Ausgabe 
23.6.1901
 
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Aha" dachte ich,da haben wir also deine schwache Seite, alter Freund! Tn bewunderst deine Pflegetochter, und will man sich bei dir einschmeicheln, muß man an­scheinend der Kleinen den Hof machen. Hatte ich das, vorher gewußt wer weiß, ob ich dir so willig gefolgt wäre. Tiefe ländlichen Schönheiten sind nie nach meinem Geschmacke gewesen."

,So, jetzt find Sie orientiert, lunger Mann", miter- brach mein Führer meine Betrachtungen,und da haben wir auch! den Leuchtturm."

Zweites Kapitel.

Ter Leuchtturm mit der Wohnung des Leuchtturmver­walters war auf dem hervorspringenden Felsen erbaut, welcher die Insel der ganzen Länge nach durchschneidet! und hier schräg zum Meere abfällt. Von den Fenstern blickten die Bewohner hinaus über die wogende Meeres­fläche. Sie sahen die schlanken Segelschiffe und die schwarzen Dampfer um die Wette dahineilen, und dev Gesang der Wellen, mild und lockend zur hellen, fröhlichen Sommerzeit, drohend und gewaltig in langen Herbst- und Winternächten, drang unaufhörlich an ihr Ohr. Einsam mochte es hier vielleicht sein, einförmig aber nicht. _

Auf der steinernen Treppe saß ein hochaufgeschossener Jüngling mit feuerroten Haaren und einem runden Gesicht voller -Sommersprossen. Er summte mit leiser, eintöniger Stimme ein altes Volkslied vor sich hin und putzte daber eine Laterne. .

Mein Gehilfe", stellte Schiffer Hansen vor.Hier, Thorstein, siehst Tu einen studierten Herrn aus Christiama, der den Sommer bei uns verbringen will." Der Angeredete ließ die Arbeit ruhen und betrachtete mich starr mit seinen Hellen Augen.

Wo steckt denn Gunhilda?" fuhr der Alte fort.Sonst kommt sie doch stets ihrem Brummbären hier unten ent­gegen, und ich! habe hundert Grüße und Bestellungen von den Pfarrersfräuleins." , .

Tie Jungfer ist gleich nach beut Herrn fort sagte Thorstein langsam und zögernd, als gelte es, ein Geheimnis so lange wie möglich zu bewahren. Thora,-des«Steuer-

mann Lars seine Frau, ist krank iutb schickte Botschaft mit bea Küsters Ole, Jungfer Gunhilda möchte nach ihr sehen. Da packte sie ihren Kasten, und ich trug ihn hinunter ins Boot. Mitnehmen wollte sie aber niemand, sagte sie. Und bald zurück wollte sie auch fein, sollte ich bestellen.

Das kommt davon. Giebt man erst einen Finger, dann - Sie kennen das Sprichwort, Doktor", brummte der Leuchtturmverwalter.Seit unser alter Arzt von uns geschieden ist und meiner Pflegetochter seinen ganzen Arzeneikram vermacht hat, muß sie immer Ordres parieren, wie der Medikus selbst es thun mußte. Wert ist es nach der nächsten Stadt, wo der Bezirksarzt wohnt, und vor ineiner

ovgestern Hoffrmngrn, in Kircspm eingeschlossen, Und gestern Blütenfüll', in Duft und Glanz ergossen; Am Boden liegen welk die Rosenblätter heut:

Das ist dein Glück, o Welt, und was ein Herz erfreut!

Rücker t.

(Nachdruck verboten.)

Aus der Felseninsel.

Eine Erzählung aus den norwegischen Schären. Von M. O t t e s e n.

(Fortsetzung.)

Ick) wurde aufmerksam. Wie alle Seeleute war mein " - iter natürlich auch nicht von dem Aberglauben seines

>es frei, und ich ahnte, daß er so sprach, damit ich Behauptungen widerlegen konnte.Em englischer

>r sagt zwar, es giebt mehr Dinge wi Himmel und auf Erden, als Eure Schulweisheit sich! träumen laßt, erwiderte ich;wenn man mir aber mit verzauberten Seeprinzessinnen kommt, so werde ich den wumm topf fragen, ob er mich für einen Tollhäusler hält." ,

So ist's recht. Das sage ich auch, und, Gottlob, viele mit mir", sagte der Alte besänftigt.Sprechen wir nicht mehr davon. Bald find wir an Ort und stelle Sehen Sie diesen Pfad Weg kann man doch die paar Stufen, welche eine weife Obrigkeit zur Bequemlichkeit des Leuchtturmverwalters hier einst einhauen ließ, kaum nennen. Na, alles ist schließlich Gewohnheit, ßch krieche schon hinauf. Gunhilda, die klettert so geschwind wie ein sunges Renntier, und Besuch bekommen wir nur selten.

,Sie sprechen von ihrer Tochter?" fragte ich mehr aus Höflichkeit als aus Neugierde. .

Nein. ... Ja. Gunhilda ist nicht nteut fttno. a* liebe sie aber wie mein eigen Fleisch und Blut sie mein Augapfel, darf ich schon sagen, was ist ja gerade die Geschichte, die ich Ihnen heute, abend erzählen muß, wie sie mir der Sturmwind einst in der Herbstnacht brachte. Und nichts für ungut, Herr Gunhilda ist tn manchen Dingen ein wunderliches Mädchen, das ganz apart be­handelt fein will. Der Pfarrer meint, ich- habe ste über ihren Stand erziehen lassen. Tu lieber Gott - das bißchen Lernen hat es nicht gethan. In dem Kmde stecken eben ganz besondere Anlagen, und was sie weiß,, verdankt sie hauptsächlich sich selbst. Ich denke die Kleine wird sich freuen, wenn ich ihr einen so gelehrten Herrn Mitbr ng , der ihr ganz anderes von der großen Welt erzählen kann, als wir einfachen Inselbewohner."