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unbewohnte Tracht meist ganz hübsch zur Geltung brachten, wenn ihnen auch gewiß anzuraten wäre, doch lieber an ihrer so kleidsamen Nationaltracht festzuhalten.
Einfach und unauffällig wie ihre Kleidung, so war auch ihr ganzes Auftreten bescheiden und zurückhaltend, und sie weilten fast nur in den Nebenräumen. Was man auch von französischer Höflichkeit im allgemeinen halten mag, es muß den Französinnen und ihren Schwestern romanischer Abstammung doch wohl zugestanden werden, daß sie in .Hinsicht aus äußere Formen, in Bezug auf natürliche Grazie und Anmut der Bewegungen in Europa einen hervorragenden Platz einnehmen. Indessen die verschie- denen Gruppen der vornehmen Japanerinnen, die ich hier uin mich hatte, gaben darin gewiß den feinsten Französinnen nichts nach. Wohl könnten ihre endlosen, tiefen Verneigungen nach unseren Begriffen übertrieben erscheinen, aber bas ist nun einmal so Laudessitte, und jedenfalls war jede Bewegung schön, graziös und anmutig.
Waren das dieselben Damen, die auf der Straße mit dem künstlichen Höcker und auf den hölzernen Stelzenvantoffeln uns entgegenwackeln? Die vornehmen Damen verlassen selten ihre Behausung, und lassen sich noch viel seltener zu Fuß aus der Straße blicken. Selbst der Theaterbesuch gilt bei ihnen noch nicht recht für passend, und ebenso bleiben sie dem Gesellschaftsleben fern.
Es gießt gar kein japanisches Gesellschaftsleben in unserem Sinne des Wortes. Heute, bei dieser ganz ungewohnten Gelegenheit, einem Feste, das unser gütiger Gastgeber mehr in seiner offiziellen Stellung vornehmlich wohl den Ausländern schuldig zu sein glaubte, wurde einmal eine Ausnahme gemacht, und selbst heute hielten sich die japanischen Damen zurück.
Eine andere Festlichkeit, der die ganze vornehme Welt Tokios seit Wochen besonders erwartungsvoll entgegengeblickt, war die Gartengesellschaft des Mikado in Euryo- Kwan, einem der kaiserlichen Paläste, der mit einem besonders prächtigen Park umgeben ist Das Fest verregnete leider vollständig. Bei unserem Eintritt in die Gartengesellschaft wurde einem jeden Gast ein kaiserlicher Regenschirm — nur leihweise! — überreicht, und in Anbetracht der bald gänzlich durchnäßten und aufgeweichten Kies- toege wären jedenfalls ein Paar Geta — jener japanischen Stelzpantoffeln mit den handbreiten Brettlein unter den Sohlen — uns allen auch gewiß willkommen gewesen. Es regnete, und hörte den ganzen Nachmittag nicht wieder auf. Der Kaiser und die Kaiserin ließen sich gar nicht blicken. Indessen, auch das verregnete Fest gewährte immerhin einen Begriff von dem, was es — hätte sein können, einen Begriff auch von den prächtigen Anlagen des Parks und seiner Blütenpracht, von der vornehmen Welt des Landes, von dem Glanz der kaiserlichen Hofhaltung, von den endlosen Scharen der in tadellose europäische Livreen gesteckten Diener des Mikado, seines Reichtums an Regenschirmen gar nicht zu gedenken. Alles ging streng nach euroväischen, insonderheit wohl englischen Mustern zu. Europäische Tracht ist ja auch allein Hoftracht. Da aber hier, ebenso wie in England, Frack ausschließlich am Abend getragen wird, so erschienen hier alle Herren int dunklen Gehrock und Zylinder, und die Damen in europäischen Promenaden-Kostümen — leider auch die japanischen in derselben Kleidung. Auch die Uniformen dieses Landes sind nach europäischem Schnitt gefertigt, und so waren auch die gebotenen Erfrischungen leider ausschließliche europäischer Art, allerdings erster Güte.
Gedanken eines geistreichen Mannes.
Zur Zeit, als der verstorbene französische Dramatiker Henri Meilhac noch einfacher Kommis in der Hachette'schen Buchhandlung war, und Karikaturen für kleinere Witze- blätter zeichnete, schrieb er ein Lustspiel in fünf Akten „Realität", eine Sittenkomödie, die kein Pariser Theaterdirektor annehmen wollte, und die in der yclge un- gedruckt blieb. In diesem Stück kommen einige Betrachtungen vor, hie sehr charakteristisch sind. Der Liebhaber des Lustspiels schwankt in der Wahl seines Berufes zwischen Journalismus und reiner Litteratur. Einer seiner Freunde
rät ihm zur Litteratur: „Ich möchte", sagt er, „Dich etwas weniger hinter den Weibern und mehr bei den Büchern, beim Studium sehen. Ich möchte Dich von der Idee abbringen, daß die Litteratur ein Gewerbe ist das bei geringer Mühe am meisten einbringt. Tu möchtest durch das Vergnügen ins Leben eintreten, ich möchte Dich durch die Pforte der Arbeit eintreten sehen. Man erreicht keine großen Erfolge mit mittelmäßigen Anstrengungen; leichte Arbeit verschafft zuweilen Erfolg, der eine Zeit lang berauscht, der aber keine dauernde Beftiedigung hinterläßt."- Ein anderer kommt dazu; man spricht über Litteratur? und Schulden. „In der Litteratur muß man viel verdienen, um die Hälfte von dem zu verdienen, was man braucht", heißt es da. Nach den Schulden kommen die Gerichtsvollzieher . . . „Sprechen Sie nichts Uebles von den Schulden; es giebt keinen hervorragenden Mann, ohne Schuldem Das Leben ist ein Kampf, in dem jeder von seinem Nach- ; 6am zur Rechten fünf Franken zu borgen versucht, und sich bemüht, sie seinem Nachbarn zur Linken nicht leihen zu müssen." — Im zweiten Akte findet sich folgende Bemerkung: „Ein geistreiches Wort! Wenn ein gewöhnlicher Mensch etwas derartiges sagt, so nennt man es Wort-. Witz, von einer distinguierten Persönlichkeit angewendet, werden sie Bonmots." — „Man ist nur streng in Bezug auf Sünden, die man selber nicht begehen kann." — „Ein Wucherer ist nur daun ein solcher, wenn er zu leihen sich weigert." — „Das Gewerbe eines Moralisten ist gefährlich; diejenigen, die mit der glühenden gange, die Stirn ihrer Nebenmenschen zeichnen wollen, laufen Gefahr, sich die Finger zu verbrennen." — Im fünften Akt ist der schwärmerische Liebhaber von seinen Größen-Jdeeu ab- gekommen und faßt jetzt seine Philosophie wie folgt zusammen: „Das Geld ist eigentlich besser als Ruhm: Viel Geld bringt immer ein wenig Ruhm; aber ein wenig Ruhm bringt auch nicht einen Sou Sin." ,.,
Msöe.
Die , Wien er Mode" tritt mit dem 1. Oktober in den 15. Jahrgang ein. Der gute, feine Geschmack unserer Damenwelt verdankt der „Wiener Mode" manche Forderung und Anregung; auch im neilen Jahrgang wird sich bicfeS t)ornefintc SObobcjoiirtwl bci§ Sob fdpönct Scfcxiitnut erhalten. Das vorliegenbe stattliche Heft enthält farbrg ausgesührte hübsche Hutmodelle, höchstelegante Straßentoiletten für Herbst und Winter, Braut-, Theater- und Gesellschaftskostüme — einfach und reich dekoriert — Mantel Jäckchen für den Winter, das Neueste der Herren- und Kindergarderobe. Fleißigen Frauenhänden bient der Handarbeitsteil mit musterhaften Vorlagen. Das Beiblatt „Im Boudoir" enthält anregende Aufsätze und beginnt den fesselnd und schön geschriebenen Roman „Was Liebe vermag" aus talentvoller Feder. - Abonnements nehmen alle Buchhandlungen, Poftanstalten an, auch der Verlag in Wien VI 2. Preis vierteljährlich Mk. 2.50,
SchiebräLsel.
Nachdruck verboten.
Nachstehende Wörter sind ohne Aenderung der Reihenfolge, also nur durch seitliche Verschiebung, derart untereinander zu setzen; daß zwei senkrechte Reihen zwei bekannte deutsche Badeorte bezeichnen.
W e c k u h r
Phi 1 i P P i n 6 Herrscher 8 e s s e 1 Stabreim Hase n f e 11 Hadi«?
Kellerei Neunauge (Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösimg des Ergänzungsräisels in vor. Nr.t
Die Buchstaben: Ma (Mab, Made, Magen, Mahl, Mai, Mais, Maki, Malz, Mama, Mann, Mars, Max).
Redaktion: E. Burkhardt. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckcrei (Pietsch Erben) in Gießen.


