(Nachdruck verboten.)
Der Erbe von Petershagen.
Roman von O. Elster.
(Fortsetzung.)
Der früh einbrechende Wintertag machte ihrer Thätig- keit in den Ställen und Scheunen ein Ende. Eitel Fritz ging in das Schloß zurück. Als er aber wieder in der stillen Einsamkeit seines Zimmers saß, nichts hörte als das Sausen des Sturmes, das Rauschen und Brausen der hohen Bäume im Park, da kehrte die alte Unruhe und die frühere Mutlosigkeit zurück.
War das Leben, das er führte, denn noch lebenswert. Wie eine öde Wüste lag das Leben vor ihm. Eine dunkle, nebelerfüllte Nacht, deren finstere Wolken kein erquickender, tröstender Strahl eines Sternes zu durchdringen vermochte. Vor der Arbeit fürchtete er sich nicht, er sehnte sich nach harter, anstrengender Arbeit — aber für wen und wofür arbeitete er denn noch?
Für sich selbst? — War das der Mühe wert? — Für seine Verwandten? — Die waren ja alle in gesicherter .Stellung — sie brauchten seine Arbeit nicht — im Gegenteil, er mußte ja ihre Arbeit, ihre Hilfe noch in Anspruch nehmen, um seine armselige Stellung aufrecht zu erhalten.
Wozu das alles? Nur um zu leben? Welchen Zweck hatte sein inhaltsloses Leben noch?
Den Besitz des alten Stammgutes aufrecht zu erhalten? Für wen? — Für sich selbst? — Ah, wielange noch, und es war vorüber, und das Gut fiel doch an die Verwandten, die es besser gebrauchen konnten, wie er selbst Ihm selbst War dieser Besitz eine Last geworden — ihm selbst hatte dieser Besitz das Glück und den Frieden geraubt. Um dieses Besitzes willen hatte er die Treue gebrochen, hatte er eilt treues Herz sich entfremdet und sich von dem Glanz des Goldes blenden lassen.
Der Besitz, der anderen Segen gebracht, ihm war er zum Unsegen geworden, da er ihn nicht durch treue Arbeit sich aufs neue zu erwerben gesucht, sondern durch die Macht des fremden Goldes.
Jetzt lernte er des Wortes Wahrheit verstehen: „Was Du ererbt von Deinen Vätern hast — erwirb es, um es zu besitzen!"
Eine heiße Sehnsucht überkam ihn nach einem Wesen, für das er sorgen und arbeiten durfte. Dann würde er alles ertragen, alles erduldet, alles erhofft haben I Wenn
Ionntag den 27. Moder.
Kl
Aas mich süßer fast als du, Lenz, erquickt und tränkt? Sonnenklare Hcrbstesruh, Welche dein gedenkt!
Geibel.
er ein Kind sein eigen nannte! Einen Sohn, auf den er alle seine Hoffnungen und Wünsche vereinigen konnte! Eine Tochter, deren Lebensweg er sonnig und eben zu gestalten vermochte! Ein Kind, in dessen Seele er alle die weisen Erfahrungen seines eigenen Lebens hineinverpflanzen, es schützen und schirmen konnte vor den eigenen bösen Erfahrungen, von den eigenen Fehlern und Vergehungen!
Dann — ja dann hätte das Leben, die Arbeit noch einen Zweck!
Oder ein Weib, das mit ihm sorgte und arbeitete! — Die Gestalt Elses trat vor sein seelisches Auge. Wie sie im Haus und Hof sich mühte, wie sie sich sorgte um „beit alten Vater, wie sie teilnahm an all den kleinen Mühen und den großen Sorgen des Lebens! Ihr stilles Schaffen ihre ruhige Bestimmtheit — ihr heiteres Lächeln und ihr ernstes, mildes Wort!
Weshalb hatte er alles das nicht früher in seinem wahren Werte erkannt? Weshalb erst jetzt, wo es zu spät war? —
. Er barg das Antlitz in den Händen und brach in ein wildes Schluchzen aus, das seinen Körper krampfhaft erschütterte.
Sollte er ein Ende machen?!
Wie ein Blitzstrahl durchzuckte dieser Gedanke seine Seele. Er sprang empor und starrte mit geisterhaften Augen auf die Gewehre und Pistolen in dem Waffenschrank, auf deren Läusen und Schlössern der Strahl der Lampe unheimlich glitzerte.
Langsam wandte er sich ab. Nein, noch war es nicht so weit — noch mußte er warten. Hatte er doch noch die Ehre des Mädchens zu verteidigen, dessen Bild ihm in erhabener Reinheit vor der Seele stand.
In ruheloser Ungeduld vergingen ihm die nächsten Tage. Endlich am Morgen des dritten Tages traf ein Brief Arnos ein, nur wenige Worte — aber diese entschieden über sein Leben.
Arno teilte ihm mit, daß bislang seine Versuche, Jrme umzustimmen, vergeblich gewesen seien, er hoffe jedoch nock einen Erfolg von einer letzten Unterredung. Die Geld angelegenheit würde vielleicht geregelt werden können, wenn sich ein Bürge fände. Alle näheren Mitteilungen verschal Arno auf die mündliche Unterredung. Er werde am Abent des folgenden Tages zurück sein.
Eitel Fritz starrte lange auf den Brief. Er glaubt' nicht mehr an den Erfolg der Sendung Arnos, und ei beschlich ihn ein Ekel vor allen weiteren Verhandlungen
Heute abend wollte Arno zurück sein — dann beganr die Qual von neuem, diese unerträgliche Qual, die keir Ende nehmen würde.
Wozu das alles? Das war die einzige Frage, dü seine Seele zermarterte.
Die unheimlichen Geister der Nacht, die finsteren Ge danken der Einsamkeit kehrten zurück und in finsterer Ent schlossenheit erhob er sich. Er klingelte dem alten Friedrich


