Ausgabe 
24.10.1901
 
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Sitte um Beitreibung der Mäßigkeitsbestrebungen wird natürlich; die

,Tu lügst", stieß er keuchend hervor.

selbst hast eingestanden, daß Du mid)i

seinem drohenden Blick etwas zurück, wir haben nichts mehr mit einander zu

zeihung, oder.

Er preßte ihr Handgelenk so fest, daß' er ihr Schmerz bereitete.

Ihre Hand streckte sich nach der elektrischen Klingel aus, und im nächsten Augenblicke schallte der feine, schrille Don derselben durch die Stille der Nacht.

Tu willst es so mag es denn sein", sagte er kurz, und verließ das Zimmer.

(Fortsetzung folgt.)

Umgehung geradezu herausgefordert. Jedes Kind weiß, daß auch in der strengsten Temperenzstadt ein guter Tropfen zu haben ist nur nicht im Restaurant, sondern in der Apotheke! Da zum Essen aber doch auch was Trinkbares gehört, so giebt es in diesen alkoholfreien Speisehäusern. außer dem eiskalten Wasser, noch! Kaffee, Thee und Milch; außerdem allenfalls noch Sodawasser und eine Anzahl limonadenartiger Getränke, wie Sarsa- parilla und Gingerale (Ingwer). Die eisige Kälte des Wassers (auch die Milch wird meist kalt getrunken) ist ua- türlich ebenfalls übertrieben. Die Folge davon ist die amerikanische NationalkrankheitDyspepsie" (Verdauungs­beschwerden), die zunr Teil neben dem Genuß auch anderer geeister Getränke allenfalls wohl noch auf die Hast, zurückzuführen ist, mit welcher der Amerikaner'seine Nahr­ung verschlingt.

Dem deutschen Geschmack ist also in den amerikani­schen Speisehäusern wenig Rechnung getragen, und die Um­gewöhnung wird noch! überflüssig erschwert dadurch, daß der Kaffee in diesen Lokalen nichts und der Thee wenig zu taugen Pflegt.

Auf der anderen Seite verbietet es sich für die Schank­wirtschaften, die also auch eine abgesonderte Existenz führen, auch Speisen zu verkaufen, und zwar aus dem son­derbaren Grunde, weil sie die Speisen eben gratis ver­abfolgen. Diese Einrichtung desFree Lunch" (Gratis- Frühstück) ist gleichfalls eine historische und daher bis jetzt trotz mehrerer Versuche seitens der Gesetzgebung nicht auszurotten gewesen. Es steckt ein Stück schöner Gastfrei­heit darin, dem Durstigen eine Kleinigkeit ein Biscuit, ein Stückchen Käse oder ein Scheibchen Wurst anzubieten, für das nichts berechnet wird. Schließlich werden ja auch diese kleinen Sächelchen, die meist sehr trocken -oder sehr scharf gewürzt sind, wieder zum Trinken anregen, so daß der Wirt auf seine Kosten kommt. Freilich arten solche schöne Einrichtungen, wie immer so auch hier, aus.

Kommt man heute in einen Saloon (Bier-Salon) so befindet sich auf der einen Seite der Schenktisch und auf der anderen Seite der Free-LunchMounter, ein Tisch, ebensolang wie der erstere und beladen mit Schüsseln, in denen die verschiedensten Gerichte den Kunden zur Ver­fügung stehen. Die Art dieser Gerichte ist natürlich je nach dem Publikum des Saloon sehr verschieden, doch ist hervor­zuheben, daß es fast überall äußerst appetitlich und pein­lich sauber eingerichtet ist.

Tie Ausgabe für denFree Lunch; Counter" spielt na­türlich eine große Rolle ini Etat des Wirtes: da er sich ihr aber in keinem Falle entziehen kann, so findet er sich mit der Notwendigkeit in der besten Art ab. Meistens zahlt er einem besonderen Unternehmer einen bestimmten Betrag täglich, fiir welchen der Lieferant so viel leistet als er eben kann uni) will. Die Free-Lunch-Lieferung ist eben eine so große Branche für sich, daß schon die Kon­kurrenz zu guter Bedienung zwingt. Zur besseren Illustra­tion sei erwähnt, daß eine ganze Anzahl von Saloons die hübsche Summe von je 25 Dollar täglich (100 Mk.) für den Free-Lunchl verausgabt, also über 30 000 Mark per Jahr.

Tie Hauptrolle spielen bei diesen Zugaben natürlich dieSandwiches" zwei dünne Scheibchen Brot mit Fleisch, Wurst oder Käse dazwischen. Um die Mittagstunde wird, mit Ausnahme der ganz feinen Saloons,,ein Teller Suppe verabreicht. Abends um 6 Uhr, wenn die Arbeiter nach Hause gehen, und vorher eins trinken, kann man in vielen Saloons auch ein paar heiße Würstchen zu feinem Bier bekommen. Alles gratis!

Außerdem giebt es dann noch eine Anzahl Schüsseln die fortwährend tagsüber nachgefüllt oder durch neue ersetzt werden. Vom Kartoffelsalat bis zum Hummersalat, von Boston Beans" (ein Gemüse von ganz weißen BÄhnen bis zu den Makkaroni mit Tomaten sind eine ganze Reihe oft ausgesuchter Delikatessen anzutreffen.

Einiges wird den Fremden hauptsächlich deshalb in Erstaunen versetzen, weil er die landesüblichen Preise nicht kennt. Man mnß sich vergegenwärtigen, daß gutes Fleisch in New-York schon von 5 'Cents (20 Pfg.) manchmal sogar schon von 3 Cents an zu haben ish daß Seemuscheln fast garnichts kosten, daß der Straßenjunge sich schon fstr 1 Cent (die kleinste Münze) schon eine Auster, und zur Saison für den gleichet! Betrag eine Scheibe Ananas kaufen kann!

Immerhin muß man sich! doch wundern, wie der Wirt

betrogen . . ." Irma?!" Sie wich vor Ich glaube, schaffen."

Mvyorker Nestamatioiiswesen.

Von Henry A. Davis (New-York).

(Nachdrnck verboten.)

Essen und Trinken sind für den Stock-Amerikaner zwei so verschiedenartige Beschäftigungen, daß er dafür auch zwei verschiedene Lokale haben muß. Wenigstens findet man kaum ein amerikanisches Lokal, toy man zu seinem Mittag­oder Abendessen auch ein Glas Bier bekommt. Dieser merk­würdige Zustand hat sich aus den sonderbarsten Ursachen entwickelt, die an sich recht interessant sind.

Daß man nämlich in den Speisehäusern kein Bier- unb keinen Wein bekommt, stammt von der: puritanischen Ge- wohnherten der ersten Ansiedler her. Die nichtpuritanische Einwanderung, die erst im letzten Jahrhundert in größeren Massen nachströmte, fand schon festgefügte Sillen und An- schanungen vor, die dadurch auf die neuen Elemente mächtig einwirkten. In einigen Staaten ist selbst heute noch drese puritanische Richtung eine so starke, daß der Transport von Spirituosen durch das' Gebiet des Staates gesetzlich verboten werden konnte.! Durch eine solche Ueber-

Soll ich um Hilfe rufen?" sagte sie bebend.Unt Um Hilfe gegen meinen Gatten, der mich mißhandelt."

Er stieß ihren Arm so heftig fort, daß sie einige Schritte zurücktaumelte. Fast wäre sie zu Boden gefunten, aber sie wollte nicht schwach erscheinen, fest stützte sie sich auf den Tisch, und blickte ihn mit trotzigen, haß­erfüllten Augen an.

Deine Verleumdung ist zu niedrig, als daß sie an Else heranreichen könnte", sprach er mit leidenschaftdurch- bebter Stimme.Ja, ich; liebe jenes reine und edle Mädchen ja, ich wäre mit ihr glücklich geworden tdj; hätte bei ihr den Frieden gefunden, den Du in meinem Herzen für immer vernichtet hast. . ."

Er sank in einen Sessel, nnd bedeckte das Gesicht mit den Händen. Der Schmerz, der Zorn, die Scham über das ganz verlorene Leben überwältigten ihn, er stöhnte leise ans, er hätte in Thränen ausbrechen mögen.

Ich werde Deinem Glück, Deinem Frieden nicht im Wege stehen," entgegnete sie, und ein böses, verächtliches Lächeln zuckte um ihre Lippen,diese Stunde hat uns für immer geschieden die Liebe, die ich einst für Dich zu fühlen glaubte, hast Du selbst vernichtet aber die Gewohnheit hätte wohl manches' ausgeglichen jetzt ist alles vorbei jetzt hasse ich Dich! Ja, ich hasse Dich . . ."

Er führ empor. Wie eine Furie stand sie vor ihm, mit haßerfüllten Augen und geballten Fäusten.

Er wußte nicht, was er sagen sollte er rang nach Worten nach einem klaren Gedanken doch er fühlte, nach dieser Stunde war jeder Versuch einer Versöhnung ausgeschlossen.

Langsam erhob er sich. Ihre Blicke ruhten feindselig in einander.

Vielleicht war ich zu heftig", sagte er stockend, und nach Fassung. ringend.Wer Deine Verleumdung hat mich zu schmerzlich getroffen ich verzichte auf weiteres wie es werden soll, ich! weiß es nicht- Aber meinen Ent- schlnß kennst Du jetzt nichts wird mich davon abbringen, weder Dein Trotz, noch Deine Verdächtigungen. . ."

So höre denn auch meinen Entschluß", entgegnete sie finster.Ich, bleibe nicht hier und wenn Du mich! zwingen willst, dann dann werde ich Di ch zwingen, mir die Freiheit wieder zu geben."

Du mich! zwingen?"