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I gefangen, auf welche man oft noch als Köder lebende Fisch- lern, Frösche rc. spießt. Tas nennen viele Menschen einen
I angenehmen Zeitvertreib. Noch grausamer ist das Fanaen I mit Lege-Angeln.
Eine rohe, jeder Menschlichkeit Hohn sprechende Fana- I methode ist der Schlingenfang. Bei Rehen, Hasen und I anderem Wild hat ihn das Gesetz verboten, dagegen zum Krammetsvogelfang merkwürdigerweise gestattet. Vielen, | me Krammetsvöget gern essen, würde sicher der Appetit I vergehen, wenn sie Zeugen der langen Qualen wären, unter | denen dre klernen Tiere sterben müssen.
Auch für Modezwecke wird der Massensang schöner bunter Vogel betrieben, um die Federn zum Schmuck von Tamenhüten zu verwenden. Es steht durch diesen Mode- wahnsmn die Ausrottung großer Teile der Vogelwelt bevor.
Wir gelangen zur Besprechung der Jagd. Gegenüber wilden und gefährlichen Tieren ist sie eine Notwendigkeit.
| ^vrt wird auch Mut von Jägern gefordert, aber wo liegt das Heldenhafte bei der Hetzjagd, wenn dem armen Eber vorher dre Stoßzähne abgesägt worden find, und er nun, j m Todesangst, von bissigen Hunden und der berittenen
Jagdgesellschaft verfolgt, um sein Leben zu retten, bis zur Erschöpfung und Erstickung läuft? Wo liegt das Heldenhafte bei der Treib- und Kesseljagd, wenn die harmlosen und ängstlichen Tiere des Waldes aufgescheucht, vor den versteckten Jägern vorbeigetrieben oder in einen Kreis zusammengetrieben werden, damit ununterbrochen auf sie I geschossen werden kann?
Die größten Märtyrer der Tierwelt sind die Zug- I tiere, die Pferde. Es ist unbeschreiblich, wie sich die Menschen an diesen nützlichen, guten Tieren versündigem I Rohe Behandlung, schlechte Pflege, Ueberanstrengung von Pferden sieht man täglich, doch die Tierquälerei, welche rn der Benutzung marternder Geschirrstücke liegt, sieht und ahnt man nicht. Welche Pein empfinden die armen Pferde infolge der ganz unnötigen, ja für die Augen schädlichen Scheuklappen, dieser Wind- nnd Staubfänger, — ferner infolge der Aufsatz-Zügel, die ununterbrochen den Kops hochspannen, infolge der Kinnketten-Kandare, deren Truck heftige Schmerzen der Kinnknochen erregt, infolge des sogenannten scharfen Gebisses, das auf die Zunge gleich I einer Säge wirkt !Und man denke auch an das Los der I Pferde im Alter, wie sie, je dienstuntauglicher sie werden und weniger leisten können, um so mehr und schwerer arbeiten müssen; wie sie so müde, mit Peitschenstriemen völlig bedeckt, abgemagert und elend vor vollbeladenen Sternwagen einherschleichen und förmlich zu Tode geschunden werden! Alle diese armen Pferde find eine stumme
I Anklage gegen die menschliche Unbarmherzigkeit!
Ebenfalls schlimm ist vielfach der Arbeitshund daran. Er muß tüchtig ziehen und bekommt oft nur schlechtes Futter, dafür aber reichliche Prügel. Bejammernswerter rndes haben es die Kettenhunde. Die Plage der Zughunde sieht man auf den Straßen, doch die Leiden der Kettenhunde bleiben verborgen.
Bei Hunden halten es aus Moderücksichten viele Züchter für unerläßlich, die Ohren zu verstümmeln und den Schwanz abzuhacken. Aber die schändlichste Tierquälerei um der Mode willen ist das Koupieren der Pferdeschweife Nrcht nur jungen, sondern auch alten Tieren, bei denen dre Operation lebensgefährlich ist, haut man einen Teil des Rückgrat-Ausläufers ab, und brennt dann, um die Blutung zu stillen, die Wunde mit glühendem Eisen. Die Pferde schreien, daß es einem durch Mark und Bein geht.
Dre Dressur von Tieren zur Schaustellung von Kunst st ücken auf der Bühne oder im Zirkus wird buchstäblich erquält.
Könnten wir die Ursachen der gleichgil- tigen undrohen Gesinnung ausrotten, dann schwänden die Folgen von selber. Jene Ursachen liegen weit zurück in den Eindrücken der Jugendzeit. Schon dem zarten Kinde schenkt man eine Peitsche, und die Mutter spricht zu ihm: „Da haue mal den Hund!" Größer geworden, spielt das Kind „Pferd" und möglichst natürlich ahmt es das Schlagen und Zügelreißen nach, das es bei den Fuhrleuten täglich sieht. In der Küche schaut es der Mutter zu, wie diese den zappelnden Fisch lebendig schuppt und aufschneidet. Wird auf dem
Der Tierschutz als Haupthebel einer höheren Gesittung.
Von Hermann Stenz.
(Nachdruck erbeten!)
Alle Tage sind wir davon Zeuge, daß Tiere so behandelt Werden, als ob sie ganz ohne Empfindung seien. Ein Schriftsteller bemerkt sarkastisch: den Tieren sei jedenfalls darum die Sprache versagt, weil ihr Leid ohnedies unaus- sprechlich rst, und ihre Anklagen es nur verneinen müßten daß die Menschen überhaupt ein Herz besitzen! '
Da sind die Greuel beim Schlachten. Es ist lercht, mittelst Schlachtmaske oder noch besser mittelst Schieß- apparat (Schuß ohne Knall) jedes Schlachttier blitzschnell zu töten, ohne daß es irgend Schmerzen empfindet Aber noch weit verbreitet herrscht die Unsitte, daß die Tiere bei -vollem Bewußtsein totgemartert werden, damit das Blut dem Körper entströmen kann.
. Tas zu schlachtende Geflügel wird meist ebenfalls ohne .einen vorherigen Betäubungsschlag getötet, sodaß es voll- dewußt und nur langsam qualvoll stirbt.
Wenden wir uns zu den Grausamkeiten der K u ch e. Die Gepflogenheiten unserer Hausfrauen und Köchinnen sind meistens scheußlich. Fische werden lebendiq geschuppt und ausgeschnitten, ohne daß man sie durch emige Schlage auf den Kopf vorher betäubt. Aalen wird Lei lebendigem Leibe die Haut abgezogen, oder man legt sie in ein Gefäß mit Salz, wo sie sich infolge der scharfen Aetzung qualvoll „zu Tode laufen". Lebendigen Krebsen imrd der Darm herausgezogen. Auch werden, um eine schone rote Farbe zu erzielen, die Krebse in kaltem Wasser uufs Feuer gestellt und langsam zu Tode gesotten. Fast Uirgends denkt die Hausfrau oder Köchin an die entsetzlichen Qualen, welche sie so bereitet.
„ Außerordentlich massenhafte Tierquälereien finden auch stickt bm Versendung der Tiere. Es werden Rinder, Schweine, Schafe in die Eisenbahnwagen, Geflügel in die Käfige, um Frachtgeld zu sparen, in so großer Anzahl hinelngezwangt, daß die Tiere einander stoßen, treten und die Niederfallenden erdrücken. Oft tagelang unterwegs, ^wen sie im Winter durch die Kälte, welche ihr Hungergefühl vermehrt. Im Sommer, bei glühender Hitze ohne EU Tropfen Wasser, erleiden sie die doppelten Qualen i Des Verschmachtungs- und Erstickungstodes.
Nicht minder grausam geht es beim Einladen und Aus- taden, sowie auf dem Transport der Tiere zu Lande her. Auch das Federvieh wird noch massenhaft auf die roheste Weise zu den Markten gebracht. Hühner, Enten und Gänse liegen mit festgeschnürten Beinen und Flügeln hilflos über- «inander. Und auf dem Heimweg werden die Tiere von Leu Einzelläufern oft an den gefesselten Flügeln in der Schwebe nach Hause getragen oder seitens der Kleinhändler rn Kiepen oder gar Säcken, die überfüllt sind.
r„ „ Eure scheußliche Tierquälerei ist das S t o p f e n der Ganse und Enten, um sie zu mästen. 5 bis 6Wochen werden die Tiere ganz eng eingekerkert, so daß sie sich kaum uufrichten und niedersetzen, keinesfalls umdrehen können, und dabei tagtäglich mit Futter überladen, das ihnen zwangsweise tn den Hals gestopft wird. — „Gerechter Hunmel! Aus wie vielen Marterstunden der Tiere lötet I M Der Mensch eine einzige Festminute seiner Zunge zu- I lammen!" (Jean Paul.) B 9 |
~ Schauderhaft ist ferner die Gewinnung der proschschenkel -Delikatesse. Alljährlich im Früh- Ä-' tvenn die Frösche am fettesten sind, beginnt der -ocaisensang. Den gefangenen Tieren werden, ohne daß man
vorher den Kopf mit einem Messer oder Pfriemen durchbohrt, bei lebendigem Leibe die Beine abgeschnitten Dver ausgerissen, und die armen Verstümmelten dann -"den Sumpf zurückgefchleudert, wo sie noch mehrere Tage herumkriechen, ehe fte qualvoll sterben. Könnten die Sieb- Ader von Froschschenkeln solches Gemetzel nur einmal mit WAl ste verlören doch vielleicht ihr Gelüste nach solcher „L>etikatesse". I
Fischfang sind ebenfalls entsetzliche Greuel Ä Man sollte zum Fischen keine anderen Werkzeuge und Reusen verwenden. Statt dessen werden .Hunderttausende von Wasserbewohnern durch Angelhaken '


