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sie machte auch ihrerseits garnicht den Versuch, diese Schranke niederzureißen. Sie schren vollkommen zufrieden mit der gegenwärtigen Lage der D-rnge, und war gegen Erika von derselben liebenswürdrg heiteren Unbe- fanaenbeit wie in der ersten Stunde.
Ohne den langen Abendmantel abzulegen, den f re über ibrem Kleide trug, ließ sie sich, nachdem sie auch Harro etwas oberflächlich gegrüßt hatte, in einem der sterslehmgen Armstühle noch nicht da? Sein Befinden hat |
sich "doch hoffentlich nicht verschlechtert?"
E^schickte mich hierher, Sie um Nachsicht öji bitten, I falls er sie heute ein wenig warten lassen müsse. stch werde I ihm jetzt mitteilen, daß Sie gekommen srnd, und ich derrle, " "Z i* teS Mieder herabgefallenen Vorhanges nicht mehr bewegten, sprang Hanna lebhaft von ihrem kaum erst eingenommenen d Ah, wie heiß es hier ist zum ersticken!
Und mit einer ungestümen Bewegung warf sre den ärmellosen Mantel ab, unbeküm'.uert darum, daß er hinter ihr auf den gipsbestäubten Boden niederglitt. Tas weiße Kaschmirkleid, das sie trug, glich im Schnitt und Faltenwurf fast einem altgriechischen Frauengewande, tote sie auch ihr prachtvolles Haar zu einem griechischen Knoten am Hinterkopf aufgesteckt hatte. Ihr schlanker, biegsamer Hals und ihre herrlich geformten Arme waren entblößt. Aber wie berückend schön sie auch aussah, war . doch nichts Nuscbicklicktes in ihrem Anzuge. Sie hatte in ihm um bedenkU jeden, auch den vornehmsten Ballsaal betreten können, ohne die tadelnde Kritik einer sittenstrengen Mit- schwester herauszuforderm einmal die Zeichnungen
sehen, Harro, die^Sie nach den Angaben des Professors für die Gruppe entworfen hatten", sagte sie, und zwar — vermutlich mit Rücksicht auf die Anwesenheit be» alten Atelierdieners — in französischer Sprache. „Da wir allem sind, möchte ich von Ihnen noch mehr über die Entstehung ÖCj Erdhütte bereitwillig ein Schubfach des großen Schrankes herausgezogen, der für die Aufbewahrung der Zeichnungen diente, und breitete die Blätter vor ihr aus. Aber sein Geist wußte offenbar sehr wenig von dem, was mechanisch seine Hände thatcu. Er hatte kemen anoereu
Gedanken, als den an Hannas sinubethörende Schönheit, und seine wonnetrunkenen Augen hingen tote festgebannt an ihrem Antlitz, an ihrer Gestalt.
„Der hinaufstürmende Jüngling und das Madcheil, dm ntriirffiatten will, sind also fast ausschließlich , Ihr SBerJ?" fragte sie, nachdem sie die Skizzen eine Zeitlang schweigend betrachtet hatte. „Leugnen sie nicht, Professor Herbolb hat es mir selbst gesagt." , ,
Nun ia ich habe sie fast allem modelliert. Aber was'will das bedeuten, da doch die Idee allem dem Meister gehört, und da er in jedem Augenblick mit seinem Rate und mit seiner Belehrung neben mtr stand.
„Ich sage nicht, daß cs etwas bedeutet. Es war nur die Tbatsache selbst, die ich noch einmal festgestellt sehen wollte' Aber sagen Sie mir doch, warum der Professor in der Haltung der Glücksgöttin von dem Entwurf abgewichen ist! Mir will diese hier freier und natürlicher erscheinen." „ , .
öarri? mußte noch näher au sie herautreten, um die Bewegung ihres schlanken Fingers auf der Zeichnung verfolgen zu können. Und statt auf ihre Frage zu antworten, benützte er diese beglückende Nähe, um ihr zuzuflusteru.
Wie schön Sie sind, §anua — und tote grausam Wann endlich werde ich das Wort von Ihren kippen Horen,
in der menschlichen Natur begründet, daß wir nicht dieselben kein können zu allen Zeiten unseres Lebens. Und es ist aut so- denn für jede entschwundene Illusion, die uns einst beglückt hat, tauschen wir ja eine Erfahrung etn, btc
Erika- aber ich weiß nicht, wie id)_ es mtr tn BegUg auf uns beide deuten soll. So viel ist sicher, daß metne Emvsindunqen heute noch dieselben smd, und daß m mich sehr traurig macht zu denken, ich hätte ^hre stteunb- scliaft und Ihr Vertrauen verloren." , . ,,
,©ie haben sie nicht verloren. Es ist nur eben alla- anders geworden, als es damals war. Und man kann doch auch wohl herzliche Wertschätzung für emander.hegen.ohne sieb darum gegenseitig Verpfttchtungen und Ruckstchtau ai s umlegen Luch die Freundschaft ist eine Kette und ich liebe es so wenig, andern eine Kette anzulegen, als ich gesonnen 'bin, eine zu tragen. - Aber da tst Fraulem Shlvander!"
Sie war aufgestanben, und der von dem alten Kruschke soeben eingelassenen Hanna um ^mge Schrttte entgege gegangen. Mit ruhig sreunblichem Gruße bot ste ihr bie Hand. Ihr Benehmen gegen das schone Mobell ihres Vaters war nicht wärmer und nicht kühler geworden, als es an dem Tage ihrer ersten Begegnung gewesen war. L. war noch immer weit entfernt von hmgebender Herrlichkeit wie von hochmütiger Zurückhaltung. Hanna hatte sicherlich keine Ursache gehabt, sich über irgend einen Mangel an höslicher Rücksichtnahme zu beklagen; aber sie hatte von sehr wenig, seinem Empfinden sem muffen, wenn ste das Dasein der unsichtbaren Schranke nicht gefühlt hatte, die unübersteiglich zwischen ihr und Klemens Herbolds
mxäy WeU ich nicht den Verdacht auf mich, laden will, als hätte ich nm Ihres Geldes willen zugestimmt, ^hre 5raU,Umtotneine§ Geldes willen! Habe ich Sie wirklich recht verstanden?"
"Äber wcuu'es iuu' das ist —", und feine grenzenlose Bestürzung hatte sich mit einemtnal iu übermütige Fröhlichkeit verwandelt - „wenn es nur das ist, Jo tft ja aneo gut; denn niemand würde einen solchen Verdacht g g @ie erbeben er müßte denn aus einem Narren Hause svrunaeu sein. Wissen Sie auch, aus welche ungeheure Summe mein Vermögen sich beläuft? Erschrecken Sie nich , — aber es sind wirklich und wahrhaftig ganze merzig- tausen^Marknag ^ute sein; aber in einigen Jahren oder "Monaten oder vielleicht auch Wochen Jtttb Sie alle Voraussicht nach der Bisher einer Million. «ber
„Eine Million, von der ich selbst nichts weiß? AVer ich fange an zu verstehen. Mein Ohemi, nut dem Sie f jetzt so häufig zusammenkommen, hat ^huen von fetmi verrückten Prozeß gesprochen, und da auch ich zu de Erben des seligen Dietrich, von Restorp gehöre, konnten älC Sie^hinderte ihn durch ein abwehrendes Kopsschütteln, seine Rede zu vollenden. .
,Jch bin nicht so närrstch, wie sre vermuten. Ti Lustschlösser Ihres Oheims haben plötzlich em sehr feste und greifbares Fundament gewonnen. Seme und .Ihre I Erbanfprüche sind nicht nur völlig berechtigt, soudern wav das Wichtigste ist, sie lassen sich auch beweisen.
lind da er noch immer eine sehr ungläubige Mi machte, erzählte sie ihm in raschen Worten von der Aust findung des Brieses, dessen Vorhandensein die Sachlage mit einem Schlage so von Grund ans verändert hatte.
I Hatten sich anfänglich in die Aeußerungen 1L Erstaunens noch immer sehr^lebhafte.ZwHel so mußten ihre Zuversicht und die ruhige Klarheit ihrer
I Auseinandersetzung ihn wohl allgemach überzeuge .
Schicken Sie den alten Mann fort", gab sie ebenso leise "zurück „Ich habe mit Ihnen zu reden.
mer- Vorwand zur Entfernung Kruschkes war schnell gefunden. Und sobald sie mit einander allem waren, sagte Hanna, wie wenn sie damit jeder stürmischen Frage des iuitaen Künstlers vorbeugen wollte, nut gedampfter Stimme. ”‘”9™ ton Sie mich Ä)i6 «* ,1°
nernünftia als es Ihnen nur immer möglich ist. ^a, ich will Ihnen heute auf Ihre Frage antworten. Aber meine Antwort lautet nicht so, tote Sie ev vielleicht er warten; denn ich sage nein."
Ganz entgeistert starrte er ste an. (
,Tas ist unmöglich! Das lasse ich nicht .geltem Warum — um des Himmels willen — warum westen Ste


