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die Burg niemals einnehmen kann?" fragte gedankenvoll der Burggraf.
„Niemals!" erwiderte stolz der Burghauptmann Mar-
quard.
In diesem erhabenen Augenblick drang gerade donnerndes Hurra und Trommelwirbel vom Burgplatz herauf, und tzleich danach- riß Sergeant Kreß die Thüre auf.
„Herr Burggraf, wir sind überrumpelt worden! Vier als Schreiner verkleidete Hessen-Darmstädter Soldaten haben sich unter erdichtetem Vorwand Eingang durch das Burg- thor verschafft, und die Wache überwältigt! Gleich darauf ist auch die Kompanie, die nur scheinbar aus Friedberg marschiert war, wieder umgekehrt, und mit Hurra zum Thore hereingezogen! Hört Ihr, das sind die Trommeln der Hessen-Darmstädter!"
„Das ist Verrat!" schrie der Burggraf. „Auf solch unrühmliche Weise besiegt, zu, werden? Nimmermehr!
Sie hatte gestern die Kompanie einziehen sehen, und von demselben erhöhten Platze aus,, trotz der, Warnung vor dem „Feinde", dem Geliebten erneu heimlichen Gruß zugewinkt. Jetzt ivar sie sehr enttäuscht: Hans befand srch nickt bei den abziehenden Soldaten!
Sollte er vielleicht krank geworden sein?" dachte sre und "verließ die Mauer. Als sie an den Burgsoldaten vor-
^„Sergeant Kreß, warum war denn wohl der Leutnant
Rabe' nicht bei der Kompanie?"
„Das lveiß ich nicht, gnädiges Fraulern. — Vielleicht hüt er angst, hier vorüber zu gehen", erwiderte der Krieger kurz angebunden.
Solche Worte beleidigten das liebende Mädchen; Henriette Mit Bossenheim würdigte deshalb Kreß, mit dem sie onft sehr gut stand, keiner Erwiderung, sondern schritt, das blonde Haupt stolz erhoben, in das Burggrafiat zuruck. __________
QU derselben Zeit näherten sich von dem Städtchen I Lieber sterben mit den Waffen in der Hand!"
aus vier Zivilpersonen dem Burgthor und klopften an.' I „Noch sind wir nicht besiegt!" rref der Burghauptmann Sergeant Kreß öffnete vorsichtig ein Guckloch und fuhr I feurig. „Ich werfe mit meinen Getreuen den Femd tn
die mit einfachen Mänteln bekleideten vier Männer I den Burggraben!" Er riß den langen Degen aus der Scheide barsch an- »und stürmte fort. Auf dem Burgplatz schrie und komman-
Heda, was wollt Ihr?" I vierte er nach seinen Leuten, da aber feine kamen, fees
' Wir sind die Schreiner, die der gnädige Herr Burg- I er ganz allein mit wildem Hurra gegen die halbe Kom- araf" bestellt hat, um die Möbel zu reparieren", sprach I panie am südlichen Thor Sturm. Der Erfolg dieser ruhm- der Größte von den Männern. glichen Waffenthat war der daß man chn^ einfach; ent-
„Ter gnädige Herr Burggraf hat allerdings Schreiner I waffnete, und Leutnant Rabe erklärte den kühnen Streuer besteltt, und deshalb will ich Euch auch herein lassen", I zum Kriegsgefangenen.
antwortete Kreß streng, und ließ die schmale Pforte öffnen. I Mit Bewunderung hatten der Burggraf und Sergeant Die vier Männer traten ein. Die Burgsoldaten hatten, I dem Hauptmann nachgeblickt.
da die hessische Kompanie um die Ecke verschwunden war, I Der Hauptmann hat recht!" rief der Burggraf, und
die Schießscharten verlassen, ihre Gewehre wieder vor die I nach einem Schwerte aus dem Mittelalter, das ernst
Wache gestellt, und betraten nun die Wachtstube neben 1 reine Ahnen ruhmreich durch! viele Schlachten geführt hatten, dem Thor. Nur Kreß und einige Mann standen bei den I Verteidigen wir die Burg bis zum letzten Blutstropfen! angeblichen Schreinern. I — Ha, Kreß, ist vielleicht der Leutnant Rabe auch 6et
„Ihr seid also die bestellten Schreiner?" examinierte I ben Feinden?" fragte er plötzlich.
der stets mißtrauische Kreß noch einmal, und zu dem 1 „Der hat uns ja überfallen! Jetzt wird er wohl
Größten von den Fremdlingen gewandt, fügte er forschend I $ommeU/ um Eure Tochter zu holen, Herr Graf!"
hinzu: „Hört mal, Ihr kommt mir etwas bekannt vor, he?!" I , $ob soll er sie haben, lebendig — nie!" schrie der „Tas kann schon sein", entgegnete dieser spöttisch. I Ulte. „Ihr müßt meine Tochter vor diesem Verräter m Der Sergeant stutzte aberruals beim Klang dieser I Sicherheit bringen! Schafft sie sogleich in das geheime
Stimme und gebot kurz: Versteck im Keller, neben dem alten Kamm, dann sagen
.Bleibt mal hier und weist Euch erst richtig aus! Unter I wir, sie wäre verschwunden, gestprben, tot! Heute Nacht den Mänteln habt Ihr wohl Euer Werkzeug, he? Aber das I aber holen wir sie wieder heimlich aus dem Versteck, und muß ich erst mal sehen. Heraus also mit dem Zeug; hier I bringen sie aus der Burg! Erstattet mir Bericht, sobald wird nichts verborgen gehalten!" I Ihr meinen Befehl ausgeführt habt. Verstanden ?
„Unser Werkzeug sollt Ihr sogleich sehen!" gab der I „Jawohl, Herr Burggraf! Tot soll er sie haben, le- Große zurück. Dann schrie er plötzlich: I bendig — nie!"
„Es lebe der Landgraf, Hurra!" Tie vier Männer I greg, eilte hinaus. Bald hörte mau auf dem Flur warfen ihre Mäntel ab, und vor Kreß standen Leutnant I eine schreiende Mädchenstimme. Ter Burggraf wollte schon Rabe und drei Soldaten in Uniform und Waffen. Hans I ^ine That bereuen und hinauseilen, da ward es still; zog blitzschnell den Degen, und hielt ihn Kreß auf die Brust. I schien, als würde man jemand den Mund zn halten, „Ergebt Euch, oder Ihr seid des Todes!" I und fortschleppen. Jetzt hörte man unter Waffengeklirr
Ein Soldat riß die beiden Thorflügel auf, während I mehrere Männer die Treppe heraufkornmen. Der Burggraf die beiden anderen ihre Gewehre gegen die in und vor I sehnte seufzend das alte Ritterschwert an die die Wand, der Wachtstube versammelten Burgsoldaten anschlugen. I unb empfing die Feinde.
„Der Leutnant Rabe !^ stammelte Kreß betroffen. Schnell I '(Schluß folgt.)
aber faßte er sich, drückte die Degenspitze beiseite, und I
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„Wir ergeben uns nicht! Kameraden, an die Gewehre! I litt
Werfen wir die Kerls hinaus! Es lebe der Burggraf!" I | Ul " ,
Ta Hans den Sergeanten nicht niederstechen wollte, I Ein Mahnwort von Dr. med. Kurt Rudolf Kreu->ner.
so begann jetzt zwischen den beiden Soldaten ein Ringen I (Nachdruck verboten.)
um den drohenden Degen. Auch die Burgsoldaten schienen I Die Sommerferien sind da und mit ihnen ist der Miene zu machen, sich; den beiden Gewehren entgegen zu I o^tpunkt gekommen, wo ungezählte Tausende hinausziehen werfen. Ta ertönte von außen lauter Trommelwirbel, I fst bie gernc, um nach! Monaten angestrengtester Berufsund mit Hurra drang eine halbe Kompanie Hessen-Darm- I ar6eit wenige Wochen im intimsten Verkehr mit Mutter ftäbter durch das geöffnete Burgthor ein. Die andere I g^atur ,u verbringen. Für wen nicht die leichte Erreich-- Hälfte der Kompanie hatte unterdessen in der Nähe der I 6arteit be§ Strandes oder eine besondere Vorliebe für Sandgasse den Burgwall erstiegen; sie besetzte jetzt das I Mefen ausschlaggebend ist, um seine Schritte nach den
hintere Burgthor, und entwaffnete die dortige Wache. I Meeresküsten zu lenken, der sucht wenn irgend möglich!,
Sergeant Kreß gab den Kamps auf, riß sich los und I Bergrevier zu erreichen. Mag ein Plätzchen im Walde eilte in das Schloß.--- I ber Ebene noch so idyllisch gelegen fein,, so hat es doch
Im Eckzimmer des Schlosses standen vor dem großen | einen eigenen, unwiderstehlichen Reiz, ans der Bergmatte
■ eicfienen Tische der Burggraf, und sein Burghauptmann; eine andere Vegetation wachsen, Über den Steinsturz den
sie studierten abermals die Pläne zur Verteidigung der I krystallenen Bergquell hupfen zu sehen und in der reineren ausaedehnten Werke der Burg Höhenlust die kranke Brust gesund baden zu können, und
„Ihr seid also ganz sicher, Hauptmann, daß man * die blauen Berggipfel zu unseren Häupten winken uiu


