Ausgabe 
27.8.1901
 
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Freilich ganz und gar abgeschlossen von der Außenwelt war das Jnselreich eigentlich niemals. Wie es serner- seits Kriege führte auf dem asiatischen Festland, so kamen ihm selbst von China und 'Soreci die Hauptfaktoren des intellektuellen Lebens: Schriftzeichen, mancherlei Künste und Wissenschaften, sowie die buddhistischen und consucianischen Lehren.

Schon um das Jahr 1300 traf als einer der ersten Europäer Marco Polo, der bekannte Venetianeu in Japan ein. Doch sein Aufenthalt war nur vorübergHcnd. Erst um die Mitte des 16. Jahrhunderts landeten wieder Euro­päer, zuerst Portugiesen, dann auch Spanier und zumal Holländer. ' Schon die Portugiesen führten auch das Christentum ein, aber nach wenigen Jahrzehnten wurden die Christen unter schändlichen Grausamkeiten ausgerottet, und es durfte kein Europäer mehr ins Land kommen mit Ausnahme von ein bis' zwei Dutzend Holländern, die unter strengster Aufsicht der Regierung und in demütigendster Stellung bis irr die Neuzeit einen eng begrenzten Waren­austausch mit bestimmteu Personen unterhielten. Nur eine geringe Anzahl von Schiffen durfte in dem Hafen von Nagasaki einlaufen, wo die kleine Zahl von Holländern streng auf die kleine Insel Teschima verwiesen war, die jetzt einen Teil der Stadt ausmacht.

Seit 1868 ist eine Flut von Neuerungen über Japan hereingebrochen, wie die Weltgeschichte kaum je zuvor etwas Aehnliches zu verzeichnen gehabt hat. Von jenem Jahre ab wurden begabte junge Leute in großer Zahl zu ihrer Ausbildung nach Europa gesandt, und erfahrene Männer auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens von dort nach Japan berufen, die Nation in allem Wissenswerten zu unterweisen.

Vornehmlich war es Deutschland, auf das Japan bei Neugestaltung der Dinge sein besonderes Augenmerk rich-- tete, und deutscher Einfluß war auch in diplomatischer Hinsicht lange Zeit mächtiger als der irgend eines anderen Landes, freilich nur bis zur Beendigung des letzten chi­nesisch-javanischen Krieges, wo unsere Regierung zu Gunsten Chinas ihren Einfluß geltend machte. Im Augenblick er­freut sich Deutschland hier keiner besonderen Beliebtheit.

Bei allen Bestrebungen, das Fremde sich anzueignen, brach nun aber auch rasch das Verlangen nach einer- nationalen Selbständigkeit durch- das zumal infolge des siegreichen Krieges ein stark ausgeprägtes Nationalgefühl, ja einen erstaunlichen nationalen Dünkel mit sich brachte. Die europäischen Unterweiser werden mehr und mehr ent­lassen, und es hat sich lange schon das Streben geltend gemacht, auch alle Lehrämter möglichst mit Eingeborenen zu besetzen. Das ist ja natürlich genug, aber ob man da nicht mit allzu großer Hast zu Werke geht?

Der wichtigste und gewagteste Schritt aber, den Japan auf seinem Eilmarsche zur Aneignung europäischer Zivili­sation gethan, war die Einführung einer Staatsverfassung nach europäischem und zwar vornehmlich preußischem Muster. Dieselbe wurde 1889 verkündet, und im folgen­den Jahre trat das erste Parlament zusammen.

GemernnÜtziges.

Eine praktische Garten l eiter. Tie ^gewöhn­liche Leiter mit zwei Holmen hat einige Uebelstände, die besonders hervortreten, wenn die Leiter eine beträchtliche Höhe erreicht und wenn man mit ihr auf unebenem Booen arbeitet. Sie ist für einen Mann allein schwer auszu­stellen und steht am Hang nur fest, wenn die Stollen quer zum Anhang laufen. 1 .

Die Zweibaumleiter wird übertroffen m diesen beiden Hinsichten von der Einbau ml eiter, der sogenannten ,°Tiroler Lehne". Man kann sich eine solche leicht ans einem schön geraden, konisch zulaufenden Baume durchs Eintreiben von Sprossen herstellen. Am Fuße bekommt sie zwei eiserne Zacken zum festeren Stand und oben läßt man etwa einen bis anderthalb Meter lang die Sprossen fehlen, sodaß man mit dem sprossenlosen Ende bequem in die Krone fahren kann. , ., r ,

In der neuesten Nummer des praktischen Rat- q e b e r s i m O b st - u n d G a r t e n b a u, die vom Geschäfts- amt zn Frankfurt a. O. kostenlos bezogen werden kann, ist eine solcheTiroler Lehne" abgebildet, wie sie sich em alter Praktiker selbst hergestellt hat. Er erzählt in dem zugehörigen Artikel auch von einem Instrument, das er Baumknecht" nennt. Es ist ein starker Knüttel mit Haken, den er von der Leiter aus, wo er zur Sicherheit sestge- 6 tut beit wird, nach einer Astgabel der Krone legt, um dann, auf dem Knüttel stehend, bequem entfernter hangende Früchte ernten zu können.

Gegen das Wundreiben der Hände beim Waschen macht man eine schwache Lösung von Schellack in Spiritus und reibt damit die oberen Teile der Hande einige Tage vor Beginn der Wäsche ein.

Zur Aufbewahrung von Säften diene fol­gende Anweisung: Um vollständig klare Shrupe zu erhalten, filtriere man nicht, wie dies meist geschieht, durchs Flanell­tuch. Unter Anwendung von geeignetem Filtrierpapier und eines Trichteransatzes lassen sich in kürzester Zett selbst Mengen bis zu 20 Kilo in heißem Zustande durch em einziges Filter mittlerer Größe gießen. Den filtrierten Syrup lasse man im geschlossenen Gefäße erkalten und fülle in kleine, gewöhnliche Medizinflaschen ab. Vor dem Einfüllen sind dieselben mit 96prozenttgeut L-Pirttus aus­zuspülen. Nachdem die Flaschen bis zum unteren Rande des Halses angefüllt sind, gieße man vorsichtig bis zur Hälfte des Halses eine Schicht Spiritus auf und verkorke unter Vermeidung stärkeren Schüttelns, wie Große der Flaschen richtet sich! nach dem betreffenden Standgesatze der Offizin, doch nehme man die Fläschchen nicht großer als 150 bis 200 Ccm. Inhalt. Nur Shrupe, wie Zucker- syrup, Himbeersyrup u. s. w., lassen sich m Literflaschen, in obiger Weise eingefüllt, dauernd aufbewahren. Mch im Hochsommer halten sich auf diese Weise abgefullte vorzüglich, und ist selbst bei längerer Ausbewahrung nicht ... befürchten, daß dieselben sauer werden oder in Garung übergehetuPrakt. Wegw.", Würzburg.

Dreißig Geschichten

von Hermann Heiberg. Leipzig, Johannes Cotta Nachfolger. Preis geb. Mk- 5.

So schlicht der Titel, so reich der Inhalt. In vier Abschnitten, überschrieben: Ernsthafte Geschichten, Phan­tasien, ' allerlei Hurnore, Geschichten ans der Welt, bietet Heiberg hier eine lohnende Aehrenlefe, die auch nicht ein taubes Korn aufzuweisen hat. Heibergs Gabe, das Leben in allen seinen Zügen packend zu schildern kommt in diesen Geschichten überzeugend zum Ausdruck, und keiner wird solche, toteNeues Leben",Was der Spiegel er­zählt",Peter Lücks Beklemmung",Um tausend Mark" verfolgen können, ohne im innersten davon ergriffen zu werden. Kannten wir Heiberg bisher als Meister im Großen, so spiegeln diese Geschichten lebhaft seine Treue im Kleinen wieder. Bdt-

Zahlenpyramide.

(Nachdruck verboten.)

1 Vokal.

1 2 Fürwort.

2 13 Gewässer.

1 4 2 3 Weiblicher Vorname.

5 1 2 3 4 Preußische Festung.

5 6 1 2 3 4 Kleines Raubtier.

(Auslösung in nächster Numiner.)

Austöm-g der Saack>a >uabe tu ooitger Nummer. (Dreizttger von Fr. Schrüser.)

W. KeS, Ta5, b2, Lei, f7, Bc4, e2, f3.

Schm. Kii4, Bb3,, 6, e3.

1. Lel-h4, KcB; 2. T»5-a2. - 1.....Ke5; 2. Lg5.

" Redaktion: E. Burkhardt. - Druck und Verlag der Brühl'schen UniversnStS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.