Ausgabe 
26.11.1901
 
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679.

heißeres Liebesgeständnis war sicherlich! niemals in schönen Mädchenaugen gewesen.

Nein, Herbert, nein, nun ist ja alles, alles gut!"

Gewiß ist's gut!" rief der Stadtrat mit einem jovialen Lachen.Meine Tomen und Herren, ich habe die Ehre, Ihnen das jüngste Brautpaar unserer Stadt vorzustellen. Und ich denke, eine Verlobung unter gleich romantischen Umständen werden Sie nicht sobald wieder erleben."

Herbert stand wie betäubt. Er hörte, daß fröhliche Stimmen ihn umschwirrten, daß man ihn beglückwünschte und ihm scherzende Worte zurief, er fühlte den kräftigen Händedruck seines Vaters und sah, Ivie Felicia und Hilde sich innig umschlungen hielten. Aber dies alles mutete ihn an wie ein toller Spnck oder ein wüster Traum, der sich sogleich wieder in nichts auflösen müsse. Es dünkte ihn unfaßbar und unmöglich, daß diese närrische Komödie volle, greifbare Wirklichkeit sein sollte.

Ta legte sich eine kleine weiche Hand auf die seinige, und eine schelmische Stimme sagte so laut, daß sicherlich alle Umstehenden es hörten:

Ich gratuliere, Herr Assessor! Aber für mich ist die Ueberraschung nicht gar so groß. Meine Freundin Elly und ich, Wir ahnten es schon, als wir sie mit dem Fräulein in dem abgelegenen Nebenzimmer sitzen sahen, und als Sie einander nach Unserem Eintritt plötzlich so gar nichts mehr zu sagen wußten. Elly wollte sogar eine Wette daraus eingehen, und ich bin froh, daß ich nicht dagegen gehalten habe."

Tie harmlos gemeinten Worte des übermütigen Back- sischchens wirkten 'auf Herbert wie ein Sturzbad eiskalten Wassers. Denn sie zeigten ihm mit einem Male in voller Klarheit, daß es gar nicht mehr in seine Macht gegeben war, dies unglückselige Mißverständnis durch eine einfache Erklärung aus der Welt zu schaffen. Er selbst hatte ja durch sein unbedachtes Verhalten dazu beigetragen, es heraufzubeschwören, und nimmermehr hätte Felicia sich einem so verhängnisvollen Irrtum hingeöen können, wenn nicht die Worte, mit denen er sie vorhin zum Tanz auf­gefordert, im Verein mit seinem ganzen Benehmen eine T-eutung zugelasscn hätten, wie sie ihnen allem Anscheine nach von ihr gegeben worden war.

Er war in Versuchung, sich mit der Faust vor die Stirn zu schlagen, Und überhäufte sich im Stillen mit den grim­migsten Vorwürfen. Aber er mußte schweigen, denn jeder Versuch einer Aufklärung, in welche Form auch immer er ihn kleiden mochte, wäre in diesem Augenblick gleich­bedeutend gewesen mit einer vernichtenden Beschämung für Felicia. Daß sie später erfolgen müsse daß dieser klägliche Irrtum unter keinen Umständen auch nur vier­undzwanzig Stunden lang bestehen bleiben dürfe, galt ihm freilich als ganz gewiß. In dieser Nacht nur und vor diesen fremden Menschen tocir er zum Schweigen verurteilt; morgen mußte er sprechen, und er hoffte, daß es ihm bis dahin gelingen werde, das Auskunftsmittel zu finden, durch das alle Beschämung und der grausame Fluch der Lächer­lichkeit auf ihn allein gehäuft wurden.

Was und mit wem er gesprochen hatte, während er inmitten des plaudernden Schwarms den Heimweg voll­endete, war ihm später ganz und gar aus der Erinnerung geschwunden. Er wußte nur, daß man zunächst Felicia bis an die Thür ihres Pensionats geleitet statte und daß sie dort noch einmal mit dem stolzen Lächeln einer glücklichen Fürstin eine Flut von guten Wünschen hatte über sich ergehen lassen. Und er erinnerte sich auch, daß er ihr die Haud geküßt hatte, indem er ihr zuraunte:

Wann darf ich mich morgen bei Ihnen melden lassen, Um unter vier Augen mit Ihnen zu sprechen?"

Nicht früher als am späten Nachmittag ich bitte Sie dringend darum", war ihre mit ebenso leiser Stimme erteilte Antwort gewesen. Und dabei hatte sie so warm und zärtlich seine Hand gedrückt, daß er sich zusammennehmen mußte, stm sie nicht dennoch auf der Stelle aus ihrer Täusch!- ung zu reißen.

(Fortsetzung folgt.)

Mündeln.

Bon Fred H o!o d.

Nachdruck verboten.

Ter Mandelbaum, welcher int Kaukasus heimisch ist, gehört zur Gattung der Amygdaleen oder im weiteren Sinne zu der großen Pflanzenfamilie der Rosaceen. Es gießt etwa 10 Arten in Südeuropa und int Orient, doch ist Amygdalus communis, der gemeine Mandelbaum, unter, ihnen 'die weitaus wichtigste Pflanze für die Industrie.: Tie Verschiedenheit des Mandelbaumes ist eine so bedeu­tende und so wenig feststehend, daß selbst Prof. Hanausek, der hervorragende Kenner der Nahrmigs- und Genußmittel aus dem Pflanzenreiche, es als außerordentlich schwierig bezeichnet, iit dieser Hinsicht halbwegs sichere Formen und Normen anfzuftellen. Für die Nahrungsmittelkunde genügt die Unterscheidung nach dem Geschmack und der chemischen Zusammensetzung der Mandeln. Sie liegen in einer Schale, bereit Stärke und Haltbarkeit sehr verschieden ist. Bei den Prinzeß- oder Krachmandeln ist sie dünn und leicht zerbrechj- lich und mit einem rauhen, körnigen Ueberzug versehen, während bei den gemeinen Sorten die beinharte Steiw- schale eine Stärke von 45 Millimetern erreicht. Die in der Schale liegenden Mandeln bilden den Samen des Baumes; sie sind von einer zünmetbraunen, eigentümlich lederartigen rauhen Samenhülle fest umschlossen.

Tie süßen und bitteren Mandeln unterscheiden sich äußerlich gar nicht, obwohl von vielen behauptet wird, daß die bitteren : Mandeln etwas kleiner seien. Aber ihre Jnhaltstoffe unterscheiden sich wesentlich. Die bitteren Man­deln enthalten nämlich Amygdalin, ein stickstoffhaltiges Glykosid, ferner Emulsin, einen Eiweißstoff, der die Eigen­schaft besitzt, das Amygdalin bei Gegenwart von Wasser in Blausäure, Bittermandelöl und Zucker zu zerlegen. Zer­stößt man Bittermandeln in Wasser, so fließt sich das blau­säurehaltige Bittermandelöl sofort durch feinen charakiertsti- schen Geruch kund. Es ist ein Gift, welches auf viele Tiere tätlich wirkt, und auch für den Menschen nur in. kleinen Mengen unschädlich ist.

Von den zahlreichen Sorten süßer Mandeln werden ttt der Nahrungsmittel-Industrie wegen ihres Wohlgeschmacks und ihrer Größe besonders die spanischen oder Valencia- Mandeln geschätzt.

Tie. Provence liefert fast bruchfrete Mandeln. In Frankreich sind für oie feinsten Sorten die Bezeichnung Prineesses", für halbfeine Sorten die Bezeichnungen Dames de Provence",Ai",Dames de Languedoc",Ma- theronnes",Alerannes" undMolieres" sehr gebräuchlich.

Zu den hartschaligen gehören dieFlöts", dieTourne- fort", dieBeraudes", dieRaces" und dieVertcs". Jede der Abarten hat ihre besonderen Verwendungen und ihren 6 c^oh bereit $8eit.

1 Tie Prinzeßmandeln der Provence sind sehr begehrt : sie werden frisch oder getrocknet als Dessertmandeln gegessen. Je nach dem Jabrescrtrag kosten 100 Kilo dieser Mandeln in frischem Zustande 1560 Franken, getrocknet 100190 Franken. Die Prinzeßmandel der Montagne ist ein wenig kleiner und billiger. Die frischen Mandeln lassen sich leicht in Körben zu 510 Kilo verschicken. Sie halten sich so a6 Tage.

Alle fciiischaligen Mandeln halten sich in getrocknetem Zustande etwa ein Jahr. Beim Trocknen ist es sehr wichtig, beit Mandeln ihre goldene Farbe zu erhalten; sind sie dem Regen oder der Gärung ausgesetzt, so werden sie schwarz. Um beim Trocknen eine schöne Farbe zu erzielen, nimmt man zuweilen, wenn die Sonnenwärme nicht genügt, einen ganz schwach geheizten Backofen zu Hilfe. Im Handel wer­den die feinschaligen Mandeln mittels Schwefcldampfec goldig gefärbt, doch ist dieses Verfahren für die Qualität und die Dauerhaftigkeit der Mandeln nachteilig.

Unter den hartschaligen Mandeln haben dieFlots" besonders große Kerne und werden für die Fabrikation der besten Qualität gebrannter Mandeln üerweubet. Die übrigen Sorten werden in der Zuckerwarenfa rnanou ge­

Ein wichtiges aus Mandeln gewonnenes Produkt ist das Mandelöl, das inan beim Auspressen gemahlener süßer und bitterer Mandeln erhält. Es ist hellgelb, dünnflüssig, von angenehmem Geschmack und wird hauptsächlich tu der Medizin und in der Seifenfabrikation verwendet. Die beim Auspressen der Mandeln verbleibenden Rückstände werden