelm kommt; es müßte denn sein, daß ich selber es wäre". Als die zwölfjährige Prinzeß aus dem Kopfnicken der Mutter die Bestätigung ihrer zweifelnden Vermutung entnahm, war sie anfangs eine ganze Weile sprachlos; dann aber brach sie in die Worte aus:Ich will gut sein", ein Gelöbnis, welchem sie in ihrem langen und gesegneten Leben immer treu geblieben ist.

In der gewohnten bescheidenen Lebensführung änderte sich nichts bis zu dem Augenblick, in welchem die Prinzeß auf den Thron berufen ward. Dieser Moment trat ein, als in den frühesten Morgenstunden des 20. Juni 1837 Wilhelm IV. seine Augen auf immer schloß. An seinem Sterbebette im Schlosse zu Windsor standen nur der Erz­bischof von Canterbury und der Lord Chamberlain. Der Thronerbin war es nicht vergönnt, beim Hinscheiden ihres Onkels zugegen zu sein, der von einer wahrhaft unerklär- klärlichen Feindseligkeit gegen deren Mutter erfüllt war. Und mit dieser pflichtbewußten Fürstin auch- deren Tochter, auf die er allerdings seinen Haß nicht übertrug, von sich fern hielt. Ms Wilhelm IV. den letzten Atemzug gethan, warfen sich der Erzbischof und Chamberlain in einen Wagen, der sie im rasenden Galopp nach London trug. Im Kensingtonpalast, wo man um 5 Uhr morgens anlangte, lag alles in tiefster Ruhe. Nur durch Anwendung sehr energischer Befehle konnte die Dienerschaft bewogen wer­den, ihre Gebieterin zu wecken, die um ihr Nachtgewand einen Shawl warf, und in Schlafpantosfeln und mit auf­gelösten Haaren die Herren empfing, aus deren Munde sie zum ersten Male die Anrede Dour Majesty vernahm.

Die Tage der sorg- und harmlosen Jugend waren vorbei. Aus der bescheidenen, sich selbst hingegebenen Prinzeß war die Königin geworden, deren Leben ihrem Volke gewidmet war.

Ausgestattet mit allen Vorzügen des Geistes und Körpers, hatte die in jungfräulicher Schönheit prangende Königin leichtes Spiel, sich die begeisterte Liebe ihres Volkes zu gewinnen.

In England, woder Monarch zwar herrscht, aber nicht die Regierungsgewalt selbst ausübt", wo die kon­stitutionellen Gepflogenheiten die Einbeziehung der könig­lichen Person in die Arena des politischen Kampfes un­möglich machen, ist es für den Monarchen ohnehin leichter als anderswo, sich in allgemeine Beliebtheit zu setzen, und es gehörte schon ein ganz besonderes Maß unliebens­würdiger Eigenschaften dazu, daß die englischen Monarchen der vorvergangenen 100 Jahre von der Zuneigung des im Urgrunde seines Wesens monarchischen englischen Volkes wenig zu spüren bekommen hatten. Um so' lebhafter schlugen nun überall im vereinigten Königreiche die Herzen der Königin entgegen, von welcher man nach den ärgerlichen Skandalen der -Vergangenheit nur Gutes und Edles er­warten konnte.

Noch am 20. Juni selbst erschien Viktoria irrt Staats­rat, um ihre Thronbesteigung bekannt zu geben, und die Verfassung zu beschwören; am 17. Juli erschien sie im Oberhause, um nach den Vorschriften der Verfassung das Unterhaus aufzulösen. Die Art und Weise, wie sie sich

60 - hierbei benahm, die Wendungen ihrer Rede, in welche, von der Lauterkeit ihrer eigenen Absichten, und von be« Vertrauen aus die Weisheit des Parlaments und bet Liebe des Volkes gehandelt wurde, richen eine Begeisterum hervor, wie sie in diesem Lande noch nie zuvor gesehe« worden war.

Nach Ablauf des herkömmlichen Trauerjahres erfolgt am 28. Juni 1838 in der Westminsterabtei die Krönuni nach dem alten pompösen Zeremoniell, wie es mit un" wesentlichen Abänderungen bei allen englischen Königz krönungen seit dem Jahre 979 in Uebung ist. Die Feier­lichkeit begann mit der Huldigung seitens aller Ver­sammelten. Der Erzbischof von Canterbury verkündete mit lauter Stimme:Ich stelle Euch hier Viktoria, die recht­mäßige Erbin der Krone dieses Königreichs vor; Ihr all die Ihr hier heute versammelt seid, um Huldigung Dienst und Pflicht zu leisten, habt Ihr den festen Wille« dies zu thun?" worauf die Anwesende» die Frage rat dem Zurufe beantworteten:Gott erhalte Königin Viktoria" Diese Frage wurde vom Erzbischof viermal, nach allen Die: Himmelsrichtungen, wiederholt, wobei sich die König! jedesmal der entsprechenden Seite des Saales zuwendeü Hieran schloß sich die Verpflichtung der Königin auf di Verfassung, wobei sie, die Hand auf das Testament, legend schwor:Alles, was ich vorhin versprochen habe, werd- ich halten, so wahr mir Gott helfe". Dann folgte di umständliche Schmückung der Monarchin mit den Kror- insignien, worauf ihr ihre Onkel, die Herzöge von Süsse, und Cambridge, den Lehnseid leisteten. Hieran schloß ssi die Huldigung der Pairsschaft, und. die Feier des heiliger Wendmahls.

Nach Beendigung der Feierlichkeit verließ die König! in vollem Krönungsornate, mit Szepter, Reichs-Apfel und Krone, die Westminsterabtei, in einer Karosse, die von acht jener berühmten, gelben hannoverian horses gezogen wurde, wie sie bie Welfen nach Großbritannien mitgebracht haben, eine Pferderasse, die nur noch in Herrenhausen und' Windsor gezüchtet wird.

Nun endlich trat das Alltagsleben in seine Rechte Wie weihevoll aber dieser Krönungsakt und die Fahrt znt und von der Westminsterabtei gewesen sein muß, erfahr« wir aus dem Munde eines gänzlich Unbeteiligten, bet nachmaligen Kaisers Napoleon III., der als Unbekanntei- dem Auszug beiwohnte, und später bekannte, daß niemals eine Feierlichkeit einen derartigen Eindruck auf ihn gemach habe, wie der Anblick dieser Jungfrau auf dem Throne welche ihre Rede einfach, aber majestätisch mit glocken­reiner Stimme las. .

Gemeinnütziges.

Mittelgegen aufgesprungene Hände. Gegen, die Plage der aufgesprungenen Hände, wo die Oberhaulj durch Wechsel von Nässe und trockener Wärme, besonder«! Strahlwärme des Ofens oder Feuerherdes, ruiniert wurde,! bewährt sich nach- Dr. P. Niemeyer das Bestreichen mit frisch ausgepreßtem Zitronensaft. Die im ersten Augen­blick dadurch hervorgerufene Schmerzhaftigkeit möge nnn- um so leichter mit in den Kauf nehmen, als die Säun diese Eigenschaft mit dem ebenfalls für solche Beschwert empfohlenen, aber nicht so heilkräftigen und saubere« Glycerin teilt.

Magisches Quadrat.

Nachdruck verboten.

1. Adelstitel.

2. Deutscher Fluß.

3. Schlanke Tiere.

4. Zahlwort.

In die Felder vorstehenden Quadrates sind die Buchstaben DDB, EEEE, H, I. L, 00, RR derart einzutragen, daß die wagerechtcn uni senkrechten Reihen gleichlautend Wörter von der beigesügten Bedeutung bilden.

Auflösung in nächster Nummer.

Redaktion: E. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'scken Uuivcrfität«-Buch- und Strindrnckerei (Pietsch Erben) in Aießcu.

D derA meiner in sein nie toi auf der Monat färbte ausdeh

Ick Küste Stabt Bucht Felsen l meinem der Nie gemäß Dei Die Se belebt, Zuge bi glitt. ( lagerte den Nel gelben : erschien, Faden, hinter b Luft, bie Die erwartet der Stei auf der. einen Bl