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ging et, daß kein Nachkommen mehr war. Jetzt stand er schon oben, und blickte hinab.

Dos Herz klopfte Johannes zum Zerspringen. Er mußte dicht unter der Höhe stehen bleiben. Ferl blickte zurück auf ihn, sein ganzes Antlitz leuchtete.

Kannst Di no erinnern, was i g'schwor'n hab', damals auf Dei'm Schlag, wia Du mir d' Rosl geb'n hast?" rief er zurück.No, dann komm und schair, ob i 'hn a g'halt'n hab', mein' Schwur!"

Johannes trat vor. Seine Finger krallten sich in die Schultern des jungen Mannes nebenan, sein ganzer Körper bebte, während er hinabblickte auf das Thal zu seinen Füßen.

Keine Spur mehr von der furchtbaren Verwüstung, köstliches, frisches Grün, soweit das Auge reichte, in allen Schattierungen. Hier schlossen sich schon völlige Dickungen, dort standen noch die Pflanzen in Reih und Glied, während ganze Flächen, welche als Unterwuchs bei dem Hiebe völlig unbeachtet blieben, sich bereits wieder zu kräftigen Be­ständen herangebildet hatten.

Das Bild des jungen Waldes, der sich mit neuer, nie versiegender Kraft emporrang zum Licht, und mitten darin stand die alte Holzerhütte. Ein blauer Rauch hob sich zwischen den Schindeln empor. Der alte Grimm kochte sein Mittagsmahl.

An einem dürren Stamm, der frei emporragte, wie als Wahrzeichen der Vergangenheit, pochte ein Buntspecht, und von einer Buche rief der Kuckuck den Frühling aus.

Johannes sank in die Kuiee, nahm den Hut vom Haupte, lehnte sich überwältigt von dem Anblick an seinen Stock mit dem mächtigen Hirschhorngriff, und weinte Helle Thränen, Thränen unsagbarer Freude, aber auch bitterer Reue, herben Vorwurfes.

Gott lohn Dir's, Ferl, Dir und Deinen Kindern, i kann's wohl nimma."

Dann sprang er auf, wie von neuer Kraft durchx- drnngen, schwang seinen Stock, und eilte den Fußweg hin­auf durch den jungen Wald, daß der Ferl Mühe hatte, ihm nachzukommen.

Der ärgerte sich schier über das rastlose Hindurch­rennen durch die sorgsamen Pflanzungen, keinen Blick warf er darauf, der Bauer. Nur nach der Holzerhütte war sein Trachten, und hundert Schritte davor, da rief er schon, daß es durch den Wald schallte:Grimm! Wo steckst denn? Grimm! Grimm!" Und wie er heraus­gehumpelt kam aus der Hütte, der Grautopf, und mit der Hand sich vor der Sonne schützend, auf die An­kommenden sah, da breitete Johannes beide Arme aus, und eilte stürmisch auf ihn zu.Mein alter, braver Grimm! Kennst mi denn no, den armen Johannes? Schimpf mi, veracht mi, aber gönn' ma a Platzl in Deiner Hütt'n."

Der Grimm war arg verlegen, ivenn ihm gleich das Naß aus den Augen lies in den struppigen, grauen Bart. Er schämte sich jeden Gefühlsausdruckes. Steif wie ein Stock erduldete er die Umarmungen des stiirmischen Jo­hannes; dann nahm er ihn an der Hand und führte ihn in die Hütte.

G'rad g'recht bist komma, Bauer, zu die Preß?- knödl, wenn Du den G'schmack d'ran net verlor'n hast in der Stadt."

Und Johannes mußte Platz nehmen, und der Grimm drehte die brodelnden Preßknödel in der Pfanne, als habe sich nicht das geringste ereignet.

Johannes aber drängte es hinauf in den Hof zu der Rosl und zu den Enkelbstben, die er nur vor Jahren einmal flüchtig in der Stadt gesehen.

Grimm ließ ihn aber nicht fort.Kämmer Di net, die werd'n glei' die Preßknödl in der Nas'u hab'n. Alle Dienstag san s' g'lad'n bei mir", und in dem Augen­blicke ertönten schpn von draußen helle Kinderstimmen lautet Zuruf.

Johannes sprang auf.

Ein blauer Rock leuchtete durch das Grün, und darum herum schlüpften und sprangen zwei Jungen; es war die Rosl und die Buben!

Er trat hinaus, ging durch die junge Pflanzung dicht vor der Hütte, ihnen entgegen. Der eine Junge, der

ältere offenbar, blieb erschreckt stehen, den sonderbaren Alten anstarrend, während der andere zur Mutter floh.

Die blieb selbst einen Augenblick wie angewurzelt stehen; dann aber eilte sie auf den Alten zu, und fiel ihm um den Hals.

Keine Frage, kein leiser Vorwurf in Blick oder Wort, nur treue Liebe und Hingebung.

Der Großvater! Kinder, der Großvater! Hannes! Franzl! Kommt's do her, und gebt's a schöne Hand!"

Und Johannes kniete nieder auf seinen Boden, und zog die Enkelbuben an sich, und herzte und küßte sie, den Hannes^ mit den blonden Locken, und seinen eigenen, harten Zügen, den richtigen Bauer vom Wald, und bett schwarzen Franzl mit den Schelmenaugen. Und ringsum stieg ein Duft auf, als hauche der ganze Wald selbst ein Willkommen seinem alten Herrn.

Herrgott Taxen! T? Preßknödl werd'n ja scho' stoan- hart", rief der Grimm, und die Buben entrissen sich den Liebkosungen. des Alten, und liefen der Hütte zu.

Die Sonne war fchpn hinter den Hügeln verschwunden, als Johannes, umgeben von seinen Lieben, zu dem Hof hinaufstieg. Er zögerte einen Augenblick, ehe er die Schwelle betrat. Von neuem wälzte sich die Last seiner Schuld auf seine Seele. Wie kam er noch zu solchem Glück? Wie konnte er es wagen, die Hand danach auszustrecken?

Rosl ahnte seine schweren Gedanken.Schau, Vater", sagte sie, die Arme um seinen gebeugten Nacken legend, um die Stund' hab' i die Muttergottes bitt' für und für."

Das klang wie eine Himmelsbotschaft! Willig folgte er dem sanften Truck des Armes auf feiner Schütter und betrat das Hans feiner Väter.

Fünf Jahre später. Ein Augusttag.

Johannes saß in einem Rollstuhl vor der Holzerhütte. Ein Schlaganfall hatte ihn vor drei Jahren völlig gelähmt. Franzl, der Enkel, fuhr ihn wie gewöhnlich nach dem Essen in den Wald spazieren, so weit es die spärlichen Wege erlaubten. Da nickte er dann ein und hielt sein Mittagsschläfchen.

Heute war dringende Arbeit. Der Bergbach war aus­getreten gestern nacht, von einem Gewitter geschwellt, und bedrohte die Pflanzungen.

Johannes ließ sich von Franzl in den Schatten einer jungen Buche fahren, dann befahl er ihm, zur Arbeit zurückzukehren.

Die Hitze war groß. Johannes fielen bald die Augen zu, bald öffnete er sie wieder weit, und blickte hinaus in das flimmernde Sonnenlicht. Die Mücken tanzten, die Bienen summten. Zwei Rehe jagten durch die Stauden. Der Wald lag int Mittagsschlummer.

Diese sanfte Ruhe steckte auch Johannes an, und bald träumte er mit ihm um die Wette.

Es war ihm, als wäre er selbst ein Baum, mit starren, festen Wurzeln, die sich nicht rühren können, an seinen Platz gefesselt, und die heiße Sonne dränge itt fein Blut, und bringe den Lebenssaft in stürmische Bewegung, immer weiter hinauf in den Wipfel, der bis in die weiße Wolke ragte; dann wieder herunter wie ein Wasserfall. Ein schweres Gewitter zog darüber hinweg, Donner rollten, Blitze zuckten, grelle, schauerliche Blitze, einer fuhr ihm mitten in das Mark, dumpf ächzte er auf. Tann kam der Winter, der eisige Winter. Enoloses Ge- flock senkte sich herab, schwer und dicht legte es sich um den erstarrten Leib, immer dichter, immer schwerer; der Lebenssaft erstarrte, die Nacht sank herab, die Winternacht.

Die Arbeit war mühsam im Bachbette. Der Franzl vergaß darüber ganz den Großvater. Erst ein herauf-- ziehendes Gewitter, das sich grollend anmsldete, erinnerte ihn daran.

Rasch lief er zur Buche.

Der Großvater schlief fest, fein Haupt war tief auf die Brust gesunken, das lange, weiße Haar verhüllte es ganz.

Großvater!" rief Franzl.A Wetter kommt! Großvater!"