Ausgabe 
26.10.1901
 
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Nr. 153.

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in muß auf nichts so wenig vertrauen und an nichts so unab­lässig arbeiten, als an seiner Seclenstärke und seiner Selbst­beherrschung, die beide die einzigen sichern Grundlagen des irdischen Glückes sind. Wilh. v. Humboldt.

(Nachdruck verboten.)

Der Erbe von Petershagen.

Roman von O. Elster.

(Fortsetzung.)

XIX.

Das ift geschehen, Eitel Fritz?"

Mit dieser Frage trat Arno Sannow einige Tage nach dem Feste in das Zimmer seines Schwagers, der ihn durch einen Boten hatte bitten lassen, einer wichtigen Angelegen­heit wegen zu ihm zu kommen.

Er fand Eitel Fritz vor seinem Schreibtisch sitzend, und in 'beit großen Rechnungsbüchern der Wirtschaft lesend. Tie Züge Eitel Fritz' lviesen den Ausdruck großer Müdig­keit und seelischer Erschöpfung auf; die Augen lagen tief in den Höhlen, eine fahle Blässe bedeckte seine Wangen. Seit' dem Feste schien er um Jahre gealtert und hagerer geworden zu sein.

Langsam erhob er sich, als Arno eintrat, und reichte ihm die Hand.

Meine Frau hat mich vor einigen Tagen verlassen", sagte er mit müder Stimme,und ist zu ihrer Mutter nach! Berlin zurückgekehrt. Heute läßt mir die Mutter durch ihren Richtsanwalt schreiben, daß ihre Tochter die Scheidungsklage gegen mich einreichen werde . . ."

Sie will gegen Dich klagen. Eitel Fritz?! Ja, das ist doch die umgekehrte Welt! Du könntest doch mit weit größerem Recht klagen . . ."

Ich, würde es nicht gethan haben. Es lag auch? wohl kein triftiger Grund vor; denn, Arno, das frivole Spiel Irmas tritt Wedemeyer war kein Grund. Jetzt könnte ich ja auf böswillige Verlassung klagen aber mir widerstrebt es, Aufsehen zu erregen. Ich hoffte, die Zeit würde den Riß überbrücken, aber meine Frau scheint fest entschlossen zu sein, sich von mir für immer zu trennen."

Arno legte die Hand auf des Schchagers Schulter und sah ihm treuherzig in das blasse, müde Gesicht.

Eitel Fritz", sagte er,es ist vielleicht so das Beste? Verzeih mir aber ich fürchtete von Anfang an, daß es zu einer solchen Katastrophe kommen würde ihr beiden paßtet nicht zusammen. Oder liebst Du Irma noch.?"

Eitel Fritz schüttelte den Kopf.

Nein, Arno das ist vorüber ;."

Nun also dann wird auch! diese Zeit zu überwinden sein. Kopf hoch, alter Junge! Nach dieser Zeit kommt eine andere eine bessere. Wir wollen treu zu einander halten. Uebergieb die Angelegenheit einem vertrauens­würdigen Rechtsanwalt, dann erledigt sie sich ohne große Aufregung. Welchen Grund für ihre Scheidungsklage giebt Deine Frau an?"

Mißhandlung und Untreue. . ."

Alle Wetter! Zwei sehr häßliche Gründe! aber ich kann es nicht glauben, Eitel Fritz, daß Du. . ."

Ich habe sie allerdings in der Nacht nach der Ball­festlichkeit im Laufe einer sehr ernsten Unterredung ziemlich hart am Arm gefaßt das ist alles. Der ziveite Grund I ist eine Lüge. . ."

Ich wußte es.."

iAber gerade dieser Grund ist für mich das Peinlichste. Ein unbescholtenes Mädchen, das ich hoch achte, wird da auf das Niedrigste verdächtigt. . ."

Else Breymann?"

Ja."

Du hast viel in Jägerhof verkehrt, Eitel Fritz, Du bist mit Else Breymann öfters 'zufällig zusammen gekommen."

Aber, bei meiner Ehre, Arno, nicht ein Wort ist zwischen uns gewechselt worden, das nicht jedermann hören

Ich glaube es Dir. Aber so kannst Du ja der Ver­handlung ruhig entgegensehen."

Soll ich Else in diese Verhandlung mit hinein­ziehen? Wird sie nicht auf das tätlichste beleidigt wer­den, wenn sie erfährt, wessen man sie beschuldigt? Sie soll vor Gericht erscheinen? Sie soll über unseren Verkehr aussagen? Sie soll die ganze Schmach einer solchen Verhandlung über sich. ergehen lassen? Ich er­trage den Gedanken nicht, Arno! Und bedenke die Schmäh- sncht der Welt. Etwas von den niedrigen Verleumdungen wird dockt an ihr haften bleiben eine Scheidung unserer Ehe muß und wird stattfinden, ich würde es nicht ertragen, nach diesem Beweis ihrer niedrigen Gesinnung wieder mit Irma zusammcnznleben wird da nicht die Welt trotz allem einen Stein auf Else werfen? Der Schein wirb gegen uns fein, und die Welt ist nur zu geneigt, nach dem Schein zu urteilen."

Ich gebe Dir in mancher Beziehung recht, Eitel Fritz. Aber was ist da zu machen? Vielleicht kannst Du den Spieß umkehren das Verhältnis Deiner Frau zu Wede­meyer giebt Dir das Recht dazu. . ."

Ich mag nicht im Schmutz wühlen! Ach., iuetttt ich doch, nur einen Ausweg wüßte ich. will Irma gern die Freiheit geben. Ich will alles opfern will die Schultz auf mich nehmeit will zugeben, daß ich sie mißhandelt habe . . . nur dieses eine nicht diese Klage darf unter keinen Umständen eingereicht werden!"

Arno sah ihn forschend an.