Ausgabe 
28.3.1901
 
Einzelbild herunterladen

Donnerstag den 28 März

VK< VÄ3

msonst bist du von ebtcv Glut entbrannt, Wenn du nicht sonnenklar dein Ziel erkannt.

L. Uh land.

(Nachdruck verboten.)

Der Bauer vom Wald.

Novelle von A n t o n v. P e r f a l l.

(Fortsetzung.)

Am ersten Samstag kam der Herr Polentz selbst, ein kleines, dickleibiges Männchen mit einer schwergoldenen Uhr- kette ans der weißen Weste. Er begrüßte Johannes in dem herablassenden, gemütlichen Tone des Städters, dem Land- manne gegenüber, fand aber damit keinen Anklang.

. Der sollte ihm den Kopf zurechtsetzen? Der Bauer nliißte innerlich lachen. Es verging aber nicht ein Tag, so entpuppte sich Herr Polentz ihm gegenüber als ein hoch- erfahrener Mann mit sehr gesunden, wirtschaftlichen An­schauungen. Besonders für den Wald schien er das größte Interesse zu haben.

Als er am Abend vor Matthes des Bauern konservative Wirtschaft lobte und seine Erfahrung als Generalagent einer Bodenkreditgesellschaft zum besten gab, nach der im Wälde allein die Kraft des Bauernstandes beruhe, da hatte er den Johannes ganz für sich eingeudmmen.

Hörst Du's, Matthes? Mir hast's nit glaub'n woll'n! Wenn's so a Herr selb'r zugiebt!"

Und Herr Polentz redete vor ihm dem Matthes in das Gewissen, und der Matthes war ganz zerknirscht und ver­schämt und versprach ein Einsehen.

Was kümmerten ihn jetzt noch die faden Weiberleut. Der Mann kam ihm ja wie vom Himmel gesendet. Am Ende dachte man in der Stadt viel vernünftiger über diese Dinge wie da heraußen, wo gerade so ein paar Redensarten aufgefangen werden, die dann das ganze Un­glück anstellen.

Johannes fing an, über die Städter günstiger zu denken. Die Bäuerin dagegen schwamm- in eitel Glück. Was sie von der Frau alles zu hören bekam! Sie war schon in der ganzen Welt herumgekommen, und ganz furchtbar reich mußte sie sein, und mit den nobelsten Herr­schaften bekannt; und dann die Fräulein Wanda, das schöne, reiche Mädchen! Kein Stolz, 4ein bißl net. Ganz verliebt war s' in den Matthes, und der Schlankel ging darauf ein; wie ein Kavalier betragt er sich. Wer weiß, z'letzt heirat s' ihn no. Warum net? Er war auch fein solcher Bauernbua, wie die anderen alle, sondern für was Besseres geboren.

Kurz, eitel Lust und Fröhlichkeit herrschte mit einem Male auf dem Hof.

Am nächsten Samstagabend wurde Herr Polentz der Jüngere mit seinem Vater erwartet. Das ganze Haus prangte in Grün, farbige Papierlaterneu waren im Obst­garten und auf der Altane aufgehängt, als gelte es einem Familienfeste oder dem Empfang eines hohen Herrn.

Johannes erwartete mit den Herren neue Nachrichten vom Nonnendistrikt, die ihn wohl völlig beruhigen konnten. Wanda hatte eine Erdbeerbowle angesetzt mit Champagner, das Leibgeträuk des Bruders Fritz, wie sie erklärte.

Endliche kamen die sehulichst Erwarteten in einem flotten Zweigespann angefahren. Der junge Polentz sah aus wie ein Graf in seinem laugen, Hellen Sommerüber- zieher und seinen zierlichen, eigelben Stiefelchen. Das mädchenhafte, bartlose Gesicht war auffallend blaß, und ein Zug lag darin wie von schwerer Sorge. Oder war es aufreibende Arbeit, die ihn gezeichnet? Der Vater sah ganz jugendlich aus dagegen mit seinen glänzenden, runden Bäckchen und blitzenden, kleinen Augen.

Herr Fritz begrüßte beit Bauern mit einem liebens­würdigen Kopfnicken, während er Matthes zur Ver­wunderung des Vaters wie einem guten, alten Bekannten entgegenkam.

Johannes hatte sich also nicht getäuscht, die Sache war abgekartet. Der junge, schwächliche Mensch da, bei dessen Anblick ihm in der Kehle ein unangenehmes Gefühl aufstieg, genau so wie Ekel, war ein alter Freund des Matthes von seinen Besuchen in der Stadt her.

Diese Beobachtung weckte von neuem fein Mißtrauen. Tie guten Nachrichten jedoch, welche Herr Polentz mit­brachte, ließen ihn das rasch wieder vergessen.

Die Nonuengefahr sei so gut wie beseitigt, die ganze Geschichte von der Presse übertrieben, was aber die Haupt­sache sei, die Befürchtung betreffs der Ueberfüllnng des Holzmarktes durch die massenhaft vorhandenen Vorräte sei völlig unbegründet; denn eine einzige große Firma habe über die Hälfte des geschlagenen Holzes aufgekauft. Daran knüpfte er eine Lobeshymne auf die moderne Industrie, die immer neue Quellen öffne, immer wieder dem bedrängten Landwirte zur rechten Zeit unter die Arme greife.

Er war eine herrliche Augustnacht, die Bowle that ihre .Wirkung, besonders bei Johannes, dem das Getränk völlig neu war. Er hörte jetzt mit Staunen von den riesigen. Grundspekulationen in der Hauptstadt, in der ein Miethaus mehr Rente abwarf wie ein großes Bauerngut; hörte von armseligen Weideplätzen in der Nähe der Stadt, die so viel wert waren, wie sein ganzer Wald. Er hörte das alles mit der Gemütsruhe an, mit welcher man im sichern Haus, vom warmen Ofen aus, von Schnee und Meeresstürinen erzählen hört, oder von wilder Kriegszeit.

Eine nachhaltigere Wirkung erzielte unterdes bei