Ausgabe 
24.9.1901
 
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geliebte Mädchen in seine Arme gezogen, wie gerne ihr

die taufrischen Lippen geküßt! r , n r o

Nein er konnte nicht verzichten! Es galt fern Lebens­

glück, das fühlte er mit blutendem, schmerzenden Herzen.

Herr Breymann trat näher, und Else zog ihre Hand aus der feinige« und senkte die Augen.

Eine glückliche Reise und . . ."

Ein baldiges, frohes Wiedersehen, Fräulein Else!" vollendete Ettel Fritz ihre Worte.

Wenn Sie den Zug noch erreichen wollen, Herr Leut­nant, müssen Sie sich eilen", mahnte Herr Breymann.

Ja, Sie haben recht also nochmals adieu auf

Wiedersehen, Else..."

Sie blickte zu ihm auf mit innigem, zärtlichen Bllck.

-,Auf Wiedersehen. . ."

Ter Wagen rollte davon. Breymann, der ihn bis zum

Hofthor begleitet hatte, kehrte zu Else zurück.

Schade um ihn", brummte er in den Bart.In dem

steckt ein guter Kern . . ."

Else ging still in das Haus zurück an die Arbeit.

(Fortsetzung folgt.)

Zagdsreuden im Spätsommer.

Von Otto mar Unger.

(Nachdruck verboten.)

Für den Jäger, der nicht in der Lage ist, den edlen Weidmannssport in seiner vornehmsten Form, nämlich die Jagd auf Hoch- und Edelwild, auszuüben, sind die Hoch­sommertage des Juni und Juli eine wenig ergiebige Zeit. Erst gegen Ende Juli, wenn der Rehbock in die Brunst tritt, wird es wieder interessanter; dann aber kaum, daß der August ins Land gezogen ist, giebt es für den zünftigen Jäger von Sankt Hubertus im Revier vielerlei zu thun, obwohl das Hauptvergnügen der Spätsommer- und Herbsttage, die Schußzeit für Hühner und Hasen noch nicht begonnen hat.

Zunächst gilt es, unter dem Rehwild Musterung zu halten. Tie alten Herren unter den Böcken, welche die jüngeren, zur Zucht brauchbareren, häufig von der Herde vertreiben, oder, wenn ihnen dies nicht gelingt, vom tollen Liebeswahn getrieben, weit über ihre Reviere hin­ausschweifen, und dann der fremden Büchse zum Opfer fallen, müssen abgeschossen werden. Um dies zu erreichen, giebt es kein sichereres Mittel, als die Jagd mit der Blatt­pfeife, jenem für das Ohr des Rehbvcks so verführerischen Instrumente, welches ihm die Nähe der heißbegehrten Weibchen vortäuscht, so daß er überall, wo ihm zahlreiche Geschlechtsgenossen int Wettbewerb um die Gunst der Geisen Konkurrenz machen, blind- und ohne Ueberlegung den Tönen der Blattpfeife folgt. Interessanter, als den vom Liebeswahn Bethörten in dieser Weise abzuschießen, ist es fast, wenn der Jäger, der seinen Wildstand liebt, und gegen die Kugel frecher Wildschützen sichern will, sein Rehwild, wie der weidmännische Ausdruck lautet,ver- blattet". Er geht zu diesem Zwecke an den Grenzen seines Reviers fleißig herum, und lockt die Rehböcke, bis sie in die Nähe gekommen sind, worauf er aus der Deckung cheraustritt. Der also Getäuschte, der nun gewahrt, daß der Urheber der lockenden Töne der gefürchtete Jäger ist, geht in wilder Flucht davon, und ist, wenn ihm einige Male fein Irrtum in dieser Weise vor Augen geführt wird, so mißtrauisch geworden, daß er in diesem Herbste auf die Töne der Blattpfeife gewiß nicht mehr springt.

Vorzügliche Dienste leistet die Blattpseife auch) um das Revier vom Wildzeug zu säubern. Wenn man das Instrument hoch stellt, so daß es den ängstlichen Ton des Kitzes nachahmt, glaubt. Reinecke Fitchs stets, daß hier die Gelegenheit ist, sich einen zarten Braten zu sichern, und giebt dem Jäger Gelegenheit, ihm eins auf feinen ruppigen Pelz zu brennen.

Tie wahren Freuden der Niederjagd beginnen aber erst, wenn die Ernte in ihrem wesentlichen Teile vorbei ist, und die Getreidefelder leer werden. Wenn der Wind über die Stoppeln streicht, und die Spinnerin, als Vorbotin des nahen Herbstes, auf den glänzenden Fäden des Alt­weibersommers durch die Luft segelt, werden die Hühner­ketten mobil. Dann greift der Jäger zur Flinte, um dort zu ernten, wo er seit neun langen Monaten geschont hat, und bald erscheint auf der Speisekarte zur Freude aller

uf seinen zweiten eoerholung dieses!

Feinden erliegt. t r . ...

Eine der aufregendsten Jagden aus den Hasen tst

Leibe frißt.

Auch für Meister Lampe beginnt ein schweres Dasein, wenn die Jagd eröffnet wird. Für ihn ist der Mensch der ärgste Feind. Sobald er eine gewisse Gröhe erreicht hat, weih er sich; den meisten tierischen Räubern, die ihm in Wald uitb Feld nachstellen, durch die Schnelligkeit seiner Beine zu entziehen, und nur, wenn er ahnungslos; int Lager beschlichen wird, ist er verloren. In der ver­schiedenartigsten Weise rückt man ihm zu Leibe, mdem man ihn mit dem Hunde in den Kartoffeln und tn anderen Hackfruchtfeldern absucht, bann später im Kessel- ober Leinentreiben jagt. Ein besonders raffiniertes System be­folgen auch disziplinlose Jagdhmtde und Dorfköter, die; nicht selten auf eigene Faust auf ihn in Kompagnie mit einem zweiten Hunde Jagd machen. In gleicher Front, aber mit einem Abstand von mehreren hundert Schrttt unter sich jagen sie hinter dem aus dem Lager aufge- schreckten Hasen her, der, wenn einer der Verfolger thm dicht auf die Fersen gekommen ist. Plötzlich in ferner Ver­zweiflung eine» gewaltigen Hakensatz macht, und recht- winkeliq abbiegt, wodurch er direkt aus fernen zweiten Gegner zuläuft, bis nach häufiger Wiederholung dieses; Manövers Meister Lampe in Bestätigung des Sprichwortes Viele Hunde sind des Hasen Tod" schließlich doch seinen

Feinschmecker das verlockende GerichtRebhuhn mit Sauer­kohl".

Ter offizielle Anfang der Hühnerjagd fällt werrrg- stens in Norddeutschlmid fast überall auf den 1. Sep­tember, doch ist es gesetzlich vorgesehen, wenn ein gürr- stiges und zeitiges Frühjahr vorangegangen ist, den Jagd­beginn schon etwas früher anzusetzen, wovon auch meistens Gebrauch gemacht wtrd. Unter den günstigeren klimasischen Verhältnissen Süddeutschlands, wo die Brutperiode um so viel zeitiger beginnt, rechtfertigt es sich, die Schußzeit schon einen halben Monat früher eintreten zu lassen; wenn dagegen in Oesterreich die Büchsen bereits am 1. August auf die Hühner zu knallen beginnen, so ist. das eine ungerechtfertigte und schädliche Verftühung, da das Rebhuhn um diese Zeit noch keineswegs ausgewachsen ist, und als trauriges Knochengerüst auf die Tafel kommt, welches einem mit beut mageren Braten nicht zuftiedeneu Feinschmecker gegenüber dem servierenden Kellner einst die klassische Antwort entlockte:Wenn ich Baaner (österr. Provinzialismus für Knochen) sehen will, gehe ich ins. Ballet."

Am günstigsten sind für den Jäger tmmer dte ersten Wochen, weil um diese Zeit die Ketten noch zusammen­halten, während sie später, durch oftmalige Beschießung scheu geworden, und nachdem die ältesten Hühner, welche die Kette führen weggeschossen sind, gänzlich zersprengt Werben. Ueberhaupt wird ein fachgerechter Jäger incht jenes Huhn ivegschießen, das als erstes aufsteht; denn es ist in der Regel die älteste Henne, die beste Brüterin, welche dem Weidmann für das nächste Jahr einen zahl­reichen Nachwuchs zu liefern verspricht. Ist aber die Kette erst einmal int Feuer gewesen, so wende man sich nicht zu anderen Teilen des weiten Kartoffelfeldes, in welchem ja in der Regel noch mehrere Ketten stecken, sondern gehe den Entflohenen nach, um von ihren jungen Mitgliedern so viele erreichbar sind, abzuschießen. An einem geeigneten Punkte aber schaffe man ein Freirevier, wohin sich die Versprengten flüchten können. Alles niederknallen, was vor die Flinte kommt, ist keine Jagd, deren Kunst darauf beruht, den Schöpfer in seinem Geschöpfe zu ehren.

In dieses Kapitel gehört auch der von jedem echten Jäger befolgte Grundsatz, das "Wild, welcher Art es auch fein mag, schnell und schmerzlos zur Strecke zu Bringen, nnd weidwund geschossene Stücke mit dem Hunde aufzu- suchen. Ter Neuling und Gelegenheitsjäger wird, nament­lich wenn ihm die Sonne brennend aus den Kopf scheint, und er schon müde ist, gern geneigt sein, auf ein nicht sofort auffindbares Huhn zu verzichten, während der tn der Jagd grau Gewordene es sich nicht verdrießen laßt, das krank geschossene und irgendwo int Kartoffelkraut liegende Huhn mühsam mit dem Hunde zu finden; denn abgesehen von dem Verluste des Stückes, ist es ein Gebot der Barmherzigkeit, das angeschossene Tier nicht in tage­langer Qual zu Grunde gehen zu lassen, oder es dem Raubzeug zu überantworten, welches es. bei lebendigem