Ausgabe 
26.10.1901
 
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Würde er meine Uhr nehmen sie ist 1000 Mark wert?"

Nein, sie könnte ihn verraten. Können Sie ihm nicht einen Check geben?"

Natürlich könnte ich, wenn ich Papier und Tinte hätte. Aber würde er das annehmen?"

Ich will es versuchen; und wenn er will v, er muß, er soll!" Sie ergriff seine Hand und drückte sie zärtlich in der ihrigen.

Sie sah ihn noch einmal mit flammenden Augen an und verließ dann schnell den Keller, die Thür hinter sich schließend. Beausarris hörte, wie der Schlüssel im Schloß krachte. Er starrte schweigend nach der Thür und sann über sein Schicksal nach. Zu jvelchem Zwecke hatte man ihn überlistet und gefangen? Er begann an Madame Paniers Leidenschaft, welche so plötzlich erwacht war, zu zweifeln, ee ,reich sich ihm schon manche schöne Frau an den Hals geworfen hatte. Nach einigen Minuten kehrte Madame Panier zurück. Sie brachte Feder, Tinte und ein Blatt Papier.Gut" rief sie.Er ist einverstanden- Schnell es bleibt uns nur'noch wenig Zeit."

Wie viel verlangt er?" fragte er, die Spitze der Feder auf seinem Daumennagel probierend.

Nur 10000 Mark. Schnell um Gotteswillen! Ich darf hier nicht überrascht werden."

Beausarris setzte sich auf das Fußende des Bettes, legte den Bogen Notizpapicr auf den Deckel des Wasch­ständers und schrieb sorgfältig den Check auf 10 000 Mark für seine Bank. Er unterzeichnete ihn und malte korrekt bis aus den I-Punkt seinen komplizierten Namenszug.

Madame Panier war erstaunt über den Gleichmut des Lords; sie ergriff den Check und flog damit aus dem Keller. -An der Thür aber begegneten ihr derBavon" und ihr Gatte. Der letztere nahm ihr den Check ab und stieg mit einem kurzen Auflachen die Treppe hinauf. Der Baron betrat mit strahlendem Lächeln den Keller und verbeugte sich vor Beausarris, der vom Bett aufgesprungen war und Madame Panier nachblickte.

Mylord", sagte der Baron mit einem spöttischen Lachen. Karl ist tief gerührt über Ihre Großmut. 10 000 Mark ist ,ein Vermögen für einen Mann in seiner Stellung. Sehen .Sie, alle Mühen und Kosten haben wir nicht gescheut, um -Ihre ausgezeichnete Unterschrift zu erlangen, die sogar

. uier nicht nachahmen kann." Den Baron schien das Erstaunen seines Gefangenen zu belustigen.Bis morgen ly-irb jeder Federstrich auf jenem Check, mit Ausnahme Ihrer wundervollen Unterschrift, durch Chemikalien ausgelöscht jund durch eine an Ihren Bankier gerichtete Rückforderung 'Ihrer schönen Juwelen ersetzt sein. Es wird keine Schwierig­leit machen, da nur Ihre Unterschrift unnachahmlich ist. Panier wird in angemessener Verkleidung jene Forderung auf der Bank abgeben, und die Juwelen in Empfang nehmen. Trösten Sie sich! Zu derselben Stunde werden zwei Eisensägen von Karl unter dieser Thür Hindurch ge- schvben werden; und während Sie beschäftigt, die Schlösser md Riegel zu zerstören, uni herauszukommen, werden wir, Ihre dankbaren und gehorsamen Diener, bereits den Staub Englands von unseren Füßen geschüttelt haben."

So" sagte" Beausarris, seinen Gegner wütend mit seinen Augen anblitzend.

Zwei Sägen sollen Sie haben", fuhr der Baron fort, säe den Fall, daß Sie eine derselben zerbrechen. Wir wollen nicht, daß Sie bis zu Lord Marsthons Rückkehr hier gefangen bleiben. In ungefähr drei Stunden dürften Sie die Arbeit beendet haben."

Mit einem kurzen Lachen machte er Kehrt, eilte aus dem Keller und schlug dröhnend die Thür zu. Beausarris horchte und hörte ihn die Thür schließen und fünf kräftige Riegel vorschieben.--

Diese Riegel nahmen den Lord am nächsten Tage von 12 Uhr mittags bis 3 Uhr in Anspruch. Obgleich schwach und an derartige Arbeit nicht gewöhnt, überwand seine eiserne Willenskraft das schwere Werk. Dann konnte er das Haus verlassen und die Polizei unterrichten.

Um dieselbe Zeit, als Beausarris sich daran machte, die Schlösser und Riegel von Lord Marshtons Keller zu zersägen, betrat ein Bank-Beamter in Picadilly das Zimmer des Direktors.

Lord Beausarris Sekretär hat dies gebracht", sagte der Beamte.Er wartet."

Weisen Sie ihn hierher", erwiderte der Direktor, den Brief öffnend.

Guten Morgen", sagte er, als der Sekretär eintrat. Lord Beausarris wünscht seinen großen Juwelenkasten/ wie ich sehe."

Ja."

Es befindet sich jedoch ein kleines Versehen in der Ordre", fuhr er fort, und ich weiß kaum, ob ich berechtigt bin, den Juwelenkasten auszuhändigen, da es wirklich den In- struktionen des Lords zuwiderläuft. Ich sehe natürlich, die Ordre ist echt, aber vielleicht würde es gut sein, einen An-, gestellten herumzuschicken."

Der Lord ist ausgegangen", sagte der Sekretär mit einiger Unruhe.

Gut, aber ich kann diese Ordre wirklich nicht aceep- tieren. Lord Beausarris iustruierte mich ausdrücklich, nie­mals seine Unterschrift anzunehmen, wenn dasi" mit dem Punkt versehen ist, wie es hier der Fall ist. Das Ver­sehen mag auf seiner Seite sein, oder er will mich vielleicht auf die Probe stellen."

Der Direktor lachte bei dieser Idee.

Geben Sie mir die Ordre", sagte der Sekretär,ich will Mylord danach fragen, obgleich ich fürchte, er wird außerordentlich ungehalten seiiu"

Herr Boscham", rief der Direktor,begleiten Sie diesen Herrn zu Lord Beausarris, und fragen Sie ihn wegen 6er Ordre. Guten Morgen, Herr Hayes. Sie find mir ja als Sekretär des Lords bekannt, indessen Sie werden einsehen, daß ich nur meinen Instruktionen zu folgen habe."

Der Sekretär war gegangen. Von Herrn Boscham ge­folgt, verließ er die Bank und bestieg einen Mietswagen.

Ich will in St. James nachsehen", sagte er zu dem Angestellten,und sehen, ob Mylord dort ist."

Er hielt vor dem Eingang des Restaurants an der Picadilly-Seite, ging hindurch und wandte sich sofort dem Ausgang nach der Regentstraße zu, wo er ein Coupee be­stieg, das dort schon auf ihn wartete.

Wiewohl niemand von der Bande ergriffen wurde, hat man doch Grund, anzunehmen, daß sie Lord Beausarris als ganz hoffnungslos aufgegeben haben. Wenigstens hat man seitdem nie wieder gehört, daß jemand einen Check des Lords zu fälschen oder ihn um seine Juwelen zu be­rauben suchte.

Katechismus der Differential- und Integralrechnung. Von Franz Bendt. Zweite, verbesserte Auflage. Mit 39 Textabbildungen. In Originalleinenband 3 Mk. Verlag von I. I. W e b e r in Leipzig.

Es gießt jetzt kaum noch ein Gebiet im Reiche der Naturwissenschaften und der Technik, in dem nicht häufig Untersuchungen angestellt werden müssen, die die höhere Analysis voraussetzen. Wer genötigt ist, Mhandlnngen tech­nischen oder chemischen, physiologischen oder statistischen In­halts zu lesen oder Lehrbücher über diese Wissenschaften zu studieren, bedarf der höheren Mathematik; denn überall stößt man dort auf Disferentialformeln und schlanke Integral-, zeichen. Dieser Katechismus wendet sich an den Arzt, den Chemiker, den nicht akademisch gebildeten Techniker und überhaupt an jeden Freund der Naturwissenschaften, der gezwungen ist, sich mit der Jnfinitesimalmethode ver­traut zu machen, wenn er sich nicht in seinen Zielen be­schränken will.

LogogriPh.

(Nachdruck verboten.)

Mit 1 hat's eine scharfe Zunge, Mit g verzehrt cs gern mein Junge, Mit m zur schönen Erntezeit Steht's auf den Feldern weit und breit.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Magischen Quadrats in vor. Nr.:

KALB

ARIE

LIST BETT

Redaktion: E. Burkhardt. Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.