Ausgabe 
23.5.1901
 
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leine Gunst zu VssWm. W NWke UMristW» WWer. Woher sie denn den lernte?

Oh, seit lange; noch vor ein paar Pagen sei er hier ge­wesen, eines Morgens ganz früh; und bann ging er weiter nach! dem Ausflugsort.

Hans Fleischer klopfte baß Herz bis zum Hals» hinauf. Gr überlegte einen Augenblick,, und sofort hatte er feine alte straffe Haltung wiedergesuntztm.

Wann war das?"

Bor ein paar Tagen."

Wer genau, an welchem Tage? Ich muh es ganz be­stimmt wissen." Und er bestellte eins Flasche Wein und schenkte dem Mädchen und sich ein. Sie rechneten es zu­sammen aus. Es war an dem Morgen nach dem Konvent gewesen, wo Fleischer seine Anklage erhoben hatte. Alles stimmte. An dem Morgen hatte Oelschläger den Wirt be­zahlt und ihn vermocht, bis zum Ende des Semesters zu reisen. Das Geld mochte er sich irgendwie besorgt haben. Aber dann mußte ja die Postquittung über die Geld­sendung gefälscht sein!

Fleischer sprang auf, zahlte und ließ die verdutzte Kellnerin bei der halbvollen Flasche sitzen. Als er zur Thür K rg, sah er zufällig in den Spiegel. Wie er nur aussah? er was hatte das jetzt zu bedeuten! Er lies in die Stadt zurück, nahm eine Droschke und fuhr zu dem Borsitzenden der Verbindung.

Der Beweis war erbracht. Die Postquittung war wirk­lich? gefälscht, und mit einem geradezu raffinierten Geschick, wie der Postdirektor sagte. Das gehöre vor den Staats­anwalt, meinte er.

Oelschläger leugnete alles ab. Er berief sich auf das Zeugnis des abwesenden Wirts. Aber was half's; die Sache lag so llar, daß oer Spruch! nicht zweifelhaft sein konnte. Er wurde mit Schimpf aus der Verbindung ausgestoßen. Die Füchse wurden hereingerufen, und das Urteil ihnen verkündet. Wolf Hartmann war völlig fassungslos; sein Leibbursch, sein Freund, sein Ideal ein Ehrloser! Es war seine erste bittere Lebenserfahrung. Indem brachte der Kellner einen Brief herein; Martin Oelschläger beteuerte nochmals seine Unschuld und nahm Wschied, den letzten Abschied von seinen Freunden.

Es war llar: er wollte sich? das Leben nehmen. Was nun thun? Wie sollte man ihn daran hindern? Seine Eltern wohnten auswärts; wen sollte man benachrichtigen? Und wenn er wirklich? diesen Entschluß gefaßt hatte, so war es sicher, daß er ihn noch in derselben Nacht ausführte. Wer in Wolf schrie alles: ihn retten! Er ergriff Hut und Stock und stürmte hinaus. Wenn die andern Oelschläger verließen, wollte er wenigstens ihm Treue bewahren, er wollte aus der Verbindung austreten und sein ganzes Leben einsetzen, um ihn zu retten. Ohne Ziel ging er vor­wärts. In der kühlen Abendluft kam ihm das Sinnlose seines Vorhabens schmerzlich zum Bewußtsein. Wo wollte er ihn suchen? Wer es ließ ihm keine Ruhe, er wanderte weiter, aus der Stadt hinaus, den Berg hinan, in den Wald, den er so oft in dem herrlichen Sommer mit Oel- schlläaer durchkreuzt hatte. Es war eine Helle Mondnacht, und das llare Licht ließ alle Plätze genau erkennen und rief alle so schönen, jetzt so bitteren Erinnerungen mit unbarm­herziger Deutlichkeit zurück. So kam er an einen Kreuzweg, wo wenige Schritte davon unter alten Buchen eine Moos­bank stand ein Lieblingsplatz der beiden Freunde, von wo man einen reizenden Blick über das Thal hatte, in dem sich? die Universitätsstadt hinstreckte. Wie oft hatten sie dort gesessen, geplaudert und gescherzt, Lustschlösser gebaut, geträumt. Laut aufschluchzend ging Wolf vorüber.

Und auf der Moosbank, im Dunkel der alten Buchen, sah Martin Oelschläger wirklich. Als er sein Schicksal ent- fchieden sah, war sein Entschluß gefaßt. In einer Stunde bösen Leichtsinns hatte er das ihm anüertraute Geld unter­schlagen, in der bestimmten Absicht, es wieder zurückzu- zahlen. Als fein Fehltritt durch? Fleischers Vorgehen an den Tag zu kommen drohte, wurde seine im Grunde nicht unedle Natur weiter gedrängt bis zum Verbrechen. Die Be­stechung des Wirts war geglückt, aber einmal in die Folgen der unseligen That verstrickt, schritt er zur Fälschung des Postscheins. Er blieb sich! bewußt, was für eine Verzweif-

lungsthat war ; Oeich riW WeWrM AnKlM Mt» « sich einen Revolver gekauft. Ör spielte verhängnisvoll; fcm es heraus, so stand fein Entschluß fest, fein entehrtes Leben mit dem Tode zu sühnen. Mit dem Revolver in der Tasche war er in die Sitzung des Ehrenrats gegangen; nach dessen Spruch hatte er unten in der Wirtschaft feinen Abschiedsbrief geschrieben, war bann hinauf in den Wald gewandert und nach manchem Umwege au den Kreuzweg gekommen. Wolfs Schritte, die laut durch die fülle Nacht hallten, trieben ihn ins Waldesdunkel zu der Moosbank. Im Mondlicht erkannte er Wolf, hörte fein Schluchzen um ihn. Die Treue des Jungen rührte ihn bis ins Innerste das war der letzte Schmerz. Wer gerade Wolf sollte ihn hier nicht finden, nicht jetzt und nicht später. Langsam verhallten die Schritte. Der Schuß sollte ihn nicht zurückrufen. Er zog die Uhr aus der Tasche, ging bis zum Kreuzweg vor, und im Mvndlicht zählte er die peinigend langsam schleichenden Minuten. Als Wolf fern genug war, ging er in den Wald zurück, setzte sich auf die Moosbank und drückte ab.

Beerensuchende Kinder haben ihm am ändern Morgm gefunden.__

Gemeinnütziges.

Australische Tafeläpfel. In Australien wird Herbst, wenn zu uns der Frühling kommt, also gerade jetzt, wo wir unsere obstärmste Zeit haben, ernten di« Australier ihren Obstsegen ein. Natürlich machen sich die australischen Obstzüchter diesen Umstand zu nutze und sen­den, besonders nach? London, aber auch nach einigen Hafen- städten Deutschlands, die sehr angenehm säuerlich schmecken­den und wundervoll gefärbten Tafelfrüchte, die das Pfund, je nach! Sorte und Güte 50 Pf. bis 1 Mk. kosten. Es ist dies ein sehr wertvoller Umstand für Obstliebhaber; denn sie können so während des ganzen Jahres Obst genießen. In der neuesten Nummer des prakttschen Ratgebers, die vom Geschäftsamte zu Frankfurt a. O. zu erhalten ist besindet sich! ein längerer Aufsatz über diese australischen Aepfel mit zwei trefflichen Abbildungen.

Um zu erkennen, ob ein Trin kwas ser als Genußmittel verwendbar ist, hat man nur in ein Trinkglas voll Wasser einen Eßlöffel voll klarer Tannin­lösung 1 Teil Tannin in 4 Teilen Wasser und 1 Teil Weingeist gelöst zu bringen. Tritt sofort oder nach einiger Zeit eine erhebliche Trübung ein, so ist es gefährlich beim Genüsse; denn durch diese Trübung ist erwiesen, daß solches Wasfer reich ist an organischen Stoffen, namentlich! tterischer Abstammung, und diese sind es, welche am leichtesten in Fäulnis übergehen.

Essig wird vielfach auf dem Lande als Zusatz zum Trinkwasser verwendet, um den Durst besser zu stillen. In Keinen Mengen, und vorausgesetzt, daß man guten Obsi> oder Weinessig besitzt, schadet der Essig nicht. Er unterstützt die Verdauung der eiweißhaltigen Nährstoffe. In größeren Mengen, mit oder ohne Wasser genossen, stört er nicht allein den Verdauungsprozeß, sondern zer­stört auch die roten Blutkörperchen, erzeugt Blutarmut, Bleichsucht, Hautausschläge u. dgl. An diesen Krankheiten leidenoen Personen, besonders Frauen und Mädchen, muß er entzogen werden. Ebenso ist der Genuß stark mit Essig gesäuerter Speisen, Salate, Ragouts usw. magen- leidenden Personen strengstens verboten.

Zifferblatträtsel.

Nachdruck verboten.

I II III IV V VI VII VIII IX X XI XII

Statt der Ziffern des Zifferblattes sind die Buchstaben AAA, B, E, G, M. NN, R, T, U derart zu setzen, daß die Zeiger bei ihrer Umdrehung Wörter von folgender BedeuMng berühren:

15 innerer Körperteil.

26 Geschäftsmann,

28 dessen Geschäft.

86 Hauptstadt einer belgischen Provinz.

611 Kopfbedeckung.

711 Name von Päpsten.

911 Kroatischer Titel.

101 Land in Asien.

Auflösung in nächster Nummer.

Krdkltion: E, Burkhardt. mck Verlag »er Brühl'schr« UaiverfitiitS-Such- und Tteindrnckerei (Pietsch Erde«) in Hirse».