Ausgabe 
28.9.1901
 
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erster durch das Ziel.

Ein tausendstimmiges Hurra erschütterte die Luft, und ein stolzes Siegesbewußtsein schwellte die Brust des jungen Offiziers. Noch niemals bei seinen früheren Siegen hatte

laden", sagte er.

Ein rascher Blick ihrer dunklen Augen traf ihn.

Sie werden doch! mitkommen? Die Einladung ist ja etwas formlos abstr Mama ist nun einmal so sie meint

Man begab sich zu dem Restaurationspavillon. Die Majorin ging mit dem Rittmeister und 'Herrn von Brandau voraus. Eitel Fritz und Irma folgten.

Ihre Frau Mama ist sehr freundlich, mich emzu-

einzuladen ..." ,. r

Ueberrascht blickte Eitel Fritz auf. Er hatte von dieser Einladung nichts gehört.

Ta muß ich allerdings zurücktreten", sagte Herr von Brandau höflicheAber ein Glas Sekt müssen Sie mit mir trinken, Petershagen."

es. gut."

Ich! zweifle nicht daran nur Werst ich nrcht, ob ich der Einladung folgen darf, die doch, wohl eigentlich nur dem Rittmeister galt."

Irma lachte leicht auf.

Glauben Sie? Nun, auf die Gefahr hin können Sre

Ich weiß nicht, Brandau, ob ich annehmen soll. . ." entgegnete Eitel Fritz zögernd. , . .

diein, Sie nehmen nicht au", sagte da plötzlich! dre Majorin.Sie werden uns doch heute nicht verlassen? Ich' habe bestimnit darauf gerechnet, daß Sie mit uns speisen. Nicht wahr, Herr Rittmeister?"

Freilich gnädige Frau waren so liebenswürdig, uns

dann wieder in Paris ober Rom, hatten sie zu einer voll- I er dieses stolze Bewußtsein seiner Kraft empfunden. Tie endeten Weltdame gemacht, die sich der Macht ihrer Schön- I Reaktion seiner trüben Stimmung der letzten Wochen machte heit wohl bewußt lvar. sich jetzt geltend, und ließ ihm ferne Thal m entern höheren

Sie war fast noch eilt Kind gewesen, als ihr Vater I Lichte erscheinen.

starb plötzlich und aus geheimnisvolle Weise. Nach I Er atmete tief auf, wie von einem schweren Albdruck dem Tode ihres Vaters war ihre Mutter mit ihr sofort j befreit Die Aufregung des Sieges, die Anspannung aller nach dem Süden gereist weshalb, sie wußte es nicht, seiner Nerven während des Kampfes hatte ihm die Fver- aber sie ahnte, daß diese jahrelange Abwesenheit von I heit des Empfindens wiedergegeben die Vergangenheit Berlin mit dem Tode des Vaters zusammenhing, und daß I lag hinter ihm, und energisch, straff richtete er sich im eilt dunkles Geheimnis dieses plötzliche Sterben des Vaters I Sattel empor, als er nach Beruhigung seines Pferdes zum umhüllte. Sie war in einer Schweizer Pension gewesen, als 1 Sattelplatz zurückritt.

sie die Nachricht von dem plötzlichen Tode des Vaters I Nicht einmal an den gestürzten Kameraden dachte er; empfing; als sie nach Berlin gekommen, lag ihr Vater I er ra() ihn ohne Mitleid durch einige Reitknechte sort- schou int geschlossenen Sarge; an demselben ^.age ward I tragen, eine eigentümliche Kalte hatte sich seines Herzens er beerdigt, klang- und sanglos, lute es ihr schien und I bemächtigt die Kälte des Egoismus.

am nächstfolgenden Tage schon reiste sie mit der Mutter IGratuliere, Petershagen! Donnerwetter, das nenne nach dem Süden. " I ich geritten! Sie müssen wieder öfter in den Sattel

Darüber waren vier Jahre vergangen. Die näheren I »eigen! Der Rappe ist ein Prachttier und kaum ein Umstände des Todes ihres Vaters hatte sie nie erfahren. I Haar! Das wird der Favorit für das Hamburger Sie kümmerte sich auch nicht viel darum; sie sah während I Geröll! . . ."

ihrer Kindheit den Vater nur selten, der viel außerhalb 1 g0 tönte es Eitel Fritz entgegen, und hundert Hände des Hauses lebte. Eiu näheres Band verknüpfte sie nicht. I »reckten sich aus, um ihm die Hand zu schütteln.

Weshalb auch über die Vergangenheit nachgrübeln? Sie I Leutnant von Brandau umarmte ihn.

lebte ganz der Gegenwart und sand in den Vergnügungen I Petershagen, wenn idti Ihnen das je vergesse . . . das der großen Welt ihre Befriedigung, ^hr Ehrgeiz war, zu I " + JL ^rtia gebracht;. . ."

glänzen, eine Rolle in der Gesellschaft zu spielen, sich I 9 n J < b ^itel Nrik vor dem Prinzen des bewundert zu sehen und der Männerwelt die Äcachf ihrer I föniglic£)en H^ses, der ihm beglückwünschend die Hand

schien ihr ein p-ssendes"b' *> i,c einen silbernen Ml

Objekt ihrer Koketterie. Sein freiherrlicher Name, . seine I ltDeim,t,T%.. itt °inem Traum war

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Der Kampf auf der Rennbahn nahte sich fernem I wflommen, und plötzlich ward es ihm

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In atemloser Spannung und regungslosem Schweigen I , Die Majorin erschöpfte sich in Komplimenten. Der beobachtete die Menge die letzte Phase des Kampfes. Dicht I Rittmeister lächelte sehr befriedigt und meinte.Na, Mer, vor dem Richterpsosten war noch ein schweres Hindernis, I Hagen, war dav nicht em glücklicher Gedanke von mir, eine 9J£ciuci mit einem WuiieTtl^aben betritt ter, AU übci> I Sic ttiit h e^uu§ AUN e ym en. c

Minden Nur noch einigermaßen frische Pferde, die sich I Irma aber streckte ihm ihre schmale, von dem Hand- noch einen Teil ihrer Spannkraft aufbewahrt hatten, waren I schuh befreite Rechte entgegen, er fühlte ihren im stände, dieses Hindernis glatt zu nehmen. I weichen Truck, und er sah verwirrt m die duntlen Augen, die

Das wußten auchs die Reiter, unb sie verhielten ihre I mit schmeichelnder Bewunderung zu ihm aufblickten. Pferde etwas, um sie nicht schon vor dem Hiuderiiis zu er- I Weit, weit hinter ihm lag die Heimat, lagen das im schöpfen. Namentlich Eitel Fritz hatte seinen Rappen zurück-I Sonnenglanz und im leichten Winde wogende, goldene gehalten, sodaß er der letzte der drei Reiter war, welche I Aehrenmeer, das ihn einst mit dem Zauber eines stüleii, sich als die erstell dem Hindernis näherten. Er sühlte, daß I innigen Glücks umsponnen hatte.

der Rappe noch Kraft genug besaß; denn das feurige Tier IDen Sieg müssen wir mit einer Flasche Monopol drängte mächtig vorwärts. Aber nichtsdestoweniger hielt I feiern!" rief der Rittmeister.Herr von Brandau, sind er das Pferd zurück. I Sie mit von der Partie?"

Jetzt galt es in gewaltigem Sprung flog das erste IVersteht sich; unbi heute abend sind Sie mein Gas, mferb ein Schweizer Dunkelfuchs, über das Hindernis, aber I Petershagen."

hatte ihn der Reiter etwas zn kurz gehalten ober hatte 111046 r,4rfl,+ infil ir£l1 annebmen soll . . .

das Pserb selbst den Sprung zu kurz bemefsen es sprang zu kurz, rutschte auf dem schlüpfrigen Abhang aus, stürzte und schleuderte seinen Reitereinen jungen Gardehusaren in weitem Bogen kopfüber auf den grünen Rasen, wo der Unglückliche reguiigslos liegen blieb.

Fast gleichzeitig mit dem zweiten Reiter nahm Eitel Fritz die Mauer und den Graben. Beide Reiter landeten glücklich, und weiter ging jetzt die wilde Jagd in fesselloser Paee. Eitel Fritz hatte an dem Sprung des Rappen ge­fühlt, daß dieser noch seine ungeschwächte Kraft besaß, nun galt es, diese bis zum letzten Hauch auszunutzen; denn das Ziel war nur noch! hundert Meter entfernt und sein Konkurrent auf einer edlen englischen Fuchsstute war ihm noch immer eine Halslänge voraus. Zum erstenmal ge­brauchte Eitel Fritz die Peitsche der Hengst schoß vor­wärts Kopf an Kopf jagten die beiden Reiter dahin noch fünfzig noch dreißig Meter mit einer ge­waltigen Anstrengung schob Eitel Fritz gleichsam den Rappen vorwärts jetzt sah er die Nasenspitze des Pferdes seines Rivalen neben sich jetzt verschwand sie hinter ihm der Rappe legte sich; fast im Sprunge auf den Rasen, und mit einer halben Pferdelänge schoß Eitel Fritz als