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fett flüchtigen Tagen Wehrt keine Gewalt; Die Räder am Wagen Sntflieh'n nicht so bald. Wie Blitze verfliegen, So sind sie dahin; Ich will mich vergnügen, So lang' ich noch bin.
Ludwig Gleim.
(Nachdruck verboten.)
Der Bauer vom Wald.
Novelle von Anton v. Per fall.
(Schluß.)
Da ertönten Schritte, das Schloß wurde anfgesperrt, Johannes wandte ficfii um.
Ein junger Mann in Berglertracht kam auf ihn zu, reichte ihm seine braune, schwielige Hand, und von der Hand strömte wirklich der Geruch aus, von dem er eben geträumt, der Geruch frischen Harzes, jungen Holzes,' der Geruch des Frühlings, der Geruch des Waldes, seines Waldes.
Ferl stand vor ihni, den er seit zwei Jahren nicht mehr gesehen, strotzend in jugendlicher Kraft; und er drückte die Hand, und betastete das Gewand und sog gierig den Duft seines Waldes ein, der den ganzen Raum füllte.
Unzählige Fragen drängten sich auf seine zitternden Lippen, nach dem alten Grimm, nach der Holzerhütt'n, nach dem großen Schlag mit den Brombeersträuchen, doch Ferl gab keinen Bescheid.
„Pack nur z'samm', Vater, und komm' mit, nachher wirst all's selb'r seh'n. D' Rosl wart' scho und die Enk'lbuab'n."
Johannes starrte sprachlos in das sonnig lachende Antlitz.
„Ja, cs ist schon so, Johannes", erklärte nun ein Herr, der mit Ferl eingetreten tvär, der Arzt. „Sie find frei von heute an. Ich habe Ihnen den Erlaß der noch fehlenden Wochen erwirkt. Sie brauchen frische Luft, Bewegung".
„Herr Doktor, das geht net", sagte Johannes, und fuhr sich ratlos über die Stirne. „Meine Straf' wenigstens muaß i absitz'n, und dann, dann geht's a net — nein — 's geht net. — Wia soll i meine Enkelkinder — was soll i ihna sag'n? Den ganz'n Hof thät i vergist'n. Ferl, i kann net, i darf net."
„Sie müssen!" erklärte nun der Arzt in scharfem Tone. „Es giebt keine Widersetzlichkeit in diesem Hause, verstanden, Herr Attinger? Ich befehle es Ihnen! Sic folgen augenblicklich diesem Manne."
Das setzte allem die Krone auf. Sein höchstes Glück, an das zu denken ihm ein Frevel schien, wurde ihm ausgezwlmgen.
Als er am Arme Ferls das Gefängnis verließ, und die Straße betrat, da erfaßte ihn eine tätliche Angst, er gedachte der tobenden Menschenmenge vor dem Palais Polcntz, wie sie seinen Namen gerufen, des Schlages ui das Antlitz, der einzig wirklichen Sühne all seiner Schandthaten.
Wenn ihn irgend jemand wieder erkannte, war er verloren. Man wird von neuem seine Rache an ihm kühlen, ihn verhöhnen, mit Steinen werfen! — Jedoch um keinen Preis hätte er zu Ferl darüber gesprochen.
Es geschähe ihm ja recht, ganz recht.
Oft glaubte er ein Gesicht zu erkennen, dann drückte er sich enger an seinen Begleiter. Aber es war eine Einbildung. Niemand wandte auch nur einen Kopf nach ihm um. Das Leben wogte wie sonst an ihm vorüber. Das Wonnegefühl der wiedererlangten Freiheit, die Frühjahrsluft, der Sonnenschein that das übrige.
Während der Bahnfahrt sprach er kein Wort, als fürchte er aus einem schönen Traum zu erwachen.
Rosl erwartete ihn nicht auf der Station, wie er fast gefürchtet, auch kein Wagen. Man wvllte wohl jedes Aufsehen vermeiden, er sollte gewissermaßen hineinge- schmuggelt werden in den Hof.
Ganz in der Ordnung!
Einen Büchsenschuß vom Stationsgebäude lag das Bergwerk. Es mußte sich noch weiter ausgedehnt haben, seiner. Erinnerung nach. Zwei riesige Schlote sandten jetzt ihren Qualm in schlanken Säulen empor, und das dumpfe Rollen der Förderwagen, das Rasseln der aufgeschütteten Kohle im Sortierhause erfüllte die Luft.
Er dachte seines Hasses gegen das „Teufelswerk", das sich hier vollzog, seiner instinktiven Furcht vor ihm, als dem Symbol einer neuen, dem Bauer feindlichen Zeit, und es War ihm, als müsse er ihm Abbitte thun, dem rastlosen Ungetüm, das Tausenden von Menschen ehrliches Brot verschaffte, während er es vielen geraubt.
Ter Weg führte die rauchenden Halden entlang, dann zwischen Weidengebüsch bergauf, durch einen Jungwald.
?lls Johannes zum letztenmal hier gegangen, rangen noch die jungen Pflanzen mit den Brvmbeersträuchen um ihr Leben, jetzt wölbte sich schon ein junges Dach über den schmalen Weg. Nur noch einige Schritte bis zur Höhe, dann mußte "man hinabsehen auf den Nonnenwäld.
Und Ferl sprach kein Wort. Nur immer schneller


