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Logogriph.
Nachdruck verboten.
Zlm Herde ift’S, und Eisen
Und Stahl kann es zerbeißen;
Mit anderm Fuß entzückt es, Durch holden Duft erquickt es, Der Sommer hat's geboren, Die Liebe sich erkoren.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auslösung des Bilderrätsels in vor. Nr.: Sächsische Schweiz.
Redaktion: E. Burkhar dt. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.
Sondern wir wollen von der Mühe reden, äuf welche Mutter Weißhaar zielte, wenn sie aus ihre acht Kinder zu sprechen kam, von denen drei auf dem Kirchhof lagen, einer in der tiefen Nordsee, und die übrigen vier in Amerika wohnten, von welchen zwei seit Jahren nicht an sie ge- schrieben hatten. Und von jener Arbeit, über welche Geert Doofe klagte, als er am dritten Tage nach der Schlacht, bei Gravelotte noch nicht sterben konnte, obgleich er die furcht-i bare Wunde im Rücken hatte.
Mer obgleich wir die Absicht haben, in diesem Buche von so traurigen und öden Dingen — wie viele sagen —i zu erzählen, gehen wir doch fröhlich, wenn auch mit zu-i sammengebissener Lippe und ernstem Gesicht, an die Schreib--, ung dieses Buches; denn wir hoffen, an allen Eckert und Enden zuzeigen, daß dieMühe, dieunsere Leute sich machen, der Mühe wert gewesen ist."
So sagt Frenssen zu Eingang des ersten Kapitels seines! Jörn Uhl, wir aber müssen am Schluß des letzten Kapitels angelangt, ausrusen:
„Das ist einmal wieder etwas Rechtschaffenes! Alles Kraftund SaftundLeben.- D erb e Ko st aller d in g s, d ar um nichts für ein en verdorbenen Magen, aber zuträglich einem jeden, dem kerndeutsche Art vertraut, und der von redlicher Arbeit gesunden Hunger heimbring t."
Tas Verlangen nach der Lektüre des herrlichen Buches zu wecken, setzen wir einige Kernwahrheiten daraus hierher:
„Nichts bildet den Menschen mehr, als Menschenschicksal sehen." —
„Tas ist das Beste auf der Welt, daß man freundlich und lieb miteinander ist und mit allen Menschen." —
„Wenn ein großes Ereignis plötzlich unter die Menschen tritt, als ein finsterer Riese, und im Eintreten sie mit seinem Aermel streift, dann zucken die Seelen der Berührten und bleiben in einer zitternden Bewegung, die je nach der Größe und Plötzlichkeit des Ereignisses andauert. ' In diesem Zustand zeigt sich der Charakter der Menschen offener, ihr Mund ist redseliger, ihre Ohren sind wacher. Sie sind wie tiefgepflügtes Land, aus dem der starke Geruch frischer Erde aufsteigt." —
„Wenn über dem jungen Wald, der in Schnee und hartein Frost liegt, der Westwind anhebt, sanft zu wehen, dann beginnt es in den Tannen von oben bis unten leise zu knattern und zu splittern: es will sich nicht biegen, es muß brechen. Aber die weichen Lüste schmiegen und schmeicheln um all die Eiskrystalle, gleiten und streicheln. Und wie es geht: Das Weiche siegt zuletzt überall aus der Erde. DieLiebestegt. Das Klingen und Klirren und Waffengerassel hört auf. Die Eiskrystalle lassen die blanken Lanzen fallen; es schmelzen ihre Harnische; es laufen ihnen die Augen über; sie sinken der weichen Luft in die Armeq Wenn einer nun durch den Wald geht, hört er, wie es gleitet und fällt, und wie es im Träumen leise und eintönig redet.;
Schön ist es zu sehen und zu Höven, wenn der Wald auftaut. Schöner noch ist es, dabei zu sein, wenn ein Mensch
„Ja", sagte Jörn Uhl, „Zutrauen haben: das rst alles." —
Nun, wir hegen zu dem Verfasser des Jörn Uhl, der Sandgräfin" und der „drei Getreuen" das berechtigte Vertrauen, daß der Born seiner Erfahrung noch nicht gar erschöpft ist, und daß er uns noch manche Frucht erfahrener Lebensweisheit, gereift in liebevoller Arbeit, darbieten wcrd, so Gott will und wir leben! Bdt.
in München Kunst und Litteratur. Auch! als er im Herbst 1831 nach Meiningen zurückkehrte, nahm sich der Herzog seiner an, indem er ihn zu seinem Kabinettsbibliothekar, und zugleich zum zweiten Bibliothekar der herzoglichen öffentlichen Bibliothek ernannte. Zwei Jahre später bereits rückte er zum ersten Bibliothekar auf, und war nunmehr in den Stand gesetzt, aller Unterhaltssorgen ledig, seinen Neigungen zu leben.
Der Dichter verlor auch in der That seine Zeit nicht; eine ebenso vielseitige als reiche Schaffenszeit Hub an, sowohl auf dem Gebiete des Dramas, des Romans und der Novelle, als auch auf lyrischem und epischem Gebiet. Am meisten fesselte ihn die Vorgeschichte seiner Heimat. Bereits am 12. November 1832 begründete er den „Hennebergischen altertumsforschenden Verein", dem er als Direktor mit großem Eifer Vorstand, und durch welchen er in den Stand gesetzt wurde, das Sammelwerk „Deutsches Museum für Geschichte, Litteratur, Kunst und Altertumsforschung" (1842—43), die „Chronik von Meiningen" und ähnliche Werke, darunter die Prachtausgabe des Minnesängers Ottos von Botenlaube (1845), das altdeutsche Gericht „Der Ring" von Heinrich von Wittenweiler (1851) und das berühmte Eisenacher „Spiel von den zehn Jungfrauen" herauszugeben. Ueberhaupt widmete er sich mit Vorliebe altertümlichen und geschichtlichen Forschungen, ohne indessen besonders wertvolle Erfolge zu erzielen. Ebensowenig vermochte er als Dramatiker, Epiker und Romanschriftsteller Lorbeeren zu sammeln. . Bon großer romantischer Neigung, besaß er gleichwohl nicht den poetischen Schwung, den seine Gegenstände erforderten; seine Erzeugnisse _ litten unter der Schnelligkeit und Fülle seines Schaffens. . Dagegen sind ihm Formengewandtheit, Phantasie, Innigkeit und Tiefe der Empfindung, und hohe Begeisterung für alles Gute und Schöne nicht abzusprechen.
Am höchsten steht er _ als Märchen- und Sagendichter, und in dieser Eigenschaft verdient er sich auch; den Kranz der Nachwelt. In vier Bänden erschienen 1835 bis 1838 „Der Sagenschatz und die Sagenkreise des Thüringer Landes", dann folgten das berühmte, in zahlreichen Auflagen erschienene „Deutsche Märchenbuch" (1844), das „Neue deutsche Märchenbuch" (1856), „Thüringer Sagenbuch" (zwei Bände, 1858), und „Der Sagenschatz des Frankenlandes" (1842). In seinen „Wanderungen durch Thüringen" giebt er seiner Liebe zur Thüringer Heimat den innigsten und wärmsten Ausdruck. Aus der großen Menge seiner poetischen und prosaischen Werke seien hier nur genannt das historische Gemälde „Tie Weissagung der Libussa", die Gedichte „Die Heimonskinder" und ^,Der Totentanz", der Roman „Das tolle Jahr von Erfurt", das Gedicht „Luther", das Zeitbild „Der Fürstentag", die „Erzählungen und Phantasiestücke", der mit großem Beifall aufgenommene Roman „Fahrten eines Musikanten", und sein humoristisches Lehrgedicht „Neue Naturgeschichte der Stubenvögel".
Das äußere Leben Bechsteins nahm einen ruhigen Verlauf, und brachte ihm mancherlei Ehren und Anerkennungen, so 1840 den Hofratstitel und 1848 die Ernennung zum gemeinschaftlichen Bibliothekar der Teilhaber des hamburgischen Gesamtarchivs. Sein Tod erfolgte am 14. Mai 1860 in Meiningen, das 50 Jahre lang die Stätte seines Lebens und Wirkens gebildet hatte.
Frenssen, Jörn Uhl.
Jörn Uhl, Roman von Gustav Frenssen. Berlin, G. Grote'sche Verlagsbuchhandlung. 1901. Preis geh. 4 Mk., geb. 5 Mk.
„Wir wollen in diesem Buche von Mühe und Arbeit reden. Nicht von der Mühe, die der Bierbrauer Jan Tortsen sich machte, der versprochen hatte, seinen Gästen einen besonders guten Eidersisch vorzusetzen, und sein Wort nicht halten konnte und darüber tiefsinnig wurde und nach Schleswig mußte. Wir wollen auch nicht von der Mühe reden, welche jener reiche Bauernjunge sich machte, dem es trotz seiner Dummheit gelang , seines Vaters Geld in vier Wochen durchzubringen, indem er tagelang die Thalerstücke über den Fischteich schunkte.


