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f s ist kein Meister so vollkommen, daß nicht mehr lernen ihm thät frommen.
Sprichwort.
(Nachdruck verboten.)
Die Göttin des Glücks.
Roman von Reinhold Ortmann.
(Fortsetzung.)
Harro lächelte geheimnisvoll, und deutete ans den Gipsabguß der noch unfertigen Gruppe.
„Wäre sie das rechte Modell für unsere Glücksgöttin, wenn sie nicht auch ein wenig von der Wunderkraft einer Göttin hätte? Es ist, als ob nichts Trauriges und Krankes in ihrer Nähe bestehen könnte. Haben Sie diese Empfindung nicht auch schon gehabt, Erika?"
„Sie ist schön und klug, und liebenswürdig — wenn sie es sein will. Tas erklärt wohl hinlänglich den Eindruck, den sie auf Sie und auf meinen Vater gemacht hat. Aber ist Ihnen angesichts der scheinbaren Besserung in seinem Befinden nicht schon zuweilen die Befürchtung gekommen, Harro, daß dies wunderbare Wiederaufflackern von Lebensenergie, wie Sie es nennen, die Kräfte meines Vaters nur um so schneller verzehren könnte?"
Er war bestürzt über den Ton, in dem sie das fragte. Nein, daran hatte er bisher noch nicht gedacht. Und er wollte es auch nicht glauben.
„Wie kommen Sie auf solche Gedanken, Erika? Hanna sagt doch, daß der Stillstand Monate, und selbst Jahre andauern könnte."
„Ja, sie sagt es. Aber sind Sie auch sicher, daß sie selbst daran glaubt?"
„O, so dürfen Sie nicht von ihr denken. Sie ist die Wahrhaftigkeit selbst. Mit meiner eigenen Ehre will ich mich dafür verbürgen, daß fie keiner Lüge fähig ist."
„Verzeihen Sie, Harro! — Es war nicht meine Absicht, Sie durch einen Verdacht gegen Fräulein Sylvander zu kränken. Aber es fällt mir so schwer, an ein Wunder zu glauben. Und — so seltsam und lieblos es Ihnen vielleicht klingen mag — ich komme nicht dazu, mich über die unerwartete Wendung zu freuen."
„Tas begreife ich in der That nicht. Ich meinte, Sie müßten darüber ebenso glückselig sein, wie ich."
„Ja, das sollte ich wohl. Und ich komme mir auch recht schlecht vor, daß ich es nicht kann. Aber es ist mir nun einmal unmöglich. Ich habe nie an Ahnungen geglaubt, und doch drückt mich setzt die Ahnung von etwas Fürchterlichem darnieder, das mir nahe bevorsteht."
Sie erschrecken mich, Erika! Es ist so sonderbar, gerade aus Ihrem Munde solche Worte zu hören. Und das, wovor Sie sich fürchten, es ist---nein, ich mag es nicht aus
sprechen, ich mag nicht einmal daran denken."
Sie aber sprach es aus.
„Ich fürchte, daß inein Vater bald sterben werde — ja, das ist es, Harro! Ich fürchte es jetzt viel mehr als damals, wo er so entsetzlich zu leiden hatte, und wo während der einzelnen Anfälle jeder Augenblick der letzte zu fein schien. Ich kann ihn nicht anfehen in seiner trügerischen Rüstigkeit, und in seinem fieberhaften Schas- fenseifer, ohne daß mir das Herz brechen will bei dem Gedanken, es sei nur ein allerletztes Aufflammen vor dem Ende."
„Mein Gott, welche grundlose Qual, die Sie sich da selbst bereiten! Es sind Ihre überreizten Nerven, die Ihnen solche Einbildungen erzeugen ■— glauben Sie es mir, liebe Erika! Sie haben sich zuviel zugemutet in den ersten Wochen von des Meisters Krankheit. Sie sind erschöpft, und diese Erschöpfung allein schafft Ihnen solche marternden Gedanken."
„Ja, vielleicht haben Sic recht. Obwohl ich mich gar« nicht erschöpft fühle. Ich wüßte ja aucfy nicht, wie ich es tragen sollte, wenn es geschähe. Ihn zu verlieren — verlassen, und allein sein — ganz mutterseelenallein! — Nein — lieber tot!"
„Aber meine liebe, teure Erika, wie mögen Sie nur so sprechen! Wir werden den geliebten Meister noch lange behalten. Aber wenn dereinst" auch er der Natur seinen Tribut zahlen muß, dann werden Sie doch noch immer nicht allein nnd verlassen sein. Nein, gewiß, das werden Sie nicht! — Bin ich denn nicht da, Ihnen beizustehen, und Sie zu schützen, so gut ich's eben kann?"
„Es war nicht das, woran ich dachte, Harro! Nicht meine Schutzlosigkeit schreckt mich; denn ich glaube wohl, daß ich stark genug sein würde, mich im Notfälle selbst zu schützen. Tas andere aber — das, was mit dem Vater aus meinem Leben verschwindet, das könnten Sie mir bei allein redlichen Willen doch nicht geben."
„Ich vermag ihn nicht zu ersetzen, das weiß ich wohl. Aber ich kann Ihnen doch ein Freund sein, Erika — ein treuer, brüderlicher Freund! Oder hätten Sie nicht Vertrauen genug zu mir, mich dafür zu nehmen? Bin ich in Ihren Augen nicht mehr der gute Kamerad, der ich Ihnen einst bei unseren gemeinsamen Studien und Strei fereien gewesen?"
„Ah, das ist lange her. Mir ist, als wäre es nie gewesen."
„Erika! Sie thun mir iveh. Womit habe ich das verdient?"
„Nein, ich will Ihnen nicht weh thun. Ich ivill nur nicht, daß wir uns gegenseitig belügen. Es ist nun einmal


