Ausgabe 
23.6.1901
 
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Wir kommen von Sankt Veit; Gebt uns auch a Scheit, Gebt uns auch a Steuer Zu diesem Sonnenwendfeuer.

»oot auf den schaumgekrönten Wellen, und majestätisch hallten die Donnerschläge zwischen den Felseninseln wider.

Verlockend, zauberisch schön war mir das Meer bis jetzt erschienen. Heute sollte ich es in all seiner Gewalt kennen lernen, wie es mit Menschenleben und Menschen­gut sein verheerendes Spiel treibt, grausam alles auf- bretend, um den Vorwitzigen, der sich! ihm anvertraute, m dte grollende, unergründliche Tiefe herunterzuziehen.

(Fortsetzung folgt.)

linden" eine lebensvolle Scyilderü'ng "giebt.

. wichtige Kulthandlungen scheinen an diesem Feste m Mittel- und Nordeuropa verbreitet gewesen zu sein, das änzunden des Sonnenwendfeuers, das Treiben des feurigen *)a§ Aufpflanzen der Mittsommerstange. Wie Pf -A^ltelalter wert und breit, so zogen vor einigen Jahr­zehnten noch tn vielen Städten und Dörfern die jungen burschen von Haus zu Haus, um Holzscheite, alte Besen, Lannenzapfen und, wenn irgend möglich, eine leere Theer- wnne zu dem Johannisfeuer zu sammeln. Dabei stimmten ue folgendes an:

Sonnenwende.

Kulturgeschichtliche Skizze von Ludwig Epstein (Jülich).

(Nachdruck verboten.)

Natur steht jetzt in herrlichster Pracht. Baum und Strauch, Gras und Blumen, alles grünt in üppigster Fülle. Am saftreichsten sind nun die Wiesen, im vollsten Blätter- fchWjfwEe grünen die Wälder, iind die Blumen haben ihre lieblichsten Farben angezogen. Der Kreislauf des Jahres ijt tote die Sonne, die ihn regelt, an einem Wendepunkte angekommen; die Zeit des Lichtes, der Helle Tag, hat seinen Höhepunkt erreicht und sein höchstes Maß erfüllt; er triumphiert über das Dunkel der Nacht, die auf ihren kleinsten Raum beschränkt ist. Der Frühling, die Zeit der Saat, des schwellenden Saftes und der keimenden Blüte, hat Abschied genommen, der heitere Lenz hat dem ernsten Sommer, der Jahreszeit des Reifens, der Frucht und der Ernte, das Feld geräumt. Nun ist die Zeit der Rosen, von der Otto Roquette begeistert singt:

Noch ist die blühende, goldene Zeit, O, du schöne Welt, wie bist du so weit! ' Und so weit ist mein Herz, und so klar wie der Tag, Wie die Lüfte, durchjubelt von Lerchenschlag!

Vhr Fröhlichsten, singt, weil das Leben noch matt, Noch ist die schöne, blühende Zeit, Noch sind die Tage der Rosen!"

gerade sympathisch berührte, mußte ich doch die Kraft . Wer uns ka Scheit will aeben

und Gewandtheit bewundern, mit der er die Ruder führte. Soll's nächste Jahr nimmer erleben "

Ta kam der erste heftige Windstoß die erste Sturz- < \ T9 "immer erleben.

welle, und als hätten die Elemente nur auf dies Zeichen b.e§ ^Eiwendsestes oder am Jo-

gewartet, brach das Gewitter plötzlich mit aller Gewalt I stammten überall auf den Bergen die

los. Blitz folgte auf Blitz; tote eine Nußschale tanzte unter I "b^MiNis- oderSunnatoendjeuer", in Süddeutschland und Boot auf den schaumaekrönten ^eHen Lh I Österreich auchVettsfeuer" genannt, auf, um die sich

und alt, reich und arm zu fröhlichem Tanze und zur Ausübung mancherlei Aberglaubens zusammenfand. Selbst Fürsten und hohe Herren verscymähten die Teilnahme an einem jolchen Feste nicht. Im Jahre 1497 zündete die schone Susann« Neithard in Gegenwart Kaiser Maximilians zu Augsburg aus dem Markte das Johannisfeuer an imb machte an Philipps Hand den Reigen um die Flammen

Schon früh wurden diese alten Bräuche von der geist­lichen und auch von der weltlicben Obrigkeit verboten. Da­gegen wendet sich Goethe in seinem Vers:

Johannisfeuer fei unverwehrt, Tie Freude unverloren."

r.^ Trotz aller Bemühungen, die Sitte auszurotten, erhielt sich dieselbe hier und da bis auf unsere Tage.Wenn wir am Johannisabend in den Vorbergen der Sudeten uns be- finden", sagt Professor Dr. E. Mogk,sehen wir Hunderte solcher Johannisfeuer leuchten. Sie machen schon an und für sich einen erhebenden Eindruck. Aber hinter ihnen flammt ein Stück alten Volkstums auf, das uns belehrt wie in ihrer Weise unsere Vorfahren die Rätsel der Natur zu lösen suchten. Alles Eifern der Geistlichkeit gegen diese altheidnische Site, die mahnenden Worte des hl. Elegius im siebenten Jahrhundert, wie die Bestimmungen dagegen, die von Burchard von Worms herrühren, sind vergeblich gewesen: auch heute wird man die Sonnenwendfeuer bei der deutschen Bevölkerung Böhmens nicht auszurotten ver­mögen, trotz der scharfen Verfügungen, die eine vom Slaventum beeinflußte Regierung gegen diese alte Sitte erlaßt."

,, Aach dem Volksglauben soll das Johannisfeuer vor Krankheiten und Unwetter schützen. So errichtet der Steier­märker in seinem Felde ein solches Feuer und spricht dabei:

O heiliger Johanni und Donati, Behüte, unser Feld und unser Vieh Vor Blitz und Donner und Schauertoben, In dieser Zeit der höchsten Lichtfülle feierten unsere I W daß wir euch immer ünd ewiglich loben."

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i Festes der Sommersonnenwende, auch getanzt. Auch werden nach alw?W s?I uve en Blumen

^nton herrlichen^posDreizehn- | Sonne. Das sogenannte Scheibenschlagen,dasEmpor" wrrbeln am Rande angeglühter Holzscheiben, gehört als Symbol des steigenden Sonnenrades in die Osterzeit." Im ~aufe der Zeit wurden diese ursprünglich getrennten Ge­brauche indessen nicht mehr genau auseinandergehalten.

Mancherlei Anzeichen deuten darauf hin, daß diese heiligen Feuer-ursprünglich nach Art derNotfeuer" an- gezündet wurden. Letztere, gegen welche schon die Synoden des achten Jahrhunderts als alten heidnischen Brauch ankämpften, waren ursprünglich an keine bestimmte Zeit gebunden, sondern wurden entfacht, wenn epidemische Krank­heiten unter Menschen oder Vieh ausgebrochen waren. Nachdem man alle Feuer des Ortes ausgelöscht hate, zog alt und jung vor Sonnenaufgang nach einem festgesetzten Platze, um als Ersatz des alten, abgelebten Feuers feier­lich das junge, frische Feuer, an dessen heiliger Flamme