Ausgabe 
24.1.1901
 
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ein Auge viele Dinge schaut, Nach denen meine Lust wird laut;

Doch könnte leicht ich sie entbehren, Wenn sie mir fremd geblieben wären.

Freidank.

(Nachdruck verboten.)

Die Seekönigin.

Seeroman von Clark Rüssel.

(Fortsetzung.)

Der Champagner erhöhte die Stimmung der Gesellschaft ganz wunderbar. Anfangs waren die meisten scheu und zurückhaltend gewesen und hatten mit einer Art Ehrfurcht die Blumen, Früchte und anderen schönen Sachen aus der Tafel betrachtet; jetzt war die Unterhaltung in vollem Gange.

Plötzlich rief Kapitän Duncan mit lauter Stimme: Silentium!"

Unmittelbar darauf erhob sich Kapitän Richardson.

Snowdon", sagte er,solch ein Frühstück ist für mich ganz was Neues, und so hoffe ich, daß die Gesellschaft ent­schuldigt, wenn ich über die hierbei herrschenden Förmlich­keiten nicht im klaren bin. Ist es erlaubt, daß ich eine Rede halte?"

Jawohl, schieß los, Richardson", antwortete Vater, und aller Augen waren nun aus den kleinen Kapitän gerichtet.

Meine Damen und Herren!" begann er.Wir sitzen bereits seit langer Zeit an dieser Tafel, essen und trinken und sind fröhlich. Ich denke, es ist nun ungefähr Zeit, daß irgend jemand Sie auffordert, Ihre Gläser zu füllen und auf die Gesundheit Jessie Fowlers und ihres Mannes zu trinken. Es ist wohl kaum nötig, daß ich Sie daran erinnere, daß Dick Fowler ein Seemann wie wir und seine Frau eine Äeemannstochter ist, um Sie zu veranlassen, ihnen einen herzhaften altenglischeu Humpen zu trinken. Es giebt keinen Beruf, der dem des Seemannes gleich käme, und es giebt keinen Mann, der mit größerem Rechte ein hübsches Mädchen zur Frau verdient, als der Seemann." Hier richtete der alte Salmyn seine Blicke fest auf die arme Frau Tarbit. Dick Fowler hat nun ein solch junges hübsches Mädchen zur Frau, und wie es gegen die menschliche Natur wäre, wenn Sie ein feines, neues, eben vom Stapel gelaufenes Fahrzeug sehen mit scharfem Bug, schönen Linien und einem Gallion wie der Traum eines Dichters den Schiffer, der. ein solches Fahrzeug befehligt, nicht zu beneiden, so sind Sie auch gezwungen, Dick Fowler für einen Mann

zu erklären, der ein ganz ungewöhnliches Glück hat. Ich wünsche ihm wir alle wünschen ihm eine glückliche Reise. Die jungen Eheleute müssen gewärtig sein, ab und zu kon­trären Winden, zuweilen auch Stürmen zu begegnen. Da wird sich ihre Seetüchtigkeit und ihre Fähigkeit, zu LuwaM zu kommen, Herausstellen. Kreuzen und Beidrehen hat nicht viel aus sich, wenn man es nicht eilig hat, den Hafen zu erreichen. Wir wollen hoffen, daß manches lange Jahr ver­gehen möge, bis sie die Ordre erhalten, längsfeit zu holen und jenes Stück Ladung zu löschen, das Shakespeare der auch bisweilen sich wie ein Seemann ausdrückt diesterb­liche Rolle" nennt, die der allmächtige Gott uns allen mit an Bord gegeben hat und die wir in derselben guten Ver­fassung auch wieder zurückerstatten müssen, in der wir sie erhalten haben. Meine Rede ist zu Ende, meine Dame:: und Herren, und so wollen Sie gefälligst mit mir trinken auf das Wohl von Herrn und Frau Fowler!"

Alle, auch die Damen erhoben sich und stimmten in das Hoch auf uns ein.

Mein Mann stattete in einigen Worten seinen Dank ab; dann erhob sich Tarbit und brachte die Gesundheit seines Schiffskameraden Tom Snowdon auseines Mannes, mit dem er um die Welt segeln würde, bis die Ratten dos Schiff verließen und die Planken so dünn geworden wären wie ein hundertmal gewaschenes Matrosenhemd."

Diese schöne Rede wurde durch Herrn Dodds unter­brochen, der uns die Mitteilung machte, daß der Wagen vor­gefahren sei.

Wir hatten keine Zeit zu verlieren, wenn wir den Zug noch erreichen wollten. Die Damen umarmten mich, und die Herren schüttelten mir die Hand, so daß ich, als schließlich mein Vater an die Reihe kam, ganz außer Atem war.

Mein Vater küßte mich und wandte sich dann ab, um seine Thronen zu verbergen. Die ganze Gesellschaft be­gleitete mich bis auf den Hof dieDrei indischen Könige" stehen nämlich am Ende einer engen, nach dem Kai führenden Durchfahrt. Natürlich glaubten die Vorübergehenden, als sie unsere Gesellschaft, die Herren ohne Hüte, um den Wagen gedrängt sahen, daß irgend ein Unglück geschehen sei. Es bildete sich ein Auflauf, neugierige Gesichter starrten in die Wagenfenster, und allerlei Fragen wurden laut:Ist jemand tot?"Was ist denn los?"Alles in Ordnung, Tommy, 's ist nur 'ne Hochzeit". Schließlich fuhren wir unter demHurra!" unserer Freunde ab, in das die Menge kräftig mit einstimmte. So traten wir unsere Reise unter so lebhaften Anzeichen öffentlicher Teilnahme und allge­meinen Wohlwollens an, daß sich weit höher stehende Per­sönlichkeiten als ein Kauffahrteischiffer und seine Frau bei Beginn ihrer Hochzeitsreise darauf hätten etwas einbilden können.