Ausgabe 
27.1.1901
 
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bev Vater hinter mir her. Da lag mein Kleiner in Krämpfen. Zch schickte das Mädchen zum Arzt, ergriff mein Kind und drückte es, halb betäubt bor Kummer und Schrecken, an meine Brust. Mein Vater stand hilflos und gebrochen da­neben. Keines von uns wußte, was zu thun sei. Es schien eine Ewigkeit, ehe der Arzt kam. Er bemühte sich sofort, mein armes Kind ins Leben zurückzurufen. Es war zu spät. .Noch jetzt ist es mir unmöglich, ohne Thrünen daran zu denken. Kaum vor einer Stunde hatte ich mein Baby noch fest und gesund schlafend verlassen; jetzt lag es tot in demselben kleinen Bett, und ich saß daneben zerschmettert, thrünenlos, betäubt durch diesen plötzlichen, furchtbaren Schlag.

Meines Vaters Kummer war groß, doch war er schon zu alt, um lange zu trauern.- Die Todesfälle derer, die er liebte, bedeuteten für ihn nur Meilensteine, die ihn daran erinnerten, daß auch sein Weg bald vollendet sein würde. Es war, als ob Gottes Stimme zu ihm gesprochen habe, und diese Auffassung milderte seinen Schmerz um die Totem

Am Tage vor dem Begräbnis stand ich, mehr einer Bildsäule von Stein als einem lebenden Wesen ähnlich, neben dem Sarge meines kleinen schönen Lieblings. Ich hatte versucht, zu beten. Es gelang mir nicht. Ich konnte nur dastehen und das friedliche Gesichtchen betrachten, das dort I chlf weichen Kissen gebettet ruhte und ohne eine Thräne ur den Augen auf das kleine Köpfchen mit dem goldig schimmernden Haar starren.

Der Vater trat zu mir heran und ergriff meine Hand. Ich bewegte mich nicht.

Jessie, teures Kind", begann er mit sanfter Stimme. Mein Leben hätte ich darum gegeben, wenn ich unser Baby yätte erhalten können. Das weiß der barmherzige Gott, jetzt aber, wo es dahin ist, würde ich es nicht zurückrusen wollen. Es ist gut aufgehoben. Wir wissen ja, wo es ist, jessie; bedenke, was ihm alles dadurch erspart bleibt, daß es diese Welt schon als Kind verlassen hat. ' Es ist frei von Sünde; Kummer, wie D;u ihn jetzt fühlst, kann es nimmer­mehr erreichen."

Er küßte mich, und dieser Kuß und seine sanfte Teil­nahme riefen einen Thränenstrom bei mir hervor, als ob mein Herz brechen wollte. Er führte mich hinweg. Seine Worte gereichten mir damals nicht zum Trost; sie berührten mich, die ich mich nach meinem verlorenen Liebling sehnte, mit Eiseskälte. Jetzt weiß ich, daß er die Wahrheit sprach, und wenn ich auch heute noch nach! zwanzig Jahren, nicht ohne nasse Augen an meinen Kleinen denken kann, so würde ich doch, wenn ich nur zu sprechen brauchte, um ihn aus seinem Grabe hervorzurufen, das Wort nicht sprechen, sondern würde Gott dafür danken, daß er ihn in jenen unschuldigen ersten Stunden seines Lebens zu sich genommen hat.

Elftes Kapitel.

Der Kirchhof von Elswick.

Richard kam diesmal erst eine Woche später, als er gehofft hatte. Das erste, aus Furcht und Hoffnung gemischte Gefühl, das sich meiner bemächtigt hatte, als mein Baby starb, hatte inzwischen einer leidenschaftlichen Sehnsucht Platz gemacht. Ich wünschte, ihn bei mir zu haben, damit er meinen Schmerz teilen und mich trösten könne. Als an dem Tage, wo ich ihn erwartete, kein Brief kam, wurde ich be­sorgt, und als ein Tag nach dem andern verging, ohne daß der Postbote klingelte, wuchs meine Besorgnis immer mehr. Endlich am Freitag genau sechs Tage später, als gerechnet war kam ein Brief 'aus Sunderland, der ihn I für den nächsten Abend anmeldete.

Mich ergriff wieder die alte Furcht, wenn ich dieses Gefühl, das sich nicht näher beschreiben läßt, so nennen kann. Richard konnte nicht wissen, daß unser Baby tot sei; ja, ich wußte nicht einmal, ob er den Brief, worin ich ihm seine Geburt mitgeteilt hatte, auch empfangen habe. Jetzt hoffte ich von Herzen, daß dies nicht der Fall sei und daß I er keine bestimmte Nachricht habe, daß zu Hause ein kleiner I Sohn daraus warte, ihn zu begrüßen. In diesem Fall I würde ihn die Todesnachricht doch nicht so bekümmern, als I es geschehen mußte, wenn er sich auf der ganzen Heim- I reise schon die ihn erwartende Freude ausgemalt hätte.

Jessie", sagte der Vater an jenem Samstag zu mir, I willst Du Deinen Mann in diesen Trauerkleidern em- I -isangen?" , x

I ... Vater", antwortete ich,wenn er unfern Verlust I erfährt, würde er mich wohl nicht gerne in einem andern Kleide sehen."

Gut, mein Kind, wie Du meinst", entgegnete er mit derselben beruhigenden Sanftmut des Wesens und der Stimme, mit der er mich jetzt stets anredete.

Gleich nach sieben Uhr ertönte die Hausklingel und in ber nächsten Minute lag ich in Richarbs Armen. Thränen stürzten mir über die Wangen/ und ich konnte vor Bewegung nicht sprechen. So fest ich mir auch vorgenommeu hatte, mich ! zu beherrschen, es war mir unmöglich. Als ich ihn sah, dachte ich an unser Baby, und da war es um meine Selbst­beherrschung geschehen.

Wir standen int Flur; er blickte mich schweigend und erstaunt an und zeigte dadurch seine Unwissenheit über die Ursache meines Kummers.

Bring sie herein. Dick!" rief mein Vater.Laß sie nur ein Weilchen weinen; ihr wird besser darnach werden."

Mein Mann führte mich ins Wohnzimmer. Vor. Er­staunen und Spannung vergaß er sogar, dem Vater die Hand zu reichen. Er setzte sich auf das Sofa und zog mich dicht zu sich heran.

Was ist denn geschehen, mein Liebling?" fragte er.

Ist denn jemand gestorben?"

Offenbar hatte er jetzt erst bemerkt, daß ich in tiefer Trauer war.

Hast Du denn keinen Brief von ihr in Pensacola er­halten?" fragte der Vater mit zitternder Stimme.

Einen", antwortete Richard.Darin war aber keine Trauernachricht."

Hast Du denn nicht erfahren, Dick, daß Deine Frau Mutter geworden war?"

Nein", erwiderte mein Gatte schnell; dann zog er mich dichter zu sich heran, als ob er jetzt alles erraten habe.

Ich wußte, daß ein Baby erwartet wurde", sagte er.

Es ist gekommen und auch wieder gegangen", erklärte mein Vater feierlich.Gott hat es zu sehr geliebt, um es selbst für Dich, mein Junge, hier zu lassen. Das ist Jessies Kummer. Aber nun da sie Dich hier hat, wird ihr Herz schon wieder gesund werden."

Damit verließ er das Zimmer, damit mein Mann und ich allein blieben.

(Fortsetzung folgt.)

Der moderne gesellschaftliche Tanz im Lichte der Aesthetik.

Bon Walther Wichel Hoven.

(Nachdruck verboten.)

Ter Tanz bildet in unserem Heutigen Gesellschaftsleben unbestreitbar die hervorragendste Rolle, bei keiner gesell­schaftlichen Umgaugsform aber wird mehr gegen die rein natürlichen Grundprinzipien der Aesthetik verstoßen als bei diesem, und zwar in der Hauptsache von den Vertretern der I Herrenwelt.

Hiermit soll jedoch keineswegs gesagt sein, daß das schöne Geschlecht in dieser Beziehung von jeder Schuld frei­zusprechen wäre; im Gegenteil, gerade ihm ist eilte nicht geringe Schuld an der vielfach zu weit gehenden Freiheit zuzuschreiben, die in der Herrenwelt Platz gegriffen hat. Ties dürfte zweifellos mit einer mehr und mehr fühlbar werdenden gewissen Schwäche int Charakter der Damen zusammenhängen, und zwar nicht zum wenigsten deshalb weil letztere heutzutage das Hauptgewicht auf das Hervor- tretenlassen rein äußerlicher Vorzüge legen. Würden die Damen sich befleißigen, mehr das geistige, innere Leben in die Erscheinung treten zu lassen, so würden auch die Herren den Dameu mit mehr Hochachtung wie bisher be­gegnen. Die Mißstände würden infolge der gegenseitigen Hochachtung und Wertschätzung, welche eine gehaltvolle Kon­versation für die Beteiligten mit sich bringt, von selbst ver­schwinden.

_ Es hat sich nun aber durch das Hervorkehren rein äußerlicher Vorzüge bei den Damen, eine unverkennbare Unselbständigkeit ausgebildet, die ihnen nicht mehr ge­stattet, bei den in Betracht kommenden Umgangsformen des Tanzes nach eigenem Willen zu entscheiden und zu handeln.

Für den aufmerksamen Beobachter wird es selbst bei

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