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Was war da zu thun? Hilfe mußte gebracht werden, und so redete ich den Leuten tapfer zu, und nahm das Kommando, wie es. einem Kapitän gebührt. IM will Sie nicht mit der Beschreibung ermüden, wie wir, obwohl mit einiger Mühe glücklich das Schiss erreichten. Es hatte nur leicht angestoßen, und Offiziere und Mannschaften waren froh, als es ihnen mit unserer Hilfe gelang, den Dampfer wieder flott zu machen. Die Menschen haben viel Aufhebens von dieser einfachen Geschichte gemacht. ,®ie goldene Rettungsmedaille erhielt ich von unserem König Karl, Gott hab''ihn selig, und die englische Reederei sandte nur die schöne, silberne Tose, welche wohl verschlossen dort in der Truhe ruht. Doch das gehört nicht hierher. Ein alter Schwätzer kommt aber zu leicht aus dem Text, wissen Sie.

Nun, ich hatte meine Pflicht gethan, wie ein Mann, darf ich sagen, und als der erste graue Morgenschein hereinbrach, wollte ich noch einen Gang am Strande machen, nur zu sehen, ob der Sturm noch mehr Wracks und Splitter ans Land getrieben hatte. Wie ich so dahinschlendere und um mich blicke, füllt mir das seltsame Gebühren einer Schar Möwen auf, welche sich auf dem Felsen bei der Kirche, der Nixentreppe gegenüber, versammelt hatten. Sie flatterten unruhig umher, bald hoch in die Luft hinaufschießend, sich jagend, dann wieder laut aufkreischend auf denselben Fleck zurückkehrend.

Ich rief einige der Matrosen herbei, und in dem Ge­danken, die Vögel hätten einen armen Schiffbrüchigen ent­deckt, dem noch zu helfen sei, eilte ich, so schnell ich konnte, dahin und hier in einer Versenkung des Felsens, halb von Schilf und Seegras überdeckt, lag ein kleines Mäd­chen. Ich sah, wie die Leute entsetzt bei diesem Anblick zurückfuhren, und drohend drang der Ausruf an mein Ohr:Es ist die Seejungfer, die böse Hexe, die uns den Sturm gebracht hat. Rasch, nehmt Steine und tötet sie, ehe sie wieder die Augen ausschlägt uub uns neues Unheil bereitet!"

Das war mir doch zu bunt. Ich muß ja gestehen, daß auch mir der Anblick nicht gerade angenehm war: wie das kleine Ding so blaß dalag mit den langen, schwarzen Haaren, sah es in der That unheimlich aus. Als ich indes sah, daß ein großer, wilder Kerl schon einen ge­waltigen Steinblock erhoben hatte, um im nächsten Augen­blick das wehrlose Kind damit zu zerschmettern, gewann die Vernunft doch bei mir die Herrschaft über den dummen Aberglauben.

Hört, Leute", rief ich, so laut ich vermochte, und stellte ° mich dicht vor das Mädchen.Nur über meinen Körper geht der Weg! Und wollt Ihr es wirklich auf Euch nehmen, ein wehrloses Menschenkind zu töten, ivelches die Wellen barmherziger als Ihr hierher getragen haben, so sollt Ihr nicht sagen, daß Schiffer Hansen Euch bei dem schändlichen Handel geholfen hat."

Ein Murren ging durch den Haufen, und keiner der Burschen machte Miene zu weichen. Ich sah ein, daß hier mit Gewalt nichts auszurichten sei. Ich war einer gegen acht, und ein Kapitän darf sich! überhaupt mit einfachen Matrosen nie ins Handgemenge einlassen das schadet seinem Ansehen auf immerdar. So mußte ich es versuchen, Zeit zu gewinnen; denn eine kurze Minute,. Herr, vermag, richtig ausgenützt, einen Lebenslauf zu ändern, und schon manches Messer wurde nie mit Blut befleckt, weil es zu­fällig fest in der Scheide steckte und sich nicht mit einem Ruck hervorziehen ließ.

Uebrigens", fuhr ich daher gelassen fort,will ich; nicht die Verantwortung tragen, einer Seejungfer das Leben geschenkt zu haben, wenn dieses Kind hier nämlich! in Wahrheit eine solche sein sollte. Da giebt es aber ein un- trügliches Mittel, dies zu erproben, das Euch! wohl auch bekannt sein wird. Meine Großmutter selig hat es mich gelehrt, und Ihr wißt, das war keine Frau, die Lügen sprach.

,Peter', sagte sie, ,siehst Du auf Deinen Fahrten zu Lande und zu Wasser eine Hexe oder ein sonstiges Wesen, das Dir dem Menschengeschlechte nicht zugehörig erscheint, so mache dreimal das heilige Zeichen des Kreuzes und sprich dabei: Werde, was du warft, Sßurnt auf der Erde, Schaum auf dem Wasser, Staub in der Lust! Rührt und regt sich dann das Wesen noch immer nicht, so ist es

ein richtiges Menschenkind, und Tu brauchst nicht seine Nähe zu meiden.' '

So sprach sie, die Großmutter, und denkt Ihr wie ich, so versuchen wir einmal jetzt die Kraft des alten Spruches.

Das waren die Männer zufrieden; denn gutwillig sind tut Grunde ihres Herzens alle Seeleute, schnell im Jäh-, zorn aufbrausend, doch nachher die schnelle That bitter bereuend. «

Mit einem den Verhältnissen angemessenen Ernste chritt ich nun zur feierlichen Handlung. Das Mädchen lag aber so still wie zuvor mit einem Lächeln auf den bleichen Lippen, als schlafe es im Mutterarm und träume vom Christkind selber. Da hob ich das Kind auf meinen Arm und sprach im Fortgehen noch die ernsten Worte: ,Jetzt danket Gott, Ihr Leute, daß Ihr Euer Gewissen mit keiner Mordthat belastet habt. Gedenket der Worte unseres braven Pfarrers: thut Eure Pflicht und Schuldigkeit und fürchtet Gott statt Nixen und Zauberern!"

Und wem gehörte denn das Kind? Wie war es hierher gekommen?" fragte ich gespannt, als der Alte nachdenklich schwieg und sein leeres Glas wieder füllte.

Wer die Kleine ivar und wem sie gehörte, wußte keiner zu sagen. Der Kapitän des Dampfers erzählte, ihre Mutter sei in London zu ihm an Bord gestiegen. Eine stattliche Frau, ganz in schwarz gekleidet, sei es gewesen, offenbar eine Witwe. Sie wolle Verwandte in Norwegen aufsuchen, hätte sie gesagt. Er könne sich gut auf sie und das Töchterchen, das sie nimmer von sich gelassen habe, besinnen, sagte der Kapitän. Doch bei dem Sturme, der sie gleich in der Nordsee überfiel, hatte er anderes zu thun, als nach ihrem Nametr und ihren Verhältnissen zu sorschen. Gestern abend sei die Fremde mit ihrem Kinde den Passa­gieren gefolgt, welche, an Hilfe verzweifelnd', in ein Boot gestiegen waren, um in dieser Weise Rettung zu suchen.

Alle waren umgekommen, nur die Kleine hatte die See nicht behalten wollen. Ein Wunder schien es uns aber, daß der zarte Körper nicht an den Felsen zerschlagen worden und wie es nun einmal ist, jeder wollte wissen, das Ganze sei trotz alledem nicht mit rechten Dingen zuge­gangen. Erst habe die kleine Hexe mich verzaubert, daß ich ihr alles zu Willen thun müßte, nachher würde sie schon ihre Kunst an anderen versuchen und Unheil über die ganze Insel bringen.

Ich ließ aber die Menschen reden, was sie wollten. Das Kind, welches ich gefundeit und gerettet hatte, schien mir ein Geschenk Gottes, und als es sich bald erholte und lustig und gesund um mich! herumspielte, dachte ich nicht daran, es von mir zu lassen.

Tie Nachforschungen der Behörden hatten zu nichts geführt, und die Armenverwaltung war froh, das Kind in guten Händen zu wissen. Tas einzige Erbstück, welches die Kleine noch an die Ihrigen erinnerte, war die Kette mit dem goldenen Medaillon, welche sie um den Hals trug. Darin waren die Bilder einer blonden, schönen Frau und eines dunkeläugigen Mannes, offenbar ihre Eltern. Was konnte das aber nützen? Aus dem verschlungenen Namenszug wurde keiner klug, und so ließ ich! sie sicher­heitshalber taufen, gab ihr meinen Namen und den meines guten Schiffes dazu.

Tie Frau des Kaufmanns Hall drüben am Handlungs­platze hätte gern das Mädchen mit ihrem Kinde, dem Sigurd, zusammen erzogen; doch! nur während ich; auf Reisen war, durfte sie es behalten. Ich hatte, wie Sie wissen, nie Weib und Kind. Die Kleine hatte mir aber das Herz gestohlen, und als hier der Lenchtturm gebaut wurde, nahm ich freudig den angebotenen Verwalterposten an, um ihr ein eigenes Heim verschaffen zu können.

Sie hatte sich bald bei uns eingelebt und unsere Sprache erlernt. Was sie früher plauderte, berftanb keiner. Ddr Doktor aber meinte, es sei der alten lateinischen Sprache ähnlich gewesen.

Sie haben Gunhilda gesehen, wie stattlich! und schön sie geworden ist und herzensgut dabei, recht der Sonnen­strahl meiner alten Tage. So lieb mir die Insel ist, ohne sie würde es mir altem Kerl doch leer und einsam hier Vorkommen, und ich bete zu Gott, daß mein Kind immer hier bleiben möge, wohin er selbst sie geführt hat."

Sie wünschen, daß Ihre Tochter sich nie verheiraten