Ausgabe 
27.1.1901
 
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Soimtag dm 27. Zaimar.

1901.

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Eiinii!

Aum HeöurLsLage des Kaisers.

Am 27. Januar 1901.

(Nachdruck verboten.)

Laßt flattern frisch int Winterwind Heut Haus Lei Haus die deutschen Fahnen, Und sorgt, sobald der Tag beginnt, Für Böllerschall, Ihr Veteranen!

Die Glocken zieht zum Festgeläut: Geburtstag dämmert wieder heut Dem Kaiser der Germanen!

Den Tambour sendet werbend aus, Daß zu Appell er und Parade, Zu Becherschall und Feierschmaus Die alten Waffenbrüder lade!

Und flammt der alte Kämpfergeist

Hell wieder auf, dann rühmt und preist Den Kaiser der Germanen!

Zwar weilt er fern von Schloß und Thron An diesem Tag im Jubeljahre;

Er stand als treuer Enkelsohn Umflorten Blicks an einer Bahre. . . Doch dringt ein Echo taunuswärts. Zieht leis' ein Hochgefühl ins Herz Dem Kaiser der Germanen!

Du, deutsche Jugend, feire mit!

Doch, laß aus jener Alten Tagen Eh Bismarck kam, der große Schmied Dir warnend auch die Kunde sagen, Was wir durch Groll und Zwist versäumt; Wie traurig lang' wir nur geträumt Vom Kaiser der Germanen!

Heut wehn auf jedem Ozean

Voll Stolz die schwarz-weiß-roten Farben, Und schützen auf dem fernsten Plan Des deutschen Bruderfleißes Garben.

Respekt ward wieder deutscher Wehr, Und reicher Dank schallt übers Meer Dem Kaiser der Germanen!...

Wem deutsch ein Herz im Busen glüht. Dem schlägt's drum höher heut und freier! . . . Ihr Brüder all in Nord und Süd Vereint Euch denn zur hehren Feier!

' Wahrt auch fortan des Reiches Glanz, Und singt einHeil im Siegerkranz" Dem Kaiser der Germanen!

Alwin Römer.

(Nachdruck verboten.)

Die Seekömgin.

Seeroman von Clark Ruffel.

(Fortsetzung.)

Die Zeit vergeht indes, ob fröhlich oder traurig, schnell genug, und dem Himmel sei Dank, daß es so ist. Monate vergingen, und fast genau zu der Zeit, die er vorherbestimmt hatte, kehrte Richard zurück.

Diesmal blieb er sechs Wochen bei mir. Ich werde meine Geschichte nicht durch die Beschreibung unseres Wieder­sehens oder der Art, wie wir diese sechs Wochen verlebten, unterbrechen. Der nächste Abschied war erträglicher, da Richard nur eine kurze Reise nach dem Mittelmeer unter­nahm, von der er bald zurückkehrte. Er machte noch zwei kurze Reisen und ging dann wieder auf einige Monate aus.

Während seiner Abwesenheit auf dieser Reise wurde uns ein kleiner Sohn geboren. Hätte eben mein Gesundheits­zustand mich nicht daran verhindert, so würde ich meinen Mann diesmal begleitet haben. Seine erste lange Abwesen­heit hatte meinen Widerwillen gegen eine zweite der­artige Trennung vermehrt; doch sowohl er wie der Vater erklärten sich in Anbetracht meines Zustandes dagegen, und so ergab ich mich schließlich darein.

Mein Baby kam ungefähr sechs Wochen, nachdem sein Vater abgesegelt war, zur Welt. Es war ein tüchtiger Junge mit großen Augen und dem süßesten Gesichtchen, das sich ein Mutterherz vorstellen kann. Ich -glaube kaum, daß es jemals eine Mutter gegeben hat, die stolzer auf ihr Kind gewesen ist, als ich auf das meinige. Und mein Vater erst! Seine Freude und sein Stolz waren wirklich rührend. Fort­während schlich er sich an die Wiege heran, um hinein- zuschauen oder er stand vor mir, wenn ich meinen Liebling auf dem Schoße hatte, und bat mich, ihn aus den Arm nehmen zu dürfen.

Die Zeit verging; in vierzehn Tagen sollte Richard zurückkehren. Von Tag zu Tag wurde mein Kleiner größer und klüger. Schon schaute er mich mit seinen großen schönen Augen ganz vernünftig an, und fast täglich wußte er mich durch irgend einen neuen Beweis von Babyfröhlichkeit zu erfreuen." Kurz, er wuchs mir, wenn das möglich gewesen wäre, noch immer mehr ans Herz.

Doch im Umsehen, möchte ich sagen, war dieser Stern meines Lebens verschwunden, vierzehn Tage vor der Ankunft meines Gatten.

Ich hatte das Baby, welches fest 'in der Wiege schlief, verlassen und saß mit meinem Vater beim Thee, als plötz­lich die Wärterin totenbleich, ins Zimtner stürzte und mir zurief, daß der Kleine ersticke. Ich rannte die Trepp? hinauf«