608
bei solchen Gratislieferungen auf seine Kosten kommen kann. Ta muß man eben zusehen, wie es in so einem Lokal zugeht, und auf welchen Voraussetzungen überhaupt das Wirtshausleben dort beruht. Tie folgende Darstellung wird davon ein Bild geben.
Wenn zwei Leute sich auf der Straße treffen, die irgend ein paar Worte zu wechseln haben, sei cs nun privatim oder geschäftlich, so gehen sie in den Saloon. Tas Hasten und Treiben auf den Straßen zwingt auch fast dazu." Da sie keinen eigentlichen Durst haben, so bestellen sie jeder ein ganz, ganz kleines Glas Bier — nicht größer als ein tüchtiges Schnapsglas — Preis a 5 Gents.*) Oder man nimmt eine Zigarre — Preis 5, 10, 15 oder 25 Cenis. Oder einen Wiskey — 10—25 Cenis. Kennen die ^wei Bekannten gar den Wirt, oder den Bartender (entspricht etwa dein Schankkellner) oder treffen sie sonst ein bekanntes Gesicht im Lokal, so wird gefragt: what do you tare? — ' was nehmen Sie? Da eine Weigerung einer Beleidigung gleich kommt, und bei guter Stimmung — obwohl dies nicht gerade Brauch — auch zurück traktiert wird, so kann man sich einen Begriff machen, was der Wirt einsackt, weil Mr. Smith den Mr. Jones doch nicht auf der Straße fragen kann, ob seine Frau wieder gesund ist, oder ob er ihm keinen Kunden weiß, für einen Posten Rohr- stühle usw. Unter solchen Umständen kommt es dann eben nicht daranf an, ob ein armer Schlucker inzwischen am Lunch-Counter die furchtbarsten Verheerungen angerichtet hat. Selbst wenn er ein ganzes Pfund heruntergewürgt hat, so hat der Wirt allenfalls an seinem Glase Bier nichts verdient oder wohl auch ein paar Cents zugesetzt. Da die ganze Geschichte außerdem nur das übrige Publikum oder den Lunchlieferanten angeht, so kann so ein Fall den Wirt ganz kalt lassen. Manches Mal auch wird er sich dadurch einen dankbaren Klienten erworben haben, der sich verpflichtet fühlt, bei ihm dafür gelegentlich seinen halben Wochenverdienst anzubringen.
Nachdem wir hier eingehend bei den New-Porker Triukgelegenheiten verweilt haben, wird es Zeit, zu den Speisehäufern zurückzukehren, und noch^ einiges nachzutragen.
Mann kann überall in New-Aork billig und — nach amerikanischem Geschmack auch leidlich gut — zu essen bekommen. Eine Eigentümlichkeit des Geschäftsviertels im unteren Teil der Stadt ist es, daß ntan dort kein eigentliches Mittagessen oder Abendbrot bekommt (das letztere schon gar nicht): aber das hängt damit zusammen, daß alle Geschäfte in dieser Gegend um 6 Uhr schließen, nach welcher Zeit der ganze Distrikt wie ausgestorben daliegt. Man findet in diesen Geschäftsstraßen fast nur sogenannte „Lunch Roo ms" — Frühstücksstuben, die außer ihrem alkoholfreien Charakter an unsere Stehbierhallen erinnern. Sie sind hauptsächlich auf „Mahlzeiten im Vorüb e r g e h e n" berechnet.
Sonst findet man in allen Stadtteilen Restaurants, in denen man für 25 Cents (etwa 1 Mk.) ein ganz erträgliches Mittag- oder Abendessen bekommt. Dies ist die eigentliche Mittelklasse der Speisehäuser. Es giebt auch noch eine Menge teurerer Plätze, doch ist damit bessere Qualität des Gebotenen keineswegs immer verbürgt.
Im deutschen Viertel New-Porks findet man natürlich eine große Anzahl von Restaurants mit deutscher Küche, sowie auch nicht wenige, die ihre Kochmethoden noch enger spezialisieren.
Auffällig ist besonders die große Anzahl von ungarischen Restaurants in dem Winkel, den Houston street und Second Avenue bilden. Speziell die erstere Straße ist schon immer für diese Eigentümlichkeit bekannt, und führt daher den stolzer klingenden Beinamen Gullaschj-Avenue (nadji dem ungarischen National-Gericht „Gnlyas"). Ich erwähne von den vielen fremdländischen Spezialitäten, die
*) Es giebt nämlich nichts unter einem Nickel. Die kupfernen Cents kommen fast nur im Straßenverkauf — Zeitungen, Obst, Zuckerzeug — und am Postschalter vor. Beim Bier spielt übrigens d ie Größe des Glases keine Rolle. Man bekommt für denselben Preis von 5 Cents in demselben Lokal —, also je nach Wunsche das kleinste ivie das größte Glas Bier. Letztere Sorte, der sogenannte „Schvoner" faßt in einigen Lokalen drei Viertel Liter uubi mehr!
mau in New-Hark antreffen kann, gerade diese, weil das deutsche Element die ungarische Küche der amerikanischen unbedingt vorzieht, und zwar sehr mit Recht. Außer der größeren Aehnlichkett mit der deutschen Art, die Speisen zuzubereiten, haben diese Restaurants noch den Vorzug ganz besonderer Billigkeit. Man bekommt in Houston street eine sehr schmackhafte und reichhaltige Mahlzeit, bestehend aus Suppe, Gemüse, Fleisch, Kompott und Kaffee für 15 Cents (ca. 60 Pf.). Will man aber den üblichen New- Norker Preis von 25 Cents anlegen, so bekommt man dafür in der Second Avenue eine Mahlzeit, die selbst einen verwöhnten Gaumen befriedigt.
So billig stellt sich diese Seite des Lebensunterhaltes „drüben", in New-Pork, trotz all der gegenteiligen Ansichten, die man in Deutschland noch immer hierüber hegt, und die allenfalls auf Zeiten gepaßt haben, die nun längst verschwunden sind.
Katechismus der algebraischen Analysis.
Von Franz B e n d t. Mit 6 Abbildungen. In Originale leinenband 2 Mark 50 Pfennig. Verlag von I. I. Weber in Leipzig.
Abgesehen davon, daß die Lehre von den Gleichungen, und der binomische Lehrsatz in allen mathematischen Zweigen vorkommen können, sind die Sätze der algebraischen Analysis auch in weiten Gebieten der Praxis von. größter Bedeutung. Unerläßlich ist sie bei der Behandlung von Aufgaben, wie sie die höhere Bankarithmetik, die sogen, politische Arithmetik und statistische Berechnungen! erfordern. Das vorliegende Buch soll als Einleitung in die algebraische Analysis dienen. Es will den Leser mit den wichtigsten Gesetzen und Methoden dieser Wissenschaft bekannt machen; dies geschieht entweder — in den einfacheren Fällen — durch allgemeine Ableitungen oder, wo diese ein höheres algebraisches Geschick erfordern, durch Ans- führuug praktischer Aufgaben. Zuweilen hat sich der Verfasser darauf beschränkt, nur die Formeln zu geben.
GsmeinirMzLses.
Verpflichtung zur Beleuchtung. Wer gewisse Räume für den öffentlichen Verkehr bestimmt, ist verpflichtet/ für die Sicherheit der sie benutzenden Personen zu sorgen/ insbesondere durch Dunkelheit gefährliche Stellen sachgemäß zu beleuchten. Daraus, daß jemand die betreffende! gefährliche Stelle bereits früher passiert hat, bei derem späteren Betreten er verunglückt, folgt noch nicht ein Mangel an eigener Vorsicht. Das sollten sich besonders die Hausbesitzer merken, die zur Beleuchtung des Hausflures, Treppen-i Hauses usw. verpflichtet sind, unb für Unglücksfälle, die infolge mangelhafter oder fehlender Beleuchtung entstehen, haftbar gemacht werden können.
Tomaten vier. Wenn der erste Frost die Tomaten befallen hat, sammelt inan sie sofort und kocht sie in einem großen Kessel.. Dann läßt man die Masse gären und behandelt sie wie Cider, nur vollzieht sich der Prozeß hier viel langsamer. Das Bier schmeckt fast ganz wie das berühmte Gräzer-Bier und ist gewiß sehr zuträglich. Zucker ist hierbei nicht nötig. ,
(„Prakt. Wegw.", Würzburg.)
Magisches Quadrat.
Nachdruck verboten.
1. Haustier.
| 2. Musikstück.
3. Charaktcrzug.
4. Ruhestätte.
In die Felder des vorstehenden Quadrates sind die Buchstaben AA, BB, EE, II, K, LL, B, 8, TTT derart einzutragen, daß die wagerechten Reihen gleichlautend mit den senkrechten sind und Wörter von der beigefügten Bedeutung bilden. (Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Bilderrätsels in vor, Nr.:
Vogesen.
Redaktion: E, Burkbardt. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sckcn Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


