Ausgabe 
26.9.1901
 
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Gnädiges' Fräulein interessieren sich! für den Sport?"

Jo, sehr. Ich bin erstaunt, daß Sie nicht in den Sattel steigen, Herr Leutnant."

Früher that ich! es Wohl, mein Fräulein, aber. . « man kann nicht immer, wie man möchte. Und auf fremden Pferden reite ich nicht gern."

~Ah

Cs blitzte verständnisvoll in den Augen Irmas auf.

In diesem Augenblicks ging ein junger Dragoneroffizier vorüber, der sich schwer auf den Arm eines Kameraden stützte.

Alle Wetter, Brandau", rief der Rittmeister,was ist Ihnen passiert?"

Medergebrochen", entgegnete der Dragoner.Die Stute war noch! nicht fertig und refüsierte den Graben."

Haben Sie sich, verletzt?" fragte Eitel Fritz, näher­tretend.

Beim Aufspringen versetzte mir die Stute einen Schlag auf den Oberschenkel. Glücklicherweise ist er nicht gebrochen. Mer jetzt kann ich das große Steeplechase nicht mitreiten, und hatte doch! auf meinenUngar" so große Hoffnung gesetzt. Sie kennen ja den Hengst, Peters- hagen."

Freilich ein prächtiges Tier! Hab' ihn früher ja auch geritten . .

Ei, zum Kuckuck, da fällt mir ein Petershagen, Sie thäten mir 'nen großen Gefallen, wenn Sie statt meiner in den Sattel steigen wollten!"

Tie Aufforderung kam Eitel Fritz überraschend. Er machte eine Einwendung..

Unsinn", sagte Leutnant Brandau,Sie kennen ja den Hengst. Haben ihn ja im Frühjahr noch geritten. Kommen Sie, Petershagen, thun Sie mir den Gefallen. Möchte den Hengst gar zu gerne laufen sehen..."

Eitel Fritz sah das Auge Irmas erwartungsvoll auf sich ruhen. Er glaubte, eine Ermutigung, eine gewisse Neugier in ihrem Blick zu lesen. Das kecke Reiterblut Wallte in ihm empor.

Gut, Brandau ich reite!" sagte er, verbeugte sich höflich gegen die Damen und entfernte fich mit dem hocherfreuten Kameraden.

(Fortsetzung folgt).

Aus dem Sonnenaufgangs-Lande.

Bon Wilh. F. Brand.

Nachdruck verboten.

IV.

Mn Interview mit demBistnarck des Ostens. Die japanische Verfassung. Vermehrung ausländischer Lehr­kräfte. Beziehungen zwischen Japan und Deutschland.

Ein Ball deine Premierminister. Ein Gartenfest beim Mikado.

Mn Reformator wie der Marquis Ito, der in der seit 1868 über Japan hereingebrochenen neuen Aera als der bei weitem hervorragendste Staatsmann des Landes sich erwiesen hat, und nicht mit Unrecht auch wohl derBis­marck des Ostens!" genannt wird, ist wohl wie kein anderer berufen, über die Lage der Dinge in Japan sich anszn- ,sprechen. Und so dürften wohl die Hauptpunkte feinet Aeußerungen in einer mir gewährten, mehr als zweistün­digen Unterredung mit ihm auch im fernen Westen nicht ohne Interesse ausgenommen werden.

Der Premier-Minister, der jetzt im 60. Lebensjahre steht, ist eine anziehende, Vertrauen erweckende Erscheinung, ein Mann; der offenbar gewohnt ist, jedes seiner Worte sorgfältig zu wägen, der indessen mit einer gewissen Vor­sicht des Auftretens auch wieder eine herzliche Liebens­würdigkeit verbindet, der gewiß nicht leicht alles sagt, was ler weih, aper auch nie mehr, als was den Thalsachen ent­spricht.

Wir sprachen nun zunächst von den inneren Angelegen­heiten des Landes und insbesondere von der 1889 gegebenen Verfassung des Reiches, und der Marquis meinte, daß sich dieselbe int Lllgemeinen recht wohl bewährt hätte. Er er­zählte dann, wie er vor zwanzig Jahren in Berlin gewesen und mit dem Altmeister der konstitutionellen Geschichte toller Völker, dem Prof. Gneist, und später mit Professor ton Stein in Wien die Umrisse der japanischen Verfassung

vorwiegend nach deutschem Muster entworfen habe. In­dien war er zum Deutschreden nicht zu bewegen, doch spricht er englisch! ziemlich! fließend.

®er Marquis hob dann hervor, daß bei allen Fort­schritten, die Japan in neuerer Zeit gemacht, er dennoch den fortgesetzten fremden Mnsluß und fremde Unterweisung für wünschenswert erachte. Wohl gab er zu, daß seit längerer Zeit eine leicht erklärliche Tendenz sich dahin geltend gemacht habe, auch die wichtigeren Lehrfächer mit einheimischen Lehrkräften zu besetzen, aber er billigte die­selbe nur, so weit das wirklich ohne Nachteil thnnlich sei, Er selbst aber möchte doch wieder mehr auswärtige Lehr­kräfte heranziehen und mehr junge Japaner zu ihrer Aus­bildung ins Ausland senden; er werde auch, sobald die Finanzen des Landes es erlaubten, einen hierauf bezüglichen Antrag im Parlament einbringen.

®er Minister betonte dann, wie Japan gerade deutschen Gelehrten so viel verdanke, und wie auch heute noch!, zumal in Sachen des Unterrichts, der Medizin und in militärischen Dingen, Deutschland für Japan ausschlaggebend sei.

Und die politischen Beziehungen zu Deutschland?"- warf ich ein.

Die politischen Beziehungen zwischen beiden Ländern sind die freundschaftlichsten."

Ebenso freundschaftliche wie vor dem Frieden von Schimonoseki?"

Er zauderte einen Moment, dann antwortete er aus­weichend:Das Vorgehen Deutschlands zu jener Zeit gehört der Vergangenheit an."

Wenige Tage später war ich abermals int Hause des PremierMinisters. - Es war bei Gelegenheit des aus Anlaß der Vermählung seines ältesten Sohnes gegebenen großen Balles, auf dem auch einige Mitglieder des kaiserlichen Hauses, im übrigen aber die ganze vornehme Welt Tokios, die europäische wie die japanische, vertreten war.

Hier ging im wesentlichen alles europäisch zu, offen gestanden, mir eigentlich zu europäisch Freilich einen ja­panischenBall "gießt es ja nicht. Die Japaner tanzen ja int allgemeinen nicht. Sie lassen sich was tanzen. Aber auch im übrigen deutete nur wenig daraus hin, daß wir uns hier in der fremden, fernen Welt befanden.

Ta standen der Marquis und die Marquise, beide in europäischer Toilette, am Eingang eines großen Saales und empfingen jeden ihrer Gäste mit einem Händedruck und ein paar freundlichen Worten. Jetzt wurden dis Prin­zen und Prinzessinnen angemeldet, die Gastgeber gingen ihnen bis zum Eingang des Palastes entgegen alles ganz tote bei uns. Bald darauf führte Prinz Arisugawa die Wirtin in den eigentlichen Tanzsaal. Das Paar er­öffnete die Polonaise, und nun war dieser Raum fast aus- schließlich von Ausländern in Anspruch genommen.

Ta waren die offiziellen Vertreter aller Mächte dev Welt, die Exzellenzen und Attachees, und ihre schönen Damen, also gewiß eine auserlesene Gesellschaft. Uni)1 doch, ich glaube nicht, daß dieselbe aus dis Japaner einen besonders bestechenden Mndruck machte. Tie Menschen sind ja überall nur zu sehr geneigt, in solchen Dingen den Maßstab des Gewohnten anzulegen. Wie unschicklich muß da den Söhnen und Töchtern des Landes das Sichs- umschlungenhalten der tanzenden Paare vorgekommen sein, wie närrisch auch wohl das Trippelt! und Gleiten selbst, wieunnötig groß" erscheinen ihnen wohl diese Menschen, wie stets und ungraziös ihre Bewegungen, wie bunt auf-: gedonnert die europäischen Damen!

Man denkt häufig, die Japanerinnen seien gewöhnlich! recht buntfarbig gekleidet, und in der That treffen wir sie wohl, zumal aus allen möglichen Abbildungen, in dem auffallendsten, Hellen, blnmendurchwirkten Gewändern, aber' diese werden eigentlich nur von ganz jungen Mädchen ge­tragen, und von den Geischa, den professionellen Tän­zerinnen. Wie indessen die Japaner, Männer wie Frauen, im Alltagsleben mit Vorliebe einfache, unauffällige, meist! leicht gestreifte, blaugraue Stoffe tragen, so erschienen die Damen hier fast durchweg in schwarzem KimvNo mit. weißer Garnierung und nur mit farbigem Obi, jener be­kannten, eigenartigen Schärpe, die auf dem Rücken eine, so mächtige Schleife bildet. Die wenigen Japanerinnen! aber, dis europäische Kleidung trugen, hatten auch aus­nahmslos einfache Farben ausgewählt, und! ich kann mich kaum der Ansicht verschließen, daß sie diese ihnen so