Ausgabe 
28.2.1901
 
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läßt. Sparsame Eltern kaufen eine Sklavin auch wohl mit der Absicht, diese zur eigentlichen Gemahlin für' den Sohn aufzubringen. Aber ob Haupt- oder Nebenftan, Sklavinnen werden im allgemeinen nicht schlecht behandelt, wenigstens nicht schlechter als die Mehrzahl der Schwiegertöchter. Diese haben aber oftmals so viel auszustehen, daß sie sich häufig selbst das Leben nehmen. Und die Furcht vor diesem Schritt allein veranlaßt manche Schwiegermutter zuweilen, noch mildere Saiten aufzuziehen. Denn ein solcher Selbstmord ist nicht nur ein gegen sie sich richtender öffentlicher Skandal, er beraubt sie nicht nur der Dienste der jungen Frau, sondern giebt auch den Eltern derselben das Recht, ein sehr kostspieliges Begräbnis für dieselbe zu beanspruchen. Und wer weiß, was die in den Tod getriebene Schwiegertochter hinterdrein nicht noch alles an­rühren man. Selbstmord aus Rache ist uichts Ungewöhn­liches in China. Es giebt Leute, die sich auf der Schwelle ihres ärgsten Feindes das Leben nehmen, um ihm aus diese Weise den Schrecken einzujagen, daß ihn der Geist des Verstorbenen gehörig plagen wird.

ChinesischeBehausungen bieten wenig Bequem­lichkeiten. Diejenigen der ärmeren Klassen sind dürftige Lehmhütten ohne Fenster und ohne Schornstein. Die besseren Häuser haben regelmäßig einen abgeschlossenen Vorhof auf­zuweisen. Das Fundament ist aus Stein, die Stützen der Wände und des Daches sind hölzerne Pfeiler, und erst nachdem das Dach aus Ziegeln völlig hergestellt, macht sich der chinesische Baumeister daran, die Wände zwischen den Pfeilern mit Backsteinen auszufüllen. Das Hauptgemach liegt im Hintergrund, und aus beiden Seiten vor dem­selben sind die Schlafzimmer eingerichtet. Was an Fenstern vorhanden ist, hat nur Scheiben aus Reispapier aufzu­weisen, d>e übrigens ein leicht gedämpftes, angenehmes Licht durchlassen, während die leicht mit dem Finger ge­machten Löchlein auch einen Durchblick gewähren. '

In Bezug auf die Kleidung der Chinesen gilt als Hauptregel zunächst, daß alles Steife, den Körper irgend­wie Einengende, irgendwie Unbequeme in Wegfall kommt, und daß sodann durch die lose sitzenden bauschigen Ge­wänder der ganze Körper bis auf das Gesicht keusch ver­hüllt und selbst in den Umrissen seiner Gliedmaßen nach Möglichkeit verdeckt und versteckt wird. Als eins der wirk­samsten Stärke- und Verjüngungsmittel gilt die Milch einer jungen Mutter. Und dieses Heilmittel wie ein Säugling frisch an der -Quelle zu genießen, gilt an sich für keinen Manu als ungehörig, solange nur die Sittsamkeit insofern streng gewahrt wird, daß die beiden beteiligten Personen sich dabei in zwei verschiedenen Zimmern befinden mit einem aber ja nicht zu großen Loch in der Wand.

So sittsam sind die Chinesen, während die Barbaren selbst in ihrenKunstwerken" das Nackte zum Ausdruck bringen. Eine europäische Dame, die sich über solche An­schauungen der Chinesen hinwegsetzte, hatte eine zeitlang auf ihrem Flur eine allerdings nur recht dürftig be­kleidete marmorne Nymphe aufgestellt, bis sie eines Tages erfuhr, daß ihr chinesischer Haushofmeister den chinesischen Besuchern regelmäßig auseinandersetzte, die Statue sei eine Abbildung der schamlosen Schwiegermutter seiner Herrin.

Wilh. F. Brand.

Gemeinnützrges.

Schnell eHeranzuchtvonRosen Wildlingen durch Stecklinge. Wald und Feld werden alljährlich nach Rosenwildlingen durchsucht. Der Gartenfreund, welcher bisher seinen Bedarf an Rosenwildlingen noch decken konnte, hat immer größere Schwierigkeiten. Man zieht nun zwar in den Rosengärtnereien die Rosenwildlinge aus Samen, und der Rosenfreund könnte ähnliches thun. Es dauert aber recht lauge- 3 bis 4 Jahre vergehen, ehe der Sämling einen starken Stamm giebt. Es macht auch viel Umstände. Ein bequemeres Verfahren, rasch zu Rosenwildlingen zu kommen, wird in Nr. 47 desErfurter Führers im Gartenbau" beschrieben. Danach schneidet man die Triebe der Waldrose (Rosa canina) zu Stecklingen und steckt diese bis zum obersten Auge in guten, feuchten Boden. Das Schneiden muß jetzt geschehen. Die Stecklinge werden

zusaininengebündelt und an einen feuchtkühlen Ort bis zum Stecken im März aufbewahrt. Solche Stecklinge geben manchmal noch im gleichen Sommer veredelungsfähige Stämme. Wer mehr über dies Verfahren wissen will, kann sich Nr. 47 von Erfurt kommen lassen, da sie unseren Abonnenten kostenlos zur Verfügung steht.

Bier- und Milchflecken lassen sich mit Wasser entfernen. Aus Seide oder Wollstoffen entfernt man Bier­flecken mit einer Mischung von je einhalb Wasser und Spiritus.

(Praktischer Wegweiser, Würzburg.)

Litterarisches.

N o v e l l e u b i b l i o t h e k der Illustrierte «Zeitung. Bd. 26. geb. Mk. 3,. Verlag von I. I. Weber, Leipzig.

Alles was unter der Flagge der Illustrierten Zeitung segelt, trägt das unverkennbare Gepräge der Gediegenheit und Gründlichkeit, die als vornehmste Wahrzeichen des Weber'schen Verlages gelten.

Auch der vorliegende 26. Band der Novellen- bibliothek der Illustrierten Zeitung bietet feinen Vorgängern gleich durchweg mustergiltiges; rechtfertigt somit seinen Untertitel

Sammlung ausgewählter Erzähluuge n".

Novellen schreiben zählt keineswegs zu den leichten Künsten, noch dazu, wenn die Muse wie hier, unbeschadet ihrer Anmut, kurzgeschürzt genommen sein will. Eindrucksvolle Stimmungsbilder, denen sich ver­traute Züge abgewinnen lassen, sind diese Novellen nicht sowohl zum Zeitvertreib, als zum liebevollen Ergründen der geschilderten Charaktere und Verhältnisse geschrieben.

_____ Bdt.

Der Nackfischkaster» ist der Titel einesfröhlichen Romans", den Fcdor von Zobeltitz soeben vollendet hat. Was dieser rätsel­hafte Titel bedeutet, können wir unseren Lesern nicht verraten. Wer sich aber für eine $utc Lektüre interessiert und wer interessiert sich nicht dafür lasse sichDies Blatt gehört der Hausfrau!" (Verlag von Friedrich Schirmer, Berlin SW., Neuenburgerst. 14a), kommen, wo der Abdruck des fröhlichen Romans soeben beginnt. Der Name des bewährten Autors und die Vortrcfflichkeit dieser reichhaltigen Familienzeitschrift bürgen dafür, daß die Leserinnen vonDies Blatt gehört der Hausfrau!" eine Reihe von vergnügten Stunden erwarten dürfen. Auch der sonstige Inhalt dieses Blattes ist in jeder Hinsicht lobenswert. Wir waren oft genug in der Lage, es empfehlen zu können, so daß wir uns heute mit der Versicherung begnügen dürfen, daß es in seinen Rubriken erhebliche Verbesserungen und Vervollkommnungen aufzuwciscn hat. Für jede Familie wichtig sind die allgemein verständlichen Artikel über Erziehung und Unterricht, Gesundheitspflege; besonders diese Artikel, die von einem anerkannten Fachmann geschrieben find, erregen das Interesse der Lcserinnen vonDies Blatt gehört der Hausfrau!" Ferner bringen die Rubriken Haus- und Zimmergarten, Frauenerwerb, beherzigenswerte Belehrung. Auch Gedichte und Aufführungen zu Geburtstagen, Polter­abenden re. finden die Leserinnen unter der Rubrik Häusliche Feste. Die Handarbeiten und die Modebilder, die eine Mode-Zeitschrift nahezu ersetzen, sind vortrefflich ausgeführt.

Logogriph.

Nachdruck verboten.

Umglänzt von Macht und Herrlichkeit War ich, ein Fürst in alter Zeit;

Verfiel ich in des Trübsinns Zwang, Erheitert mich der Saiten Klang. Wird mir ein and'rer Kopf verlieh'«, So kann ich tragen und auch zieh'«. Wird wieder mir ein and'rer Kopf, Nie hält mich der geschwätz'ge Tropf. Und noch ein and'res Haupt gesetzt, Ein Knabenname werd' ich jetzt.

Auflösung folgt in nächster Nummer.

Austösung der Geheimschrift in voriger Nummer:

(Schlüssel: Man setzt für jeden Konsonanten den im Alphabet nächste« Konsonanten.)

Man würze, wie man will, Mit Widerspruch die Rede; Wird Würze nur nicht Kost

Und Widerspruch nicht Fehde. Lessing.

«edaktion: «. Bnrkh-rdt. Druck und »erlag der Brühl'sche« Uni»erKt»t««Such. ttnb Steindruckerei (Pietsch «rde«) in »ießr»