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Hermämt Müller, der jetzt itt der That bereits zu den einflußreichsten Personen in der Stadt gehörte, mit Hilde Ignatius, der Tochter des halb vergessenen Stadtrats, von dem man erst auf die angestellten Erkundigungen erfuhr, daß er noch immer ani Leben sei, wenn auch als cüt völlig gebrochener, langsam dahinsiechender Mann.
Und wenige Tage nach dieser Veröffentlichung, an einem, sonnigen Frühlingsvormittag ivar es, als die strahlende junge Braut, deren kindliche Anmut und Lieblichkeit fick während des letzten Jahres zu einer ungewöhnlichen Schönheit entwickelt hatte, in Begleitung ihres Bruders nach M. kam, um zum ersten Male ihrem Verlobten an der Stätte seines Wirkens einen Besuch abzustatten.
Mit berechtigter Genugthuung eines Mannes, der stolz fei» darf auf seine Schöpfung, führte Hermann Müller seine Gäste durch alle Teile des Sanatoriums, das sich längst int ganzen Vaterlande den Ruf einer segenspenden Musteranstalt erworben hatte. Und schon die von warmer Verehrung und Dankbarkeit zeugende Art, wie er überall von seinen Patienten begrüßt wurde, mußte das Herz seiner jungen Verlobten höher schlagen lassen im triumphierenden Glücksgefühl.
„Nun aber, meine liebe Hilde", sagte er, als sie ihren Rundgang fast beendet hatten, „es ist wahrlich die höchste Zeit, daß ich Dir Gelegenheit gebe, die gute Fee unseres Hauses zu begrüßen. Von allen, die mir geholfen haben, das Werk zu dem zu machen, was es heute ist, verdient niemand so viel Anerkennung und Bewunderung, als sie, die wie ein lichter Engel der Barmherzigkeit unter uns wandelte, und uns durch ihr heldenmütiges Beispiel immer wieder aufrichtete, wenn wir zuweilen nahe daran tvaren, den Mut zu verlieren."
Hilde wußte, wen er meinte, und ehe sie das' Zimmer betrat, dessen Thür Hermann Müller vor ihnen geöffnet hatte, warf sie einen raschen Blick auf das Antlitz ihres Bruders, der sich umsonst bemühte, seine tiefe Erregung zu verbergen. Im nächsten Augenblick sank sie mit einem Freudenruf an Margarethens Brust, und lange hielten sich die beiden Freundinnen, die seit vielen Monaten nur in brieflichem Verkehr miteinander gestanden, innig umschlungen. c
Die erste Begrüßung zwischen Herbert und seiner einstigen Braut schien auffallend kühl; aber es war nur ihre Befangenheit, nicht die Kälte ihres Herzens, das ihr diesen Anscheiit gab. Und da ein höchst merkwürdiger „Zufall" es fügte, daß Doktor Müller seiner Braut gleich darauf in einem der Nebengemächer etwas sehr Interessantes zu zeigen hatte, so half ihnen die Notwendigkeit . jetzt, da sie allein ivaren, doch auch miteinander zu reden, bald genug über diese Befangenheit hinweg.
Was sie in dieser Stunde gesprochen, hat freilich niemals ein anderer erfahren, sondern es ist ihr wohl behütetes Geheimnis geblieben. Eines allzugroßen Scharfsinns aber bedurfte es sicher wohl kaum, es zu erraten; denn als nach Verlauf einer halben Stunde Doktor Hermann Müller behutsam die Thür des Gemaches wieder öffnete, hatte der Rechtsanwalt seinen Arm um die schlanke Gestalt der schönen Pflegerin geschlungen, und ihr Köpfchen ruhte voll zärtlicher Hingebung an seiner Schulter. Alle Wirrungen und Mißverständnisse waren gelöst, die -Schatten der Vergangenheit waren zerstreut, und im hellsten Sonnenglanze lag die Zukunft vor den Blicken der beiden beglückten Menschenpaare da.
Ende.
stärkeren Ehehälfte und vergaß das arme Reis darüber. Oder sollte sie gar mit der Pflege eines Myrtenstecklings nicht vertraut sein? Das wird es sein! Auf dem Gebiete der Leibespflege sind ja unsere deutschen Frauen alle Meisterinnen, nicht aber immer in der Pflanzenpflege. Diesem Mangel abzuhelfen und beit Kummer über den Mißerfolg zu beheben bemüht sich in seinem 50. Heft dieses Jahrgangs der praktische Ratgeber im Obst- und Gartenbau zu Frankfurt a. d. Oder. Nach einem darin enthaltenen Aufsatz „Blühende Myrten" muß der Steckliug Halbschatten, kräftige, nahrhafte Erde und mittlere Tem- oeratur haben. Er wurzelt sehr schnell an, und bedarf dann eines öfteren Sprühregens der Brausekanne. Bis zum Herbste entwickelt sich der Steckling zn einem starken Busch, der bei 8—10 Grad Wärme in einer hellen Ecke überwintert wird. Im weiteren Verlaufe des Artikels geht derselbe dann auf die spätere Behandlung der Myrte insbesondere zur Erzielung reicher Blüte ein. Interessenten wird auf Verlangen gern die Nr. 50 durch das Geschäftsamt kostenfrei übersandt.
So mancher Gartenfreund möchte in seinem Garten eine hübsche Laube oder einen Pavillon anbrmgen, in welchem die Familie im Sommer ihre Mahlzetten.und ihren Thee oder Kaffee einnehmen oder auch Besucp -empfangen kann, um diesem von hier aus alle Herrlichkeiten zeigen zu können. Solch eilt Gartenhäuschen, welches zeitig einen hübschen Schmuck für den Garten zu bilden bestimmt ist, kann man sich selbst leicht anfertigen, wenn man -das in Nr. 49 des „Praktischen Wegweisers", Wurzburg, abgebildete als Vorbild nimmt. Interessenten erhalten die Nummer dieses vielseitigen Blattes auf Wunsch kostenlos.
Nelken, welche mit Knospen aus dem Freien in das Zimmer gebracht wurden, blühen recht gut auf, wenn dieselben in ein ungeheiztes Zimmer dicht an das Fenjtm gestellt werden. Im warmen Zimmer vertrocknen die Knospen- (Prakt. Wegweiser, Würzburg.)
S rh e r z - R e b n s.
Nachdruck verboten.
| TN | ’h h
(Auflösung in nächster Nummer.)
Füllrätsel.
Nachdruck verboten.
—st, E—eib, W—er, —ken, Nie—, —le, —rag, Kl—.
Statt der Striche ist jedesmal eine Gruppe tioit drei Buchstaben zu ergänzen, so daß bekannte Hauptwörter entstehen. Die «"gefügten Buckstabengruppen müssen im Zusammenhang einen Wunsch ergeben, den wir jetzt zur Festzcit unfern Lesern zurufen.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Preisrätse!♦*)
Magisches Quadrat.
(Nachdruck verboten.)
In die leeren Felder sind Zahlen derart zu setzen, daß jede wagerechte, jede senkrechte und jede Diagonnlreihe die Summe von 15 ergibt; doch darf keine Zahl zweimal vor- kommen.
Gemeinnütziges.
Blühende Braut-Myrten im Zimmer. Gab es wohl je eine deutsche Braut, die nicht an ihrem Hochzeitstage ein Reis aus ihrer Myrtenkrone brach, und es in einen Blumentopf pflanzte, in der süßen Hoffnung, es möchte anwachsen, und, ein Zeuge ihres glücklichen Hochzeitstages, auch Zeuge einer , glücklichen Ehe sein? Wohl schwerlich! Wer viele von ihnen sind enttäuscht worden; denn ob auch ihre Zukunft grünte und blühte, das Myrtenreischen wollte nicht gedeihen. Sollte das ein böses Vorzeichen sein? — Nein sicher nicht! Die junge Frau beschäftigte sich nur zu sehr mit der Pflege ihrer
Gar mancher hat um diese Zeit
Mit Zahlen leicht Verdrießlichkeit;
Heut gilt's, verdienstlich draus zu sinnen, Wie mau mit Zahlen mag gewinnen. Drei Preise setzt das Christkind aus: Wer rechnet einen sich heraus?
*) Lösungen sind mit Aufschrift: „Preist-ätsel.LösUNg" versehen innerhalb acht Tagen an die Redaktion der „Gletzenev Famtlienblälier" -inzusendcu. ________
Die nächste Nummer der „Familieublätter" erscheint am 28. Dezember.
Redaktion: E. Burkhar dt. — Notationödruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Eiben) in Gießen.,


