Donnerstag den 25. April.
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L Wt ensch, all's, was außer dir, daS gibt dir keinen Wert;
DaS Kleid macht keinen Mann, der Sattel macht kein Pferd.
Angelus Silesius.
(Nachdruck verboten.)
Der Bauer vom Wald.
Novelle von Anton v. Perfall.
(Fortsetzung.)
Ein Name aber machte die Runde, lag aus aller Lippen, der Name Johannes Attinger. In ihm verkörperte sich seit Jahren gewissermaßen die Firma Polentz & Attinger. Mit dem Johannes hatte man immer zu thun gehabt, er war überall zu sehen, wo es etwas zu handeln gab, er war der Vertrauensmann, der Bauer vom Wald, der Landsmann, der Standesgenosse; kein Gauner, wie sie genug als Unterhändler herumliefen, vor denen man sich die Taschen zuhielt, o nein, ein reicher angesehener Mann, dem ein Minister sein Vertrauen geschenkt. Was wußte män denn von dem Polentz? Man kannte ihn draußen auf dem Lande nicht einmal vom Ansehen, hätte ihn, auch kaum Vertrauen geschenkt. Gegen die Herrischen war man ja immer auf der Hut. Der junge Attinger, der eigentliche Teilhaber des Polentz, existierte überhaupt nicht für die Leute. Er war ein Thunichtgut, ein leichtes Bürschel, das in der Stadt herumlumpte, und das Geld seines Schwiegervaters verputzte. Kein Mensch achtete auf ihn.
Der Johannes war der Mann, an den man sich zu halten hatte, nur der Johannes. Von ihm allein wollte man Rechenschaft, wenigstens sehen wollte man ihn. Man konnte und wollte es nicht glauben, daß man sich in dem Manne so schmählich betrogen.
Auf der Bühne, welche dieser ganzen Komödie zur Aufführung diente, in dem großen Festsaale, war unterdes versammelt, was von der Familie noch übrig war, wohlbewacht von zwei Gendarmen, welche an der Thür standen.
Matthias wurde von den Ereignissen vollständig überrascht. Sein üppiges Leben, der ständige Taumel, in dem er sich befand, die absolute Unerfahrenheit in geschäftlichen Dingen ließen ihn keinen Augenblick die Wahrheit sehen. Er erfuhr erst von dem Beamten, der ihn noch im Bette verhaftete, von dem völligen Zusammenbruche des Hauses, von der Flucht seiner Gattin mit dem Sänger.
Nun befand er sich in der Stimmung eines aus schwerer Trunkenheit Erwachten, der sich der Vorgänge während seines Zustandes nur noch verschwommen erinnert, dem jeder Zusammenhang mangelt.
Er überhäufte Polentz mit Vorwürfen, maß ihm alle Schuld bei, erging sich in den rohesten Ausdrücken, während dieser ihm verächtlichen Hohn entgegensetzte, sich selbst die Maske abriß und offen gestand, daß er in ihm nie etwas anderes gesehen, als den einfältigen Bauernjungen, der ihm zu seinen Zwecken dienen müsse.
Der Saal hallte von ihrem widerlichen Zank, in den sich zuletzt auch die Frauen mischten, Frau Polentz und die Bäuerin, die eine für ihren Gatten, die andere für ihren Sohn Partei ergreifend.
Johannes hörte von alledem nichts. Er stand vor dem Fenster, und starrte hinab auf den menschengefüllten Platz. hörte seinen Namen rufen, er glaubte alle die Gesichter zu erkennen, die sich da wirr durcheinander drängten. Alles gute Bekannte, denen er Haus und Hof geraubt, die jetzt Bettler waren durch ihn. Er sah alle die fruchtbaren Felder, die stattlichen Wälder, die friedlichen Heimstätten, die er ihnen geraubt, er sah die Kinder in den heimeligen Stuben, die Alten hinter dem Ofen: er glaubte vor "allem eineu zu sehen, den Wahnsinnigen von Fechingen, und es war ihm, als krümmten sich von neuem Finger um seinen Hals, als tönten die entsetzlichen Worte von neuem an sein -Ohr: „Verflucht seist in Zeit und Ewigkeit. Judas — Judas!" i
Plötzlich drängten berittene Gendarmen die Meng? zurück. Ein geschlossener Wagen fuhr vor.
In demselben Augenblicke trat ein Gerichisdiener in den Saal, und forderte die Herren auf, ihm zu folgen.
Johannes atmete schwer auf. Tie „Herren". Er gehörte ja auch zu den Herren, er, der Bauer vom Wald.
Frau Polentz inszenierte einen wirkungsvollen Abschied, als gälte es, von einem Märtyrer der öffentlichen Meinung zu scheiden.
Polentz selbst hatte nur eine Besorgnis, die aufgeregte Menge. Nachdem ihn die Beamten völlig beruhigt, alle Maßregeln seien getroffen, rüstete er sich§, dem Verhängnis- wie er es nannte, mit dreister Stirn entgegenzugehen.
Johannes schwankte unsicher, die Beamten mußten ihn stützen.
Was waren alle Strafen der Gerechtigkeit, welche etwa über ihn verhängt wurden, gegen diesen Gang!
Der Abschied von seinem weinenden Weibe, das der bitterste Vorwurf zu Boden drückte, war kurz.
Wir haben uns nix vorz'werfen gegenseitig Moni, und was no komma soll, verdient häb'n wir's. Grüß mir d' Rosl!"
Ta brach- er in Schluchzen aus. Der Name, den er fast vergessen hatte, weckte alle heiligen Erinnerungen.
Tie Menge ließ sich nur mit Anwendung von Gewalt von dem Wagen ferne halten, welcher die drei Männer ausnahm. Laute Drohworte erschallten, und als Johannes


