Ausgabe 
28.9.1901
 
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die Einladung ruhig annehmen. Der Rittmeister ist bei uns fast täglicher Gast."

Ah, ich! wußte das nicht- Wo wohnt Ihre Frau Mama?"

Wir wohnen vorläufig ttodx in der Villa meines Groß­vaters in Schöneberg."

Ihr Herr Großvater lebt noch?"

Ja. . . doch nicht wahr, Herr von Petershagen, Sie kommen mit?"

Wer könnte einer Einladung aus Ihrem Munde widerstehen?"

Sie lächelte, und wieder traf ihn der rasche, auf- flammende Blick ihrer Augen, der sein Blut in Wallung belferte.

In dem Restaurationspavillon ging es lebhaft zu. Eine Anzahl Offiziere und Sportleute sammelten sich um den Sieger in dem großen Steeplechafe, alle wollten mit ihm anstoßen und trinken; viele ließen sich! der Majorin und Irma vorstellen. Die Majorin lachte und unterhielt sich in lebhafter Weise mit den Herren, die ein reges Interesse für die schöne, stattliche und amüsante Frau zeigten. Stolzer und zurückhaltender verhielt sich! Irma, die die Anreden der Herren nur kurz und kühl beantwortete.

Endlich leerte sich der Pavillon. Ein neues Rennen hatte begonnen und führte die Gesellschaft auf den Sattel­platz und die Tribünen zurück.

Ich denke, wir fahren heim", sagte die Majorin.Es ist das letzte Rennen, und wir kommen sonst in das Ge­wühl der Zurückkehrenden."

Tier Rittmeister und Irma waren einverstanden, Eitel Fritz widersprach; ebenfalls nicht, und so begab man sich zu dem Wagen der Majorin, einem eleganten Landauer mit zwei stattlichen Braunen.

Tie kleine Gesellschaft nahm Platz, die Damen im Fonds, die Herren auf dem Rücksitz, Eitel Fritz Irma gegenüber, und im raschen Trabe ging es der Stadt zu.

Tie Majorin unterhielt sich lebhaft mit dem Ritt­meister, Irma dagegen lehnte schweigend in der Ecke des Wagens, und auch Eitel Fritz vermochte keine lebhafte Konversation zu machten. Ihm war das Herz so voll, er konnte den Blick nicht von dem stolzen Antlitz des jungen Mädchens abwenden, und wenn sie ihn plötzlich unter den langen, dunklen Wimpern hervor ansah, da fühlte er das Blut heiß in die Wangen steigen. Er war wie gebannt durch! die blendende Schönheit dieses Mädchens, das schein­bar so kühl und gleichgiltig dafaß, in dessen Augen aber der Strahl einer tiefen Leidenschaft aufzublitzen schien.

(Fortsetzung folgt.)

Argentinische Post- und Eisenbahnkuriosa.

Von Häns Haelg e.

(Nachdruck verboten.)

Von den mittel- und südamerikanischen Stsaaten hat die Argentinische Republik bislaug das ausgedehnteste Eisen­bahnnetz aufzuweisen, und steht auch, was rollendes Ma­terial, Betriebs- und Verkehreiurichtungen usw. betrifft, un­zweifelhaft an erster Stelle. Hauptsächlich rührt dies daher, daß fast sämtliche Linien sich in Händen englischer Gesell- schaften befinden und meist auch! von Engländern und mit englischem Kapital gebaut worden sind. Ein schüchterner Versuch, eine größere Linie in Staatsregie auszuführen und zu betreiben, machte kläglich, Fiasko, bei den vorzüg- lichen Anlagen der einheimischen Bevölkerung (aus der sich das ganze Beamtentum ausschließlich zusammensetzt) für administrative und finanzielle Thätigkeit war das voraus­zusehen. ~

Die Personalfrage bildet auch für die Privatgesell­schaften eine noch auf lauge Zeit hinaus nicht zu be­seitigende Schwierigkeit, die uns Europäern nie erwachsen konnte: nicht etwa, daß! es an Leuten fehlte, die sich, für den Eisenbahndienst melden, im Gegenteil, Bewerber gießt es mehr denn genug, aber durchweg waschechte und ge­sinnungstüchtige Söhne des Landes.

Im Punkte der Arbeit ist die spanisch-südamerikanische Bevölkerung außerordentlich genügsam und viel zu be­scheiden, um Dinge, die ein anderer vielleicht auch er­ledigen könnte, etwa selbst in Angriff zu nehmen. Ganz besonders sagt den Leuten der Stationsdienst im Innern des Landes zu: auf den Strecken, die nicht gerade die wenigen

größeren Provinzialhauptstädte verbinden, verkehren täg­lich selten mehr als zwei bis vier Züge, eine Zahl, die weiter im Innern oft nicht einmal wöchentlich erreicht wird, und da läßt es sich denn in der Zwischenzeit trefflich Siesta halten und Zigaretten rauchen, was neben Genever­trinken die einzigen, des Argentiniers würdigen Beschäftig­ungen sind.

Lesen und Schreiben muß der Kandidat natürlich können so steht's wenigstens in den Bestimmungen. Still­schweigend hat sich indes dabei der Brauch eingebürgert, einen etwaigen Mangel in diesen schweren Künsten durch genügende Beziehungen zum Polizeichef oder sonst einem großen Herrn der Verwaltung als behoben zu betrachten.

So schlimm wie in Brasilien geht's in Argentinien in dieser Beziehung allerdings nicht zu. Wer würde es für möglich! halten, daß ein Postminister nicht schreiben und lesen kann? Solches Prachtexemplar gab es aber im vorigen Jahre und wohl auch! heute noch im brasilia­nischen Staate: Matto Grosso, dessen postalische Einricht­ungen überhaupt von rührender Ursprünglichkeit waren bezw. sind.

Wenn in der Hauptstadt Cuyaba die Post aulangte, so. gab der Dampfer Cuyaba hat nur Dampfschiffverbindung durch den Rio Parana, San Lorenzo und Rio Cuyaba mit der Pfeife ein bestimmtes Signal, und eine Stunde darauf wurden die angelangten Briefe einfach auf die Granitplatten der Bürgersteige vor dem Posthause zum gefälligen Aussuchen geschüttet. Wer Briefe erwartete, mußte dann hingehen Briefträger sind dort nicht vor­handen, wohl aber Briefmarkensammler, die zerstreut genug waren, auch! an andere Leute adressierte Briefe mitzu­nehmen, wenn die Marken Interesse fanden.

Die nach den übrigen Städten der Provinz bestimmten Briefe sollten durch einen Postreiter weiter befördert wer­den. Dieser Posten war jedoch tat Vorjahre vier Monate hindurch unbesetzt, nachdem der eine Inhaber ertrunken, sein Nachfolger ermordet, und dessen Ersatzmann mit der Postkafse durchgebrannt war. Wie schlechte Menschen be­haupten, war dies seit Jahren das erste Mal, daß man erfahren hatte, wo die Einnahmen des Postamtes hingerateu waren!

In Argentinien steht die Post, wie überall, unter der Verwaltung des Staates, befördert jedoch nur Briefe und Zeitungen, aber keine Pakete, deren Uebermittelung Sache der Bahn oder besonderer Paketbeförderungsiustitute ist. Daß die Paketbestellung durch das Bahnpersonal zu großen Nachteilen führen muß, liegt wohl auf der Hand, zumal eine Kontrolle fast ganz ausgeschlossen ist. Das Porto muß vvrausgezahlt werden, kommt aber kaum in die Bahnkasse Gepäckschaffner und Expedient teilen sich lieber darein, und der Empfänger braucht dann nicht noch über den Erhalt zu quittieren, d. h., wenn er seine Send­ung überhaupt bekommt: nur ^zu häufig verschwinden Pakete unterwegs spurlos. Reklamationen sind zwecklos, gefunden wird doch! nichts, und Schadenersatz wird nicht gewährt.

In der Praxis hat sich daher als sicherste Versendungs­weise die direkte Einhändigung an das Zugpersonal er­geben, auf welches man sich bei einem kleinen Extra­obolus außer dem tarifmäßigen Satze sicher verlassen kann. Sogar Wertbriefe darf man ihnen auf diese Weise zur Be­förderung einhändigen, sobald man in Gegenwart eines Zeugen den Inhalt an Geldscheinen usw. dem Pseudo- Stephan vorzählt und einsiegelt. Die Sendung kommt daun ebenso sicher und unverletzt in die Hände des Adressaten, wie dies bei einer Uebermittelung durch die Post nicht ge­schehen würde. Schireiber dieses hatte selbst einmal das Vergnügen, den Postbeamten in einem Bahnpostwagen bei einer merkwürdigen Beschäftigung zu beobachten. Der gute Mann sortierte die Briefe, aber nicht etwa nach den Adressen sondern nach, dem Inhalte, der sich vermuten ließ, toemi er die Briefe an das Fenster seines Postwaggons drückte und Sonnenbeobachtungen durch das Papier hindurch an­zustellen versuchte. Das weiteresachgemäße" Behandeln der anssortierten Briefe dürfte unschwer zu erraten sein besonders unter Hinweis darauf, daß die argentiuische Post­verwaltung keinen Postauweisungsverkchr kennt. Man tarnt Geld eben nur in Banknoten, Wechseln, Checks usw. mittelst Briefen versenden. Die in den Kolonien ansässigen Ge­schäftsleute geben übrigens gern Auskunft darüber, ob zur Zeit eine Geldsendung, die durch! die Post erfolgen