542

erziehen lassen sie ist zwei Jahre in einer Dresdener Pension gewesen, dann bei einem Verwandten, der irgendwo Gutspächter ist einen Flügel hat der Inspektor seiner Tochter gekauft, nun, ich meine, daß es auch! ein einfaches Pianino gethan hätte. .

Du vergißt stets, liebe Wanda", unterbrach der Rittmeister seine Gattin,daß Breymann aus sehr guter Familie stammt."

Ich hörte noch nie etwas von einer Familie Brey­mann."

Ich meine, aus einer sehr guten bürgerlichen Fa­milie. Sein Vater war Königlicher Domänenpächter und Oberamtmann, sein älterer Bruder ist ebenfalls Domänen­pächter Breymann hat in seiner Jugend viel Unglück mit einer Pachtung gehabt, na, das kann jedem begegnen. So wurde er hier Inspektor und ist hier hängen ge­blieben."

Hängen geblieben? Welcher Ausdruck! Ich glaube, er kann zufrieden sein, daß er hier hängen ge­blieben ist. . ."

Ja, Herr Rittmeister", nahm Arno Saunow das Wort, da stimme ich! Ihrer Frau Gemahlin zu. Breymann soll jetzt ein wohlhabender Mann fein . . ."

Könnt Ihr denn von nichts anderem sprechen, als von diesem Inspektor Breymann?" fragte die ältere Tochter des Rittmeisters, die blaß und abgespannt in einem Sessel ruhte.

Wanda von Petershagen war seit einigen Jahren leidend, ein schwächliches Kind war sie von jeher gewesen, jetzt hatte sich das Leiden auf ihr Nervensystem geworfen und drohte in hochgradige Hysterie überzugehen. Sie war im Frühling einige Wochen zur Knr in einer Heilanstalt gewesen, langsam erholte sie sich jetzt wieder in der Frischen, erquickenden Landluft von Petershagen.

Das Gespräch wandte sich jetzt anderen Gegenständen zu, und Eitel Fritz atmete auf. Ihm war das Gesprächs über den Inspektor und Else Breymann im höchsten Grade peinlich gewesen, und doch scheute er davor zurück, für den Vater seiner Else einzutreten; die Worte seines Vaters klangen ihm noch- in den Ohren, und er wollte das Ge­heimnis seiner Liebe nicht leichtsinnig preisgeben.

Er war mutlos geworden. Heute nachmittag, im hellen Glanz der Sonne, umwogt von dem goldenen Meer der Aehren, an der Seite des geliebten Mädchens da hatte er die Hindernisse, die sich ihrer Liebe entgegenstellten, gering geachtet. Mit kühner Hoffnung hatte er fte in Gedanken bereits überwunden. Jetzt, im Kreise seiner Familie, in der vornehmen Umgebung des elterlichen Hauses ward er zaghaft und mutlos. Die stolze unb doch von Krankheit gebrochene Mutter, die leidende Schwester und Ruschn, das zierliche Elfchen, dessen dunkle Augen mit geheimer Sehnsucht an Arno Sannow hingen, der Vater, mit seiner rücksichtslosen Forderung strenger Pflicht­erfüllung alle waren wider ihn alle Verhältnisse türmten sich gleich berghohen Hindernissen vor feinem Glück, seiner Liebe auf.

Er wußte sehr wohl, baff Arno Sannow kein reicher Mann war, sonst wäre er aktiver Offizier geblieben. Er bewirtschaftete sein Gut Jeseritz gut und sparsam, aber da lebten noch seine Mutter und drei Geschwister, die eben­falls von Jeseritz zehrten, und so konnte sich Arno den Luxus einer Heirat nur nach Liebe nicht gestatten. Er mußte wenigstens etwas Kapital in die Hand bekommen das hatte er Eitel Fritz oft genug gesagt.

Deshalb hatte sich Arno Ruscha auch noch nicht er­klärt. Man wußte tn der Umgegend ganz gut, wie es mit Petershagen stand.

Und doch liebten sie fick man sah's an dem Auf­leuchten ihrer Augen, wenn sich ihre Blicke suchten und fanden!

Eitel Fritz verbrachte eine schlaflose Nacht. Immer aufs neue zermarterte er seine Seele mit Plänen und Ent­schlüssen, die sich stets wieder als unausführbar erwiesen und in nichts zerflatterten. Nirgends bot sich ihm ein Ausweg, wie unzerreißbare Ketten umfesselten ihn die Verhältnisse.

Gegen Morgen sank er in einen dumpfen Schlummer, da weckte ihn aber bereits der Diener. Es war Zeit zum Aufstehen, das Frühstück wartete schon aus ihn im Speise­zimmer, und der Kutscher draußen mit dem Wagen.

Im Speisezimmer traf er seinen Vater, von Mutter

und den Schwestern hatte er schon am Wend vorher Ab­schied genommen.

Tu schon auf, Papa?"

Wollte Dir doch noch einmal die Hsind schütteln, mein Junge", entgegnete Hans Joachim,wer weiß, ob wir uns Wiedersehen."

Welcher Gedanke, Papa?!"

Na, man fühlt das Alter und unverhofft kommt oft. Einmal hat sich ja schon Freund Hein angemeldet mit einem kleinen Schlaganfall."

Papa, spricht nicht so Du, das Bild der Gesund­heit !"

Danke sirr das Kompliment. Aber die ersten fünfzig Jahre sind doch die besten, und der Teufel soll das! sogenannte schöne Alter holen. Und dann, mein Junge, wenn mir etwas zustoßen sollte, denke an unsere gestrige Unterredung mach' keinen Unsinn, Eitel Fritz. Schlag Dir die schöne Else aus dem Sinn. 'Ein Prachtmädel ist sie ja, und ich verdenk' Dir's nicht, daß Du. Dich in ihre Märchenaugen verguckt hast aber weiter nichts, mein Junge, 's wäre schade um das Mädel, wenn.... na,- ich will weiter nichts sagen."

Das ist auch das beste, Papa, ich weiß selbst, was ich zu thun habe."

So ist's recht und nun leb' wohl, mein Junge. Tas Geld bekommst Du, wenn wir den ersten Roggen ge­droschen haben. Der Gumbinner aus Danzig wartet schon darauf, und der zahlt brav. Also, leb' wohl und halt den Nacken steif."

Er umarmte den Sohn und küßte ihn zärtlich auf beide Wangen. Es schimmerte feucht in den Augen des alten Herrn, der sich in merkwürdig weicher Stimmung befand. Noch ein herzhafter Händedruck, dann sprang Eitel Fritz in den Jagdwagen, der Kntscher schnalzte leicht mit der Zunge und dahin flog das leichte Geführt die Kastanien­allee entlang, welche Schloß Petershagen mit dem Dorfe verband.

Auf dem Wirtfchaftshof herrschte schon reges Leben. Inspektor Breymann hatte soeben die Mäher, Taglöhner itnb! Arbeitsfraneu entlassen, und stand mit dem Ackervogt da, um die Arbeiten des Tages zu besprechen.

Es war eine hohe, kräftige Gestalt, dieser alte In­spektor, der in der ganzen Gegend als tüchtigster Land­wirt bekannt war und sich hoher Achtung erfreute. Der graue Bart hing ihm bis auf die Brust nieder unb unter1 den buschigen Augenbrauen blitzten die blauen Augen in jugendlichem Feuer hervor.

Sollte Eitel Fritz mit einem kurzen Gruß vorüber­fahren?

Nein er hatte Elfe versprochen, noch einmal Vorzug kommen. Er wollte nicht feige davonfliehen unb so gab! er dem Kutscher den Befehl, auf den Wirtfchaftshof ein- znbiegen.

Inspektor Breymann kam ihm entgegen.

Der Urlaub schon zu Ende, Herr Leutnant?" fragte er.Das ist rasch! gegangen. Na, Sie haben wohl ordent­lich Sehnsucht nach Berlin?"

Kann's gerade nicht behaupten, Herr Breymann", ent-! gegnete Eitel Fritz, des Alten Hand schüttelnd.Ich bliebe viel lieber hier in Petershagen."

Erst einmal in der Welt nmseheu und dann sich zur Rühe setzen, Herr Leutnant."

Ich will mich wahrhaftig nicht zur Ruhe setzen, wenn ich hierher komme!"

Sollte mich.! freuen", brummte Breymann in den Bart.

Ist Fräulein Else schon wach?"

Selbstverständlich!! Um fünf Uhr muß sie aus den Federn. Tann heißt's an die Arbeit sehen Sie, da kommt das Mädel!"

Aus dem einsachjen, ländlichen Hause, in dem der In­spektor wohnte, und das im Hintergründe des Hofes lag,! trat Else schmuck und- frisch in einem hellen Sommer-! kleide und großer, weißer Schürze.

Sie errötete, als Eitel Fritz auf sie zueilte.

Wie freu' üfy mich, Sie noch einmal begrüßen zu dürfen, Fräulein Else!"

Ihre Hände ruhten mit warmem Druck in -einander, und ihre Augen begrüßten sich mit innigem Blick. Hertz' wallte es in seinem Herzen auf. Wie gerne hätte er das!