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in rechter Mann hat zwei Gesichter, die er hält,
“51® Das eine auf sein Haus, das and're auf die Welt;
7** Das freundliche Gesicht, das wendet er in's Hans, Das ernste aber kehrt er in die Welt hinaus.
Friedr. Rückert.
(Nachdruck verboten.)
Der Bauer vom Wald.
Novelle Von An ton v. Per fall.
: (Fortsetzung.)
„Wahret eure Wälder!" las er. Ms war's! Seine knorrigen Finger rückten langsam den Zeilen nach.
„Es kann nicht mehr länger verschwiegen werden, daß unserem Wald die höchste Gefahr droht. Der Nonnenfraß in den Forsten in der Nähe der Hauptstadt nimmt erschreckende Dimensionen an. Bereits sind mindestens 10 000 Tagwerk völlig kahl gefressen, und die völlig ent- nadelten, der sicheren Vernichtung preisgegebenen Bäume bieten ein trostloses Bild der Zerstörung. Und noch stehen wir erst am Anfang dieser furchtbaren Waldkatastrophe. Die Raupe fängt bereits an, sich zu verpuppen, und es ist zu fürchten, daß wenn im August der Ausflug der Schmetterlinge beginnt, die nahrungsuchenden Schwärme weiteres Unheil anrichten. Man hat schpn mit Fällung kahlgesresseuer Flächen begonnen, und es werden nächstens weitere Verordnungen zur Verhütung der allgemeinen Gefahr veröffentlicht werden, obwohl man, offen gesagt, der Gefahr völlig rat- und hilflos gegenübersteht, welche besonders für Privatwaldbesitzungen eine drohende ist. Nur wer das Bild der Verwüstung mit eigenen Augen gesehen hat, wie der Schreiber dieser Zeilen, kann sich, einen Begriff davon machen. Darum hütet eure Wälder."
Johannes stand! der Schweiß auf der Stirne, als er mit vieler Mühe die Zeilen entziffert hatte, immer von neuem fing er au.
Ja, war denn das möglich? Ein ganzer Wald kahl- gekresfen, vernichtet von so einem Wurm? Zehntausend Tagwerk! Ja, wie weit is's denn hin in d’ Hauptstadt? Bei llarem Wetter sieht man die Kirchtürm. Und wenn ihm d' Flügel wachs’n im August — heiliger Gott! Wenn so ein Schwarm den Weg herausfind’t, das wär' ja g’rad ein Frühstück, sein bißl Wald! Und fei’ Rat, fei’ Hilf! Die Herr'n, die sonst all's wiss’n, das Gras wachs'n hör'n — fei’ Rat und fei’ Hilf! Was soll denn nachher er mach’n, ein unwissender Bauer?
Der Kopf brannte ihm, er eilte hinaus in das Freie. In ernster Ruhe lag dar schwarze Wald, darüber die ewigen
Sterne. Ein furchtbares Weh packte ihn, ein Grapen vor dunkelwaltenden Mächten, vor ihr selbst, der unerbittlichen Natur, die ihn in schweigender Größe umgab.
„Mein lieb’r Herrgott, nur das net, g’rad mein’ Wald nimm mir nit!"
Tann raffte er sich wieder auf.
„A was! Wer wird denn glei’ so kleinmüti’ sein. Sv an Schmetterling wird net Herr werd’n! Und wenn man glei’ jeden einzeln fanga müaßt — wenn’s mi a Vermög’n kost! Jetzt zeig's, Bauer vom Wald, daß d' dein Nam' net umsonst führst, daß dein' Wald so liav hast, wia dein eigenes Kind."
Noch einmal warf er einen zärtlichen Blick über die dunklen Höhen, dann ging er hastigen Schrittes, seinen Stock wie ein Schwert schwingend, in das Haus.
. 2.
Des Bauern erster Gang des andern Tages, ehe jemand wach war im Hofe, war nach, der Hvlzerhütte. Er hatte den Alten gestern etwas zu hart angelassen, das wollte er wieder gut machen, und dann konnte man ja bei der Gelegenheit auch über die seltsame Geschichte mit der Raupe reden.
Johannes traf den Holzer allein, der Ferl war fort.
„Er soll Dir net länger in d’ Weg umgeh’n", meinte der Alte; „auf d' Nacht no hab' i ihn fortg'schickt."
Vergebens erklärte der Bauer, er habe es nicht so schlimm gemeint, „g’rad in d'r erst’n Hitz' sägt ma' allerhand."
Der Holzer zuckte die Achseln und meinte: „A jungs Blut wie der Ferl find’t überall sein Brot."
Als dann der Johannes herausrückte mit seinem Anliegen, von der drohenden Gefahr erzählte, da glaubte er eher eine schlecht verhehlte Schadenfreude in dem Gesicht des Alten zu bemerken als Teilnahme. Grimm wußte längst von der Sache. Er hatte sogar, wie sich, ergab, seinen Sohn in die von der Nonne befallenen Distrikte zur Arbeit geschickt.
„Was soll i denn da sagen?" meinte er auf die Vorwürfe des Bauern über sein Schweigen. „Wenn die g’scheiten Herrn in der Stadt nix dageg'n mach’n könna, kannst's do net von der Schnaklhax verlang«. Was schad’t’s a, wenn ’s käm? Hast ja lauter ausg’wachs’nes Holz, laut’r bar's Geld. Der Matthes thät grab lach’n, und die Bäurin a, und z’letzt du selb'r. Du glaubst’s nit, Was so a Hanf'n blank's Geld all’s vermag."
Das war bent Johannes zu viel. Hier hatte er sich noch am ehesten Trost versprochen. Der Mensch hatte sich, bitter gerächt! Am liebsten hätte er ihn seinem Sohne nachgeschickt, aber er wagte es nicht. Daun war er ganz verlassen, er unb sein Wald. Wenn es drauf und dran kommt, stellte der Alte doch feinen Mann.


