über ihn schrieb . . . Herr des Himmels, war das über­haupt zu fassen? zu begreifen? Dieses herzige Kind hatte sein Andenken so traulich bewahrt, ja, sie hatte sein Bild voll zärtlicher Schwärmerei als Ideal im Herzchen ge­tragen !

Egon atmet hoch auf, seine Augen leuchten, ein tiefer Atemzug hebt seine Brust! Wie ein namenloser, glückseliger Jubel überkommt es ihn, es ist plötzliche Weihnachten geworden, so selige, fröhliche Weihnachten wie noch nie zuvor im Leben.

Tassy hat nur einen Weihnachtswunsch, wahrlich- er soll erfüllt werden!

Am nächsten Vormittag steht Egon vor der Wohnung der Frau Rittergutsbesitzer Wenden, und zieht mit leicht Lebender Hand die Glocke. Ein alter, weißhaariger Diener öffnet, und starrt die überraschende Erscheinung eines Leutnants an, als wolle er zur Salzsäule werden. Sind die Damen zu Hause? "

Verzeihung, gnädiger Herr . ; . Fräulein Tassy ist zur Singstunde, aber die gnädige Frau sind zu sprechen!"

Vortrefflich; hier meine Karte! Fragen Sie bitte, Pb gnädige Frau sich noch der Einquartierung in Klausen- dorf entsänne?"

Einquartierung! In den Augen des Alten leuchtete es aus, und nach respektvoller Verbeugung hastet er, so schnell es seine alten Füße gestatten, davon. Wenigs Sekunden später steht Egon in dem eleganten Salon der Fran Wenden, undGroßchen" tritt ihm mit lebhaft ge­röteten Bäckchen, so jugendfrisch und eilig entgegen, daß es ein Blinder hätte sehen müssen, wie sehr sie sich über den Besuch freut.

Welch ein heiteres Wiedersehen, welch ein gemütliches herzliches Plaudern!

Auf die Frage der alten Dame, wie es komme, daß der junge Offizier gerade jetzt zur Weihnachtszeit in Berlin anwesend sei? erzählt Waldeck mit den traurigsten Augen, die erauf Lager" hat, wie einsam und allein er sei, welch ein trübseliges Fest ihm bevorstehe usw. usw.

Die Wangen unter dem Silberscheitel der alten Dame färben sich noch höher, und die klugen, freundlichen Augen leuchten so lebhaft, daß es aussieht, als' blitze plötzlich ein gut Teil Schelm hindurch.

Sehen Sie, mein bester Herr von Waldeck, just so geht es auch; uns! Wir sind ganz weltfremd und ver­lassen in dieser Millionenstadt, und sehnen uns nach etwas Verkehr, und Anregung. Wie gern möchte ich meinet kleinen Tassy einmal junge Gäste laden! Gerade zu Weihnachten, wo die Jugend so besonders -froh und heiter sein soll! Nun will ich Ihnen einen Vorschlag machen! Wir drei einsamen Menschen wollen das Fest zusammen feiern, dann wird es nicht mehr trübselig sein! Machen Sie mir die Freude, Herr von Waldeck, und seien Sie zum Fest, beginnend mit dem heiligen Wend- unser Gast!"

Egon küßt entzückt und dankbar die welke Hand der Greisin, und Großchen lächelte immer entzückter und auf­geregter, neigt sich vertraulich näher und flüstert:Und damit die Heiterkeit gleich in die rechten Bahnen gelenkt werde, wollen wir mit einem Scherz beginnen! Sie müssen für Tassy eine Ueberraschung sein! Sie stehen als ver­deckte Schüssel unter dem Christbaum, ja? wollen wir's machen, wie übermütige Kinder?!"

Er lacht mit ihr, er küßt abermals ihre Hände sie malen sich mir immer lebhafteren Farben diesen brillanten Witz" aus, und Egon macht ein so harmlos unschuldiges Gesicht, als habe er nie im Leben einen Brref einen Weihnachtswunsch von Tassy gelesen!

Er geht, und Großchen vereidigt mit glückstrahlenden Augen den alten Johann und die Köchin, kein Sterbens­wörtchen von dem Besuch des Herrn Leutnants zu ver­raten, sie werden als Mitverschworene in das Geheimnis gezogen, und der alte, treue Diener reibt sich die Hände, und nickt feuchten Auges vor sich hin:Wird das ein Weihnachten werden!"

Großchen aber sitzt am Schreibtisch, und trifft mit bebenden Händen noch verschiedene Anordnungen und Be­stellungen, und dabei lächelt sie mit feuchten Augen:Ach!, Du lieber, lieber Herrgott, baß ich dem Kind nun doch den Weihnachtswunsch erfüllen kann!"

rv. ~ Tassy hatte an Klärchen nur wenige Zeilen ge­schrieben:Habe soeben Waldeck in der Straßenbahn

wiedergesehen! Er ist es! er muß es sein! Ich kann mich nicht täuschen! O, Klärchen welch! ein Augen­blick war das, und er ist noch ebenso brav und gut wie damals, er beschenkte ein armes Kind! Ich bin zu auf­geregt, um mehr zu schreiben! Nach dem Fest ausführlich! Deine furchtbar glücklich-unglückliche Tassy!"

--Und nun sah die junge Dame in ihrem dunklen Zimmer, und starrte gedankenvoll auf die lichterhelle Straße hinab, dieweil Großchen sehr geheimnisvoll im Weihnachtszimmer beschäftigt war.

, ,Die Köchin Jette hatte darauf bestanden, daß das gnädige Fräulein das himmelblaue Kleid anziehe, weil Großchen es so liebe, und seufzend hatte Tassy gehorcht. Ach, wie weit ab waren ihre Gedanken, nur einen Weg nahmen sie noch, zu ihm! und sie faltete die Hände und blickte zu dem klaren Nachthimmel empor.

Da ertönt im Salon die Klingel mit hellem Klang, und so, wie sie es von Kind auf gewöhnt, um Großchen zu erfreuen, stürmt das junge Mädchen zur Thüre. Die alte Dame tritt ihr entgegen:Wir singen und lesen die Christandacht heute zum Schluß", sagte sieerst kommt der Ausbau!" Nach zärtlichem Kuß tritt Tassy dem strahlend Hellen Lichterbaum entgegen, plötzlich aber stockt ihr Fuß; mit weit aufgerissenen Augen, als sähe sie ein Gespenst, die Hände gegen das Herz gepreßt, steht sie, und starrt aus den jungen Offizier, welcher ihr mit leuchtendem Blick unter den Tannenzweigen entgegenlacht.

Grüß Gott, mein gnädiges Fräulein!"

Herr von Waldeck!!"

Kind... Du erkennst ihn wieder?!"

Fräulein Tassy . . . Sie haben mich nicht vergessen?^

Hand in Hand stehen sie, und über ihnen in der Wohnung des zweiten Stocks, erschallen jubelnde Kinder­stimmen:O Du selige, o Du fröhliche, gnadenbringende Weihnachtszeit!!"

Welch ein Uebermaß der Freude und Heiterkeit, als Tassy ihre erste Betroffenheit überwunden, und mit glühen­den Wangen, in der alten, kindlichen Freude sich voll und ganz dem Entzücken dieser Stunde hingiebt. Nein, folchi einen heiligen Wend hat sie noch nie erlebt, noch nie! Und Egon kann nicht satt werden, ihr in die strahlen­den Augen zu sehen, diese beiden schönsten Christsternej welche ihm jemals erstrahlt sind!

Wieviel haben sie nicht einander zu erzählen, wie viele schöne Pläne schmieden sie nicht für den Winter! Waldeck erbietet sich, die Damen in Theater und Kon­zerte zu begleiten, ja, er versichert, daß Fräulein Tassy mit >ihm auf dem Opernhausball tanzen müsse, ob wohl das gnädige Fräulein gern mal einen Ball besuchen möchte?" und dabet sieht er sie so absonderlich neckend und schelmisch an, daß es Tassy sicher auffallen müßte, wenn sie nicht gar, gar zu selig zerstreut wäre! Welch! ein Weihnachtsabend! Und morgen wird er sie zum Schlittschuhlaufen abholen, und wird zu Tisch! bleiben, und so fort alle Tage so lange löte sein Urlaub dauert, und dann kommt er auch noch oft .. sehr oft. er hat, schon jetzt dazu um Erlaubnis gebeten . . . ach^ und tote hat er sie dabei angesehen, tote lange ihre Hand in der seinen gehalten. . .

Als er gegangen, wirft fich Tassy mit glückzitterndem' Herzen an Großchens Brust, wie hast Du es gemacht, Du Liebste, mir gerade diesen Wunsch! zu erfüllen?"- Da lächelt die Greisin mit einem Blick zum Himmel: Ich aab Deinen Wunschzettel dem Christkind, und das kann übermütigen kleinen Mädchen sogar einen Leutnant bescheren!"-

Dau't man, leite Gott!

Weihnach-tserzählung von Ina Rex.

(Nachdruck verboten.)

Dieser Winter meinte es ehrlich-. Selbst der Karauschen- teich im Pfarrgarten, der doch- warmen Untergrund, und seine Rücken hatte, war den sechs Buben aus dem Hochei gegiebelten, geistlichen Hause zum Tummeln freigegeb-en worden. Jede Pfütze im Dorfe schilderte und knisterte, sogar die Mistpfützen am Ende aller Stallrinnen, die doch! sonst stinkrig und warm, wie sie nun einmal sind sich! schwer beikommen lassen. Im Wäldchen, welches das Dorf fast einschloß, hatte Gott Vater verschwenderisch gewaltet: Hier ein Tautröpfchen hingesprengt dort!